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Lotsen kämpfen um Begrenzung des Haftungsrisikos

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 01.Sep.2014 | 10:25 Uhr

Nahtlos fügte sich die kleine Feier zum Umzug eines Gedenksteins vom Paulusfriedhof zum Haus der Lotsenbrüderschaft NOK I in der Schleusenstraße in die Tagung der Bundeslotsenkammer in Brunsbüttel ein. Denn der Stein erinnert an Franz Sieslack (1881-1927), den Vater des 1919 gegründeten Deutschen Lotsenbunds, des Vorgängers der Lotsenkammer. Und nicht nur das: Die Probleme, auf die Sieslack vor fast 100 Jahren aufmerksam machte, sind zum Teil heute noch nicht gelöst.

Das machte nicht nur Michael Hartmann als Ältermann der gastgebenden NOK I in seiner Rede zum Umzug des Gedenksteins deutlich. Klare Worte fand auch Hans-Hermann Lückert. Der Vorsitzende der Bundeslotsenkammer, die rund 900 Lotsen aus insgesamt neun Brüderschaften vertritt, erklärte: „Wir sind im öffentlichen Auftrag unterwegs.“ Dennoch werde in der Rechtsprechung zunehmend deutlich, dass Lotsen bei Unfällen immer härter in die Pflicht genommen würden. Oder, wie Hartmann sagt, sie „um Haus und Hofe fürchten“ müssen. Die Lösung liegt für Lückert in einer Haftungsbeschränkung, wie sie im europäischen Ausland zum Teil besteht. „In Finnland liegt das bei 1000 Euro.“ Ein eher symbolischer Betrag angesichts der Kosten, die eine Havarie nach sich ziehen kann. Früher, so Hartmann, habe es eine Reederhaftung gegeben, die greife nicht mehr. Hier bestehe beim Gesetzgeber Handlungsbedarf.

Den sehen die Lotsen auch seit längerem bei Bemühungen der EU, die klare Zuordnung von Lotsen zu bestimmten Revieren aufzuweichen. Den Hebel setzt die EU bei den Tarifen an. Doch wer seine Dienste preisgünstig anbiete, habe nicht automatisch die Ortskenntnisse, um etwa ein Schiff problemlos durch den Nord-Ostsee-Kanal zu navigieren. Lückert: „Das Seelotsenwesen dem freien Markt zu unterwerfen ist ein Fehler.“

Aber es gab gestern auch eine gute Nachricht. Das so genannte Brunsbütteler Modell bei der Lotsenausbildung soll jetzt von den anderen Brüderschaften übernommen werden. Im Kampf gegen Nachwuchsmangel hatte NOK I 2008 mit einer um anderthalb Jahre auf sechs Monate verkürzten Fahrenszeit zur See die Ausbildung attraktiver gemacht. Erfolgreich: Inzwischen sind so 40 Kanallotsen ausgebildet worden. Ohne die, sagt Michael Hartmann, wäre die derzeit 137 Mitglieder zählende Brüderschaft nicht mehr handlungsfähig gewesen.

Und ein Lichtblick am Horizont: In den nächsten drei Jahren sollen die betagten Brunsbütteler Versetzboote durch Neubauten ersetzt werden.

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