Lüftung saniert: Germanengrab trocken

Blick aufs Oberlicht: Ingo Lafrentz und Beate von Malottky begutachten das  Germanengrab. Foto: Ruff
Blick aufs Oberlicht: Ingo Lafrentz und Beate von Malottky begutachten das Germanengrab. Foto: Ruff

Umfassende Renovierung war aus Kostengründen nicht möglich / Wenig Interesse in der Bevölkerung

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16. August 2011, 07:30 Uhr

Itzehoe/Itzehoe | Wer kein regelmäßiger Be sucher ist, wird die Veränderungen kaum bemerken - und doch hat sich Einiges getan im Germanengrab. Der wichtigste Baustein der Sanierung liegt dabei allerdings nicht im, sondern über dem Kuppelbau: Um das Eindringen von Wasser zu verhindern, wurde am Oberlichtschacht der Boden so bearbeitet, dass ein natürliches Gefälle zur Entwässerung entstanden ist. Zudem wurden die Lüftungsöffnungen freigelegt und mit 14 regen- und vandalismus festen Edelstahl-Gittern ver sehen.

"Die Luftzirkulation im Kuppelbau ist nun wieder funktionsfähig", freut sich Beate von Malottky von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Auch über dem Eingangsbereich sei Erdboden abgetragen worden, um zu verhindern, dass schmutziges Regenwasser in den Eingang abläuft. Es hat sich gelohnt: "Trotz der Starkregenfälle der vergangenen Tage ist das Bauwerk trocken."

Außerdem wurde der Eingangs bereich frisch gestrichen und im Innern auf Wunsch des Heimatverbands eine weiße Projektionsfläche aufgemalt. "Damit man auch mal Filme oder Dias zeigen kann", erklärt Hans Carstens vom Heimatverband. Neue Farbe für den gesamten Bau war aus finanziellen Gründen nicht drin. "Vor einem Neuanstrich müsste zunächst der bautechnisch ungeeignete Dispersionsanstrich über dem originalen Kalkanstrich abgenommen werden", erklärt Beate von Malottky die Schwierigkeit.

Und noch etwas konnte nicht realisiert werden: "Im Vorwege wurden auch verschiedene Varianten der Wiederherstellung der Oberlichter untersucht", erklärt sie. Doch es wurde keine vandalismussichere Lösung gefunden. "Aus diesem Grund wurde auch die in Aussicht gestellte Förderung des Landesamtes für Denkmalpflege für die Oberlichter zurückgenommen", erklärt Beate von Malottky. Sie ist dennoch zufrieden mit der Sanierung: "Im derzeitigen Zustand ist das Germanengrab weitestgehend gesichert." Zum Glück, meint Hans Carstens: "Es ist ein einmaliges archäologisches Denkmal. Es sollte als wichtiges Dokument für die Nachwelt erhalten werden."

An den meisten Itzehoern geht all das allerdings unbemerkt vorüber. In der Bevölkerung habe das Germanengrab kaum Bedeutung, "weil die Geschichte nie aufgearbeitet wurde", meint Ingo Lafrentz, Leiter des kulturgeschichtlichen Arbeitskreises im Heimatverband. Denn es gehe eben nicht nur um das bronzezeitliche Hügelgrab, sondern auch um die Nutzung in der NS-Zeit. Die ganze Anlage sei "flugs zum Grab einer germanischen Fürsten- bzw. Bauernsippe erklärt" worden, obwohl dies im Grabungsbericht an keiner Stelle erwähnt werde. Auf dem Gelände entstanden eine Weihestätte und ein Festgelände für die NS-Bewegungen, zum Beispiel für Sonnwendfeiern, Totenehrungen und Vereidigungen. Weitere geplante Bauten - zum Beispiel ein Heim für die Hitlerjugen - seien kriegsbedingt nicht mehr verwirklicht worden.

Lafrentz würde die Geschichte gerne mit einer Ausstellung aufarbeiten. Material liege vor, sogar einen Film gibt es - und Döntjes über das "Groschengrab", wie es auch genannt wurde. Doch das Thema sei heikel. "Eigentlich ist es schon zu spät, um es aufzuarbeiten."

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