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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 12:57 Uhr

Tiertraining : Lotta pickt genau ins Schwarze

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ungewöhnliche Trainingsarbeit: Im Rahmen einer exklusiven Fortbildung bringt Tiertrainerin Stephanie La Motte Hühnern Kunststücke bei.

von
erstellt am 17.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Geduldig wartet Lotta vor der kleinen Zielscheibe. Das Huhn zeigt kaum eine Regung. Es wartet auf das Signal. Als es die rote Farbe sieht, pickt es auf die Zielscheibe – genau in die Mitte: Aufgabe erfüllt. Nun gibt es ein Leckerchen für Lotta.

Dass Tiertrainer mit Hunden oder Pferden arbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Auch für Katzen gibt es inzwischen zahlreiche Verhaltenstrainer, die verzweifelten Besitzern bei Problemen ihre Unterstützung anbieten. Hühnern Kunststücke beizubringen, ist dagegen eher ungewöhnlich. Stephanie La Motte arbeitet trotzdem mit dem Federvieh. Die 45-Jährige, die in Glückstadt und Umgebung vor allem als Chefin der Hundeschule „Cape Canis“ bekannt ist, nimmt über zwei Jahre an einer Fortbildung für professionelle Tiertrainer teil. In den Praxisseminaren werden Trainingsmethoden unter anderem mit Hühnern getestet und verfeinert.

Warum gerade Hühner? „Im Prinzip ist es egal, mit welcher Tierart wir arbeiten“, erklärt La Motte. „Die Methoden sind universell anwendbar.“ Jede Tierart habe zwar gewisse Besonderheiten, aber es gebe keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Arbeit mit den Vögeln oder beispielsweise mit Hunden. „Mit Hühnern ist es nur anspruchsvoller“, sagt La Motte. Die Tiere seien sehr schnell und präzise. Erfolg oder Misserfolg einer Methode lasse sich bei ihnen schnell erkennen und vom Trainer fordern sie hohe Konzentration und schnelle Entscheidungen. „Alles ist direkter und schneller als beim Hund. Und Hühner haben keine Motivation dem Menschen zu gefallen und bringen keine Vorkenntnisse in die Ausbildungen ein. Sie tun nur das, wofür man sie korrekt belohnt.“ Erfolg und Misserfolg einer Ausbildung sei so gut überprüfbar.

Optimale Trainingspartner also für die Profi-Tiertrainer. Gearbeitet wird mit den Hühnern nach dem Prinzip der positiven Verstärkung mittels eines „Überbrückungssignals“, im Allgemeinen auch „Clicker-Methode“ genannt (siehe Info-Kasten). Vereinfacht gesagt, wird das Verhalten des Tieres mittels exakter Belohnung in die gewünschte Richtung beeinflusst. Das Tier lernt durch Versuch und Irrtum. So brachte La Motte Huhn „Lotta“ binnen zwanzig Minuten bei, auf das Signal hin die Mitte der Zielscheibe anzupicken.

Der große Vorteil der Methode aus Tierschutz-Sicht: Sie ist stressfrei. Das Tier wird zu nichts gezwungen, handelt freiwillig, um die Belohnung zu ergattern. Vater des Fortbildungsprogramms „Top Trainer“, an dem Stephanie La Motte teilnimmt, ist der US-Amerikaner Bob Bailey. Der heute 80-Jährige trainierte früher Tiere für die US-Marine und arbeitete viele Jahre in einer Forschungsstation. Später schloss er sich der Tiertrainingsfirma Animal Behavior Enterprises (ABE) an. Seit den 90er-Jahren gibt er sein Wissen an ausgesuchte Trainer weltweit weiter. In Deutschland arbeiten etwa 50 Tiertrainer nach seinen Methoden. Ziel der Ausbildung zum „Top Trainer“ ist es, exakte Trainingspläne für spezifische Fragestellungen erstellen zu können, zu optimieren und handwerklich umsetzen. „Das Verhalten der Tiere wird vorhersehbar. Überraschungen gibt eigentlich nicht mehr.“

Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. Mit 140 verschiedenen Tierarten hat allein Bailey gearbeitet. Neben typischen Haustieren wie Hunden und Katzen ist auch das Training von Wildtieren möglich, sagt La Motte. „Zum Beispiel kann man Luchsen beibringen, sich untersuchen oder mit Sendern versehen zu lassen.“ So könne man auf Betäubungsgewehre verzichten.

La Motte sieht die Fortbildung aber vor allem als nützlich für ihre berufliche Praxis an. „Ich möchte eine immer bessere Trainerin werden und Menschen bei Problemen mit ihren Haustieren helfen“, sagt die Glückstädterin, die seit 2003 mit ihrer Hundeschule selbstständig ist – zunächst in Borsfleth und nun seit 2011 in Glückstadt. Ihre große Leidenschaft seien immer die Problemfälle. „Es ist eine große Freude für mich, wenn beispielsweise ein ängstlicher Hund wieder stabil im Leben steht oder ich Besitzern helfen kann mit ihren aggressiven Hunden zum Team zusammenzuwachsen und sich wieder in der Öffentlichkeit bewegen können.“

Für die Tiertrainerin ist die „Hühnerarbeit“ auch eine Art Rückkehr zu den Wurzeln ihrer Beschäftigung mit dem Verhalten von Tieren. „Mit einem Vogel fing alles an.“ Die ersten Kunststücke übte sie mit ihrem Wellensittich ein. „Da war ich vier Jahre alt.“

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