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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 06:47 Uhr

Brennende Lok : Löschen unter Spannung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Bahnhof Itzehoe gerät am Mittwochnachmittag eine nagelneue Lok in Brand. 200 Fahrgäste müssen den Zug verlassen.

von
erstellt am 11.Nov.2015 | 19:22 Uhr

Großes Gedränge herrschte gestern Nachmittag um kurz nach halb zwei am Itzehoer Bahnhof. Weil eine Lok in Brand geraten war, mussten 200 Fahrgäste aus einem Zug der Nord-Ostsee-Bahn in Richtung Westerland evakuiert werden. Für über eine Stunde ging im Bahnverkehr gar nichts.

Alarm geschlagen hatte der Lokführer, als er plötzlich Qualm aus dem Motorraum bemerkte. Auch aus dem Auspuff stieß dicker Rauch, immer wieder züngelten kleine Flammen heraus. Einer der vier Dieselmotoren der nagelneuen Lokomotive ließ sich nicht mehr ausschalten.

Die angerückte Feuerwehr überlegte zunächst, die Dieselzufuhr im Motor zu stoppen. „Als uns das nicht gelang, haben wir mit Löschpulver den Brandherd im Motor gelöscht“, erklärte Wehrführer Peter Happe. Der Einsatz sei heikel gewesen, weil auch nach dem Abschalten der elektrischen Oberleitung immer noch eine Spannung von 6000 Volt herrschte. Die Einsatzkräfte mussten zunächst die Leitung erden, um die Gefahr eines Stromschlags abzuwenden. Um kurz nach halb drei war das Feuer schließlich gelöscht, der Motor der Lok ließ sich abschalten. Verletzt wurde niemand.

Nach Angaben der Feuerwehr hatte der Turbolader des Fahrzeugs in Flammen gestanden. „Der ist komplett durchgebrannt“, berichtete Peter Happe. Zur genauen Brandursache könne man aber noch nichts sagen. Die werde nun ermittelt, wie die Nord-Ostsee-Bahn mitteilte. Für das Unternehmen kam der Brand zu einem ungünstigen Zeitpunkt: „Es handelt sich um eine von sieben Loks, die seit einigen Wochen im Testbetrieb läuft“, teilte Pressesprecher Kay Goetze mit. Im Dezember sollten acht Fahrzeuge dieses Typs in Betrieb gehen. „Bislang waren uns keine Probleme bekannt.“

Für die Fahrgäste war der Zwischenfall mit großen Beeinträchtigungen auf der Strecke Hamburg-Westerland verbunden. Schon seit gestern Mittag war es zu Verspätungen wegen einer Weichenstörung zwischen Bredstedt und Niebüll gekommen. Als wegen des Brands die Strecke in Itzehoe gesperrt wurde, wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, der jedoch insbesondere Richtung Westerland schleppend anlief. „Die Durchsagen sind spärlich, erst nach über einer Stunde hieß es, dass ein Bus kommen soll“, sagte Christine Peters (33), die von Hamburg nach Büsum unterwegs war. Und auch Wolfgang Stich (68), auf dem Weg nach Sylt, kritisierte: „Ich fühle mich als Fahrgast schlecht informiert.“

Die Strecke wurde um 14.50 Uhr wieder freigegeben, die Beeinträchtigungen dauerten noch bis in den Abend an. Auch in den nächsten Tagen werden die Züge der Nord-Ostsee-Bahn teilweise verspätet fahren, weil die defekte Weiche zwischen Bredstedt und Niebüll noch bis Sonntagmittag repariert wird. Bis dahin fahren zwischen Hamburg und Westerland keine Intercity-Züge.

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