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Norddeutsche Rundschau

20. November 2017 | 10:51 Uhr

Märchenhafter Klang aus 1001 Nacht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Musikalischer Ausflug in den Orient: Thürigen Philharmonie Gotha begeistert mit Sinfoniekonzert im theater itzehoe

Mit dem sechsten und letzten Sinfoniekonzert dieser Saison zog der musikalische Orientalismus in das gut besetzte theater itzehoe ein. Mit Mozarts Ouvertüre zur „Entführung aus dem Serail“ klingt schon die Spannung von Morgenland und Abendland an, die sich für unser Kulturverständnis meist im märchenhaften Weltliteratur-Klassiker der „Märchen aus 1001 Nacht“ bündelt. Dessen Erzählerfigur Scheherazade greift die Programmdramaturgie der Thüringen Philharmonie Gotha in den beiden zentralen Werken des Konzerts auf, zunächst in Fazil Says 2008 uraufgeführtem Violinkonzert „1001 Nights in the Harem“, nach der Pause schließlich in Nikolai Rimski-Korsakows Orchestersuite „Scheherazade“ (1888).

Die Erzählerin Scheherazade weiß, dass sie dem König wirklich besonders spannende Geschichten erzählen muss, damit er sie nicht am Ende der Hochzeitsnacht töten wird. Bei Fazil Say und Nikolai Rimski-Korsakoff übernimmt die Violine die Rolle der Erzählerin. Sie spielt sozusagen um ihr Leben. Sophie Moser rührt dann auch mit ihrer Erzählgeige das Publikum an. Sie beherrscht die wehmütig-klagenden Töne ebenso wie die glitzernden Glissandi. Der Komponist lässt das Orchester zwischen der orientalischen Klangwelt und unseren klassisch geprägten Hörgewohnheiten hin- und herschwingen. Dirigent Michel Tilkin betont die Gegenwelten durch raffinierte Be- und Entschleunigungen. Immer wieder fasziniert die Violinvirtuosin mit ihrem funkelnden Spiel, dessen Gefühlswelt durch den türkischen Perkussionisten Can Ünlüsoy mit den Schlaginstrumenten Kudüm, Bendir und Darbuka effektvoll untermalt wird.

Und wie in 1001 Nacht: Scheherazade hört nicht auf zu erzählen. Folgerichtig lässt Fazil Say das Werk in einem einzigen vielversprechenden Ton ausklingen. Die Geige verspricht: Es geht weiter. Und wir wissen, dass Scheherazade in 1001 Nacht drei Kinder mit dem König gezeugt hat. Nun muss er sich als Haremsherr nicht mehr vor der Untreue seiner Frauen schützen, indem er sie nach der Hochzeitsnacht tötet.

In Rimski-Kosakows Suite (op. 35) erzählt Scheherazade, jetzt der Konzertmeister Alexej Barchewitsch an der Solo-Violine, Sindbads Seefahrer-Geschichten. Tilkin glänzt mit seinem präzisen Dirigat auch in den härtesten Weltmeer-Orkanen, durch die Sindbad segeln muss, bevor sein Schiff zerschellt.

Das Konzert begeisterte mit seinem roten Faden durch die 1001 Erzählnächte, mit dem Klangkörper voller federnder Eleganz und den drei bereits namentlich genannten Solisten, die übrigens von vielen Solo-Passagen der Orchester-Register ergänzt wurden. So muss sich sowohl bei Say als auch bei Rimski-Korsakow das Fagott als Solo-Instrument präsentieren, eher eine sinfonische Seltenheit.

Viel Beifall und Begeisterung!

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