Investition : Logistikzentrum für Pohl Boskamp

Richtfest im Rohbau des neuen Logistiktrums von Pohl Boskamp.  Marianne Boskamp (li.) ist vom Standort Steinburg überzeugt.
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Richtfest im Rohbau des neuen Logistiktrums von Pohl Boskamp. Marianne Boskamp (li.) ist vom Standort Steinburg überzeugt.

Richtfest für 3,5 Millionen Euro teuren Neubau in Dägeling. Die Zahl der Mitarbeiter wächst auf 562.

shz.de von
22. November 2013, 05:15 Uhr

Pohl Boskamp ist weiter auf Expansionskurs: Gestern wurde in Dägeling Richtfest für ein 3,5 Millionen Euro teures Logistikzentrum gefeiert. Rund 400 Gäste standen auf der Einladungsliste, an der Spitze der Ehrenpräsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Professor Dr. Hans Heinrich Driftmann, vor allem aber die Vertreter der beteiligten Baufirmen und sehr viele Mitarbeiter. Deren Gesamtzahl ist binnen Jahresfrist noch einmal um 15 Prozent gestiegen und liegt aktuell bei 562. Damit ist das mittelständische Pharmaunternehmen endgültig einer der ganz großen Arbeitgeber in der Region.

Firmenchefin Marianne Boskamp gab beim Richtfest denn auch noch einmal ein klares Bekenntnis zum Standort ab. Entscheidend seien dafür zwei große Vorteile gewesen: zum einen die „tollen Mitarbeiter“, zum anderen wirtschaftsfreundliche Behörden, wobei sie ausdrücklich auch das sonst meist kritisierte Kreisbauamt nannte. „Uns geht es gut, wir haben volle Auftragsbücher“, sagte die Sprecherin weiter. In den vergangenen zehn Jahren habe das Unternehmen rund 25 Millionen Euro investiert. Wachstum gibt es dabei vor allem im Export: Pohl Boskamp liefert inzwischen Medikamente rund um den Globus. Der Neubau mit seinem modernen Logistikkonzept soll das Unternehmen in die Lage versetzen, die empfindliche Ware schnell und unabhängig von Witterungseinflüssen auf die Reise zu bringen. Täglich werden oft mehr als 60 Paletten mit 2200 Paketen verladen – über vier Andockstationen für Lkw, die über luftgefüllte Schläuche abgedichtet mit dem Gebäude verbunden werden. Der halbrunde Baukörper umfasst auf zwei Etagen ein Volumen von mehr aus 16 000 Kubikmetern, was in etwa 22 Einfamilienhäusern entspricht.

Nach Darstellung von Marianne Boskamp setzt das Unternehmen mit der Herstellung von rund 30 Millionen Medikamentenpackungen etwa 90 Millionen Euro im Jahr um. Ein Arzneimittel wird es dabei bald aber nicht mehr geben. Wie Marianne Boskamp bedauerte, werde „unser ältestes Produkt“ – die Nitrolingual-Kaspel – vom Markt genommen. Dieses bewährte Medikament lasse sich zu einem Preis von 1,45 Euro einfach nicht mehr herstellen, zumal Pohl Boskamp dafür auch noch zusätzliche Zwangsrabatte zahlen müsse. Die Sprecherin bedauerte, dass im deutschen Krankenversicherungssysten viele Arzneistoffe verschwänden. „Stattdessen kommt der Großteil der zu Lasten der Krankenkasse verschriebenen Arzneimittel inzwischen aus Fernost.“ Boskamp fügte hinzu: „Mit dieser planwirtschaftlichen Regelungswut verschwindet in Deutschland eine Vielfalt, auf die unser Land als Apotheke der Welt wahnsinnig stolz war.“ Konsequenz für Pohl Boskamp: „Unser Weg ging daher in den letzten Jahren weg von der Krankenkasse, hin zur Selbstmedikation und dem eigenverantwortlichen und selbstzahlenden Patienten.“ Allerdings sei auch in diesem Marktsegment das Preisniveau entscheidend. Der florierende Betrieb ist angesicht der neuerlichen Investition aber offenbar auf einem guten Weg. Noch besser wäre es nach Einschätzung von Marianne Boskamp, wenn auch beim Verkehr die Infrastruktur stimmen würde. „Die fehlende Verkehrsanbindung ist für das Land ein echter Standortnachteil im Wettbewerb um Unternehmen und kluge Köpfe“, meinte sie und unterstrich der Forderung nach A 20 und Elbtunnel. Dafür gab es einen Extra-Applaus. Zumindest hausintern dürfte die Infrastruktur künftig stimmen. Der Neubau soll im Juli seiner Bestimmung übergeben werden.

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