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Norddeutsche Rundschau

22. Oktober 2017 | 05:28 Uhr

Kultur : Lyra kämpft mit Besucherschwund

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wenig Gäste beim Auftritt von Dirk Darmstädter in der Galerie Rusch. Kulturverein wird Veranstaltungsreihe überarbeiten.

Mit Hits wie „Brand New Toy“ erlangte Dirk Darmstädter als Sänger der international erfolgreichen Hamburger Pop-Band The Jeramy Days in den 90er Jahren Ruhm und Anerkennung. Seit 1997 ist der sympathische Hanseat glücklich als Solo-Künstler auf Tour und betreibt ganz nebenbei sein eigenes Label. Am Sonnabend präsentierte der Ausnahmemusiker und Songwriter auf Einladung des Brunsbütteler Kulturfördervereins Lyra sein neues Album „before we leave“ in der Galerie Rusch. Trotz eines spielfreudigen Dirk Darmstädters, der dem Publikum neben humorvollen Anekdoten aus seinem Leben vor allem ein stimmungsvolles Konzert lieferte, hinterließ der Abend einen überaus faden Beigeschmack. Gerade einmal 20 Gäste waren gekommen.

Der 250 Mitglieder starke Kulturverein kämpft bereits seit geraumer Zeit mit sinkendem Interesse an Lesungen und musikalischen Veranstaltungen. „Wenn die Entwicklung so voranschreitet, dann gebe ich Lyra noch zwei Jahre bis zur endgültigen Auflösung“, bedauert Jens Rusch die Entwicklung.

Die Autoren Helmut Karrasek, Sarah Kirsch, Schauspielerin Hannelore Hoger sowie Yared Dibaba und Musiker Michy Reincke oder die Wingenfelder-Brüder (ehemals Fury in the Slaughterhouse) – nur einige der Künstler, die in den vergangenen 13 Jahren zu Gast waren. Mit der Galerie Rusch steht dem Kulturförderverein eine Lokalität zur Verfügung, in der bis zu 90 Gäste Platz finden. Ein Raum mit einer ganz besonderen Atmosphäre, insbesondere dann, wenn alle Stühle besetzt sind und die Künstler mit dem Publikum interagieren. „Das hat ja schon beinahe etwas von einem Wohnzimmer-Konzert“, zeigten sich die Wingenfelder im Rahmen ihrer Akustik-Tour begeistert.

„Konnten wir in der Vergangenheit in der Regel rund 50 Prozent der Plätze über den Vorverkauf belegen, verkaufen wir jetzt nur noch drei bis vier Karten“, sagt Rusch. Die Folgen: fehlende Planungssicherheit, wachsender Stress, zunehmende Sorgen. „Immer häufiger werden wir in die Situation gebracht, in der wir uns überlegen müssen, ob wir die Abendveranstaltung kurzfristig absagen“, betont Rusch. In der Vergangenheit musste der Verein zu häufig aufgrund mangelnder Besucher auf die Vereinsrücklagen zugreifen, um die Künstler zu bezahlen. Der Jahres-Mitgliedsbeitrag von 20 Euro ist so berechnet, dass Ausgaben wie Gema, Künstlersozialkasse, Werbeplakate und Flyer davon bestritten werden können. Unterstützung von der Stadt Brunsbüttel gibt es nicht, und auch die Zahl externer Förderer ist spärlich. Kritik, dass die Lyra-Veranstaltungen reine Werbeveranstaltungen für die Galerie Rusch seien, macht den selbstständigen Künstler sprachlos. „Meine Frau und ich haben in den vergangenen 13 Jahren nicht einen Cent daran verdient.“

Sowohl die verbalen Attacken als auch der immense zeitliche Aufwand, der mit der Vereinsarbeit verbunden ist, brachten Jens Rusch bereits 2011 dazu, den Vorsitz an Dieter Wölfert abzugeben. Auch wenn der neue Vorsitzende viele Aufgaben übernommen hat, bleibt viel Arbeit an Rusch hängen.

„Auf die gegenwärtige Situation müssen wir reagieren“, kündigt Rusch an. Die Zahl der Hochkaräter wird auf zwei pro Jahr heruntergefahren. Das übrige Programm soll von Künstlern gestaltet werden, die Verständnis für die Lage des Vereins aufbringen und bereit sind, für das Eintrittsgeld zu spielen. „Wir werden weiterhin bemüht sein, unseren Mitgliedern und Gästen eine ausgewogene Mischung an Lesungen und Konzerten zu bieten. Jedoch in leicht veränderter Form“, so Rusch.

Für den Februar 2015 konnte bereits der australische Liedermacher Jaimi Faulkner sowie für die zweite Jahreshälfte der kanadische Musiker Dave Goodman verpflichtet werden.

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