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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 13:55 Uhr

Aufräumen : Luft holen nach dem großen Sturm

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Feuerwehren absolvieren fast 900 Einsätze in Steinburg und Dithmarschen. Bahnverkehr bleibt weiter beeinträchtigt. Aufräumen wird noch Wochen dauern.

„Christian“ sorgte für sehr starken Wind – und auch gestern hatten die Feuerwehren mit den Sturmfolgen zu tun. Manche Schäden sind beseitigt, vielerorts wird es aber noch dauern.

Im Heider Westküstenklinikum liegt seit Montag ein Itzehoer, den der Sturm von einem Vordach in der Brunnenstraße geblasen hatte. Er sei auf dem Wege der Besserung, hieß es gestern aus der Klinik.

Rund 90 Minuten lang war ein Drittel des Itzehoer Stadtgebiets ohne Strom. Ursache war, wie gestern feststand, nicht ein Ausfall im Umspannwerk im Edendorfer Innovationsraum, sondern eine Störung im vorgelagerten 110-Kilovolt-Netz. Betroffen vom Blackout war auch das Schwimmzentrum: Als das Licht ausging, mussten die Gäste das Wasser verlassen. Die Aufsicht habe die Schwimmer nicht mehr richtig sehen können, erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Tenfelde. Bald darauf stand die Schließung des Bades im Raum – da ging das Licht wieder an.

Die Freiwillige Feuerwehr Itzehoe absolvierte rund 60 Einsätze bis 19.30 Uhr, gestern Morgen kamen drei weitere hinzu. Überall sah es ähnlich aus: Die Elmshorner Leitstelle verzeichnete 390 Einsätze im Kreis Steinburg, in Dithmarschen sogar 500. Rund 30 Mal mussten gestern in beiden Kreisen umgestürzte Bäume bearbeitet werden, die zuvor nicht aufgefallen waren.

Der Itzehoer Stadtförster Torsten Wismar berichtete von vielen Baumschäden an Grundstücksgrenzen und Straßen. „Im Wald hätte es schlimmer kommen können“, andere Landesteile seien stärker betroffen. Wohl wahr: In den nördlichen Kreisen ist das Betreten der Wälder verboten. Viele Wege in den Itzehoer Forsten mussten von Bäumen befreit werden. „Ärgerlich ist es auch, weil überall etwas zu machen ist“, so Wismar. Das sei aufwändig und teuer.

In Horst traf eine Kiefer einen BMW. Ein Landwirt hob sie mit dem Frontlader vom Wagen, die Feuerwehr befreite die Beifahrerin, eine 53-Jährige aus Elmshorn. Sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Der 20-jährige Fahrer aus Uetersen erlitt Prellungen, eine Autofahrerin im Wagen dahinter einen Schock. Im weiteren Verlauf der Landesstraße 100 Richtung Hohenfelde wurde ein polnischer Lastwagen vom Wind in den Graben gedrückt.

Markante Sturmfolge in Kellinghusen: „Christian“ knickte den Wetterhahn auf dem Turm der St. Cyriacus-Kirche ab. Vor rund 30 Jahren war er bei einer Renovierung wetterfest verankert worden, aus Sicherheitsgründen sperrte Küster Horst Hülsmann das Kirchengelände trotzdem ab und informierte eine Elmshorner Fachfirma. Die wird mit einem Schwerlastkran anrücken.

Auf der Elbe vor St. Margarethen geriet ein zehn Meter langes Boot in Seenot. Der Eigentümer aus Polen bekam Probleme mit dem Ruder, das Boot fuhr in einen Priel. Dort allerdings lag es schlecht, auch wenn der Eigner es an einem ins Wasser ragenden Baum festmachen konnte. Wasserschutzpolizisten aus Glückstadt, Schutzpolizsten aus Wilster und Feuerwehr aus St. Margarethen eilten herbei und schafften es, das Boot von einer kleinen Kaimauer abzuhalten. Dem Seenotrettungskreuzer Gillis Gulbransson aus Brunsbüttel gelang es schließlich, das Boot nach Glückstadt zu schleppen. Das Boot wies nur leichte Schäden am Rumpf auf.

In Glückstadt musste die Feuerwehr auch zum Kleingartengelände in den von-Drathen-Weg ausrücken. Auf einer Parzelle hatte sich ein großes Trampolin selbstständig gemacht und setzte der Laube des Nachbarn arg zu. Der durch umgestürzte Bäume blockierte Verkehr normalisierte sich endgültig gegen 19 Uhr, als die Straße Am Fleth nach einem Kranwageneinsatz frei gegeben wurde. Mit Spannung wurde auf die für 21.32 Uhr angekündigte Sturmflut von bis zu 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser gewartet. Doch schon drei Stunden zuvor stand der Außenhafen rund 30 Zentimeter unter Wasser. Um 21.30 Uhr war das Wasser abgelaufen, Schäden gab es nicht.

Diverse Straßen waren gesperrt, zwischen Brokdorf und St. Margarethen traf es die Bundesstraße 431: Umstürzende Bäume hatten die Fahrbahn aufgerissen, die Straße sackte ab, auch die Stromleitung war betroffen. Solche Schäden gab es im ganzen Land, besonders stark betroffen waren nach Angaben von Verkehrsminister Reinhard Meyer und Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV), die Bereiche rund um Heide, Marne und Wesselburen. Im gesamten Gebiet der LBV-Niederlassung Itzehoe ist in den kommenden Wochen mit Behinderungen durch Fällarbeiten zu rechnen. Bei einigen Bäumen bestehe noch die Gefahr des Umstürzens. Auch Fahrbahnen müssen repariert werden.

Der Bahnverkehr zwischen Hamburg und Westerland lief erst langsam wieder an, Teilstrecken bleiben weiter gesperrt. Auch für heute wurden Einschränkungen angekündigt.>

„Christian“ und die Folgen: Mehr Bilder auf

Seite 18.

 

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erstellt am 30.Okt.2013 | 05:00 Uhr

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