Revision : Logistische Meisterleistung

Im Revisionsbüro    laufen   zurzeit alle Fäden zusammen.
Im Revisionsbüro laufen zurzeit alle Fäden zusammen.

Zurzeit arbeiten 1768 Menschen auf dem Gelände des Kernkraftwerks Brokdorf. Zehn Tonnen Lebensmittel werden in der Revisionszeit verbraucht.

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03. Juli 2014, 11:53 Uhr

„Alles läuft, wir sind im Plan und gehen davon aus, dass die Anlage pünktlich wieder ans Netz geht“, sagt Werkleiter Uwe Jorden im Gespräch mit unserer Zeitung. Zurzeit befindet sich das Kernkraftwerk Brokdorf in der Revision – allerdings erst seit 21. Juni. Ursprünglich geplant war der Revisionsbeginn eine Woche früher. „Die Verschiebung bedeutete auch für uns ein Novum“, so Jorden. Ursächlich dafür: Die Revisionsarbeiten im Kernkraftwerk Grohnde dauerten deutlich länger als geplant. „Eine Überlappung mit uns war nicht unwahrscheinlich.“ Stromnetzbetreiber Tennet gab daraufhin nach Absprache mit Eon-Kernkraft in Brokdorf die Anweisung, die Anlage erst eine Woche später für die dortige Revision abzuschalten, um so die verlässliche Stromversorgung zu gewährleisten.

Für Uwe Jorden auch ein Zeichen dafür, wie es um die Energiewende bestellt ist. Rechnerisch könne zwar die gesamte Bundesrepublik durch regenerative Energiegewinnung mit Strom versorgt werden – aber nicht 8760 Stunden im Jahr durchgängig und verlässlich. „Eine Problematik, die offensichtlich auch Tennet gesehen hat.“ Auffällig sei bei der Stromversorgung und damit bei den Qualitätsmerkmalen im Netz ohnehin, dass die „Spannung von draußen nicht mehr so stabil“ sei. Es gebe „deutlich mehr Schwankungen“ als früher. Was der Verbraucher nicht merkt: Das Kraftwerk als Lastenverteiler muss inzwischen mehrere hundert Eingriffe am Tag vornehmen, um Stromschwankungen auszugleichen. Auch darum konnte die Brokdorfer Anlage nicht parallel zu Grohnde vom Netz gehen.

Eine Revision ist ohnehin mit sehr viel Aufwand verbunden – in Spitzenzeiten arbeiten dann inklusive des Stammpersonals 1768 Menschen im Kernkraftwerk Brokdorf. Die Verschiebung bedeutete eine zusätzliche Herausforderung für den Einkauf ebenso wie für die beauftragten Fremdfirmen. Jorden: „Bei den Firmen hängt damit auch die Anschlussplanung in der Luft, es hat einige Zeit gedauert bis alles erledigt war und wir starten konnten.“ Im Ergebnis sei nicht das gesamte Personal verfügbar wie geplant, zum Teil müssen Inspektionsarbeiten verschoben werden. Natürlich nicht jene, die mit der Sicherheit der Anlage zu tun haben. Diese Arbeiten sind ein Muss, erfolgen mit TÜV-Beteiligung. Für jede Apparatur gibt es einen Inspektionszyklus, abgestimmt mit der Atomaufsichtsbehörde. Schwerpunkt der Revision ist der Brennelementewechsel und der Austausch von Eigenbedarfs-Transformatoren. Aufgrund der Probleme in Grohnde müsse zusätzlich eine Inspektion der Drosselkörper vorgenommen werden. Insgesamt werde die Revision bis zum 26. Juli dauern. Im vergangenen Jahr wurden Ängste vor radioaktiver Belastung während der Revision in der Bevölkerung laut. „Pro Revisionstag haben wir weniger als ein Prozent des erlaubten Tagesgrenzwertes – so gut wie nichts.“ Zum Vergleich: Bei einem Flug nach New York würde die gleiche Dosis auf den Menschen einwirken wie die auf dem Kraftwerksgelände bei zusammen 4571 Revisionen.

Übrigens: Während der Revision ist Eon-Kernkraft in Brokdorf der größte Arbeitgeber im Kreis Steinburg und an der Westküste. Und auch während des restlichen Jahres ist das Kraftwerk mit 500 Arbeitnehmern außerhalb Itzehoes einer der größten Arbeitgeber im Kreisgebiet. Jede Revision ist auch eine logistische Herausforderung: zehn Tonnen Lebensmittel werden pro Woche verbraucht, 750 Mittagessen täglich verkauft – insgesamt 8000. Eindrucksvoll auch die Zahl der verkauften Brötchen: zirka 1300 täglich, insgesamt 11000. Das Küchenpersonal wurde von sonst neun in einer Schicht auf 17 Leute erhöht, und auch die Zahl der Reinigungskräfte wurde aufgestockt. Für zusätzliche Büro- und Sanitärkapazitäten wurden eigens Container aufgestellt. Die Gesamtinvestition belaufe sich auf 29 Millionen Euro, davon 7,5 Millionen für Instandhaltungsprojekte, 1,8 Millionen für Infrastruktur wie Bewachung, Reinigung und Küche sowie 1,5 Millionen Euro für den TÜV.

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