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Reisende in Itzehoe : Lokführer-Streik: Bahnfahrer ausgebremst

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Viele Reisende haben sich auf den heutigen Lokführerstreik eingestellt und planen um.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 05:08 Uhr

Itzehoe | Etwas ratlos wandert Andy Wagener auf dem Itzehoer Bahnhof hin und her. Der 33-Jährige hat es eilig, denn er will Frau und Kind aus Burg in Dithmarschen abholen. „Eigentlich wollte ich dann erst morgen mit beiden zu mir nach Grabow in Mecklenburg-Vorpommern zurückfahren – aber wegen des Lokführerstreiks müssen wir ja heute schon zurück. Das ist echt ärgerlich.“ Bereits jetzt hat sein Zug Verspätung.

Die Gewerkschaft der Lokführer hat bereits gestern die ersten Güterzüge bestreikt, seit heute Nacht läuft der Streik auch beim Personenverkehr – vier Tage lang.

„Vier Tage – das ist echt eine Schweinerei“, schimpft Hannelore Max aus Nienburg an der Weser. Die 65-Jährige hat ihre Cousine auf Sylt besucht – und ist gar nicht begeistert, dass sie umbuchen musste. „Mit der Bahn geht doch nichts – sonst hätte ich erst Montag fahren können.“

Ein paar Meter weiter wartet Brigitte Reese auf ihren Zug nach Glückstadt. „Ich muss auch morgen Mittag zur Spätschicht dort sein“, sagt die 37-Jährige, die im Café Glückwerk der Glückstädter Werkstätten arbeitet. „Ich weiß noch nicht, ob das morgen funktioniert“, sagt sie. Aber wie Andy Wagener kann sie nicht auf das Auto ausweichen, ist auf die Bahn angewiesen.

Die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) ist jedoch zuversichtlich, dass sie trotz des Streiks bei der Deutschen Bahn, den Fahrplan einhalten kann. „Wir haben bei den vergangenen Streiks gute Erfahrungen gemacht, und hoffen, dass wir auch diesmal den Fahrplan einhalten können“, sagt NOB-Sprecher Kay Goetze. „Allerdings haben wir im Bereich Glückstadt einige Langsamfahrstellen, die uns schon jetzt Sorgen machen. Wir wissen nicht, was die Bahn vor hat, können also auch erst dann reagieren, wenn die Streiks beginnen.“ Doch Goetze hat auch gute Nachrichten: Alle NOB-Züge, die auf der Strecke Hamburg-Itzehoe unterwegs sind, halten während des Streiks in Glückstadt und Krempe – auch die, die sonst vorbeifahren würden.

Ob das so kommt, zweifelt Lutz Thieme, Beauftragter des Fahrgastverbands Pro Bahn für den Kreis Steinburg, an. Auch bei den Streiks der vergangenen Wochen seien solche Halte eingeplant gewesen, viele NOB-Züge aber trotzdem an Wartenden vorbeigerauscht. Als ehemaliger Bahnangestellter habe er teilweise Verständnis für die Streiks. „Aber im Sinne der Kunden ist es absolut nicht.“ Persönlich ist der Rentner vom Streik nicht betroffen – er hoffe, sagte er gestern, dass er noch vor zwei Uhr nachts von seiner Berlin-Reise in Glückstadt zurück sei und damit nicht in Bedrängnis komme.

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