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Norddeutsche Rundschau

22. November 2017 | 06:46 Uhr

Mädchen im Ausnahmezustand

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Du kommst damit nicht durch“, sagt die eine. „Wir werden sehen“, sagt die andere. Marlena Stege hält als Saskia die wohlbehütete Rike (Hanna Maria Weiß) in einem Wohnwagen gefangen, um deren Vater zu erpressen. Er soll die Anzeige gegen Saskias kriminellen Freund zurückziehen. Am Schluss liegen sich beide Mädchen in den Armen und merken, dass die neu erkannte persönliche Stärke wertvoller ist als die zerrüttete Familien- beziehungsweise Freundesbeziehung.

Der Jugendclub im Theater Itzehoe zeigte mit dem Stück „Trüffelschweine“ von Kristo Sagor ein Psychogramm zweier junger Frauen, die in ihren sozialen Verhältnissen gefangen sind und über die Verzweiflungstat Saskias eine neue Sicht auf ihre eigene Situation erlangen. Dazwischen liegen viele quälende Auseinandersetzungen, Beschimpfungen, Bedrohungen, körperliche Gewalt und sogar ein Rollenwechsel, mit dem die Täterin zum Opfer und selbst zur Gefangenen wird. Gierig wie „Trüffelschweine“, denen man etwas Wertvolles, aber für sie nicht Erreichbares vor die Nase hält, suchen Saskia und Rike nach Liebe und Anerkennung – zwei Mädchen im Ausnahmezustand.

Da wider Erwarten niemand sie vermisst, läuft die Aktion ins Leere, beide verlassen sichtlich gereift den Wohnwagen. Im intensiven Dialog messen sich Hanna Maria Weiß, die sich schon in kleineren Rollen ausprobierte, und Marlena Stege, die frisch beim Club dabei ist und das erste Mal für einen Studioauftritt auf der Bühne stand. Schnelle Stimmungswechsel zwischen kindisch, traurig, frech, wütend, beschwipst und ausgelassen prägten das Spiel, das Videos im Hintergrund unterstützt wurde. Außerdem war besonderer körperlicher Einsatz gefragt, der einige blaue Flecken hinterlassen wird: Mehrmals mussten sich die Darstellerinnen mit dem Stuhl, auf dem sie gefesselt waren, wirkungsvoll laut auf die Seite fallen lassen. „Das haben wir intensiv geübt. Hanna und Marlena haben dafür ihre eigenen Formen gesucht“, erläuterte Theaterpädagogin Britta Schramm, die Regie führte. Sie zeigt in dieser Saison mit den Jugendclubs mehrere Zwei-Personen-Stücke statt größerer Besetzungen und blickt auf eine neue Erfahrung zurück: „Man kann viel intensiver proben, die Spieler können sich besser aufeinander beziehen.“ Und die Zuschauer erleben alltagsnahe Kammerspiele, die mit wenigen Requisiten die Bühnen- und Theaterwelt vermitteln sowie jugendliche Erfahrungen in eindringliche Bilder umsetzen.>

Das Stück läuft in anderer Besetzung (Deborah Hinrichs und Marlena Stege) auch Freitag, 12. Juni, im Studio. Außerdem zeigen die Jugendclubs am Donnerstag und Freitag, 4. und 5. Juni, „Bitch Box“ sowie am 18. und 19. Juni „Hanna und Hannah“. Beginn jeweils um 19 Uhr.

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