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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 12:53 Uhr

Liliencron-Kaserne wird Notunterkunft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Heute werden die ersten Flüchtlinge in Kellinghusen erwartet / Helfer bemühen sich um Erstversorgung / Info-Point für Bürgerfragen eingerichtet

„Das Land setzt die Erhöhung der Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen fort – 550 neue Plätze sollen auf dem Gelände der ehemaligen Liliencron-Kaserne kurzfristig bereit gestellt werden.“ So hieß es gestern am Nachmittag in einer Mitteilung des Innenministeriums. Beim fast zeitgleichen Pressetermin in der Kaserne sprach Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) noch von einer Notunterkunft für 150 bis 200 Personen. Erwartet werden die ersten Flüchtlinge heute. Wie viel es sein werden, vermochte gestern niemand zu sagen.

Während sich die Nachrichten zur Flüchtlingsunterkunft vor Ort überschlagen, melden sich über die sozialen Netzwerke zahlreiche Bürger, die helfen wollen. „Es haben sich ganz viele Freiwillige gemeldet“, berichtet Nicole Kautz vom DRK von einer großen Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung. Innerhalb von nur zwei Stunden stapelte sich Bekleidung in der Fahrzeughalle des DRK, Lornsenstraße 4. Bürger standen bereit, um Röcke, Hosen und Shirts nach Größen zu sortieren. „Schuhe in allen Größen benötigen wir noch“, sagt Bereitschaftsleiterin Angelika Kautz. „Außerdem fehlen jede Menge Hygieneartikel wie Seife, Zahnpasta und Zahnbürsten“, ergänzt Monika Homfeldt. Gesammelt und geordnet nahmen die Sachen den Weg zum Kasernengelände.

Dort spuckten derweil Marinesoldaten aus Eckernförde in die Hände, um die Turnhalle als Notunterkunft einzurichten. Die gegenüber liegenden zwei Kasernenblocks des ehemaligen Panzerartillerie Bataillons 515 können jeweils weiteren 200 Personen Obdach geben. „Das entscheidet sich, wenn die logistischen Probleme gelöst sind“, erklärt Pietsch. Eine Brandschutzbegehung als wichtige Voraussetzung für die Belegung der Gebäude hatte Wehrführer Carsten Kautz schon vorgenommen. „Das ist ein wenig über uns hereingebrochen“, berichtet der Besitzer des Kasernengeländes, Abdul Matin Tatari, über die eilige Kontaktaufnahme des Innenministeriums. „Aber in der Notsituation wollen wir alles Notwendige tun, um zu erfüllen, was die Behörden von uns verlangen.“ Sicher stellen will Tatari die Wasser- und Stromversorgung. Mitarbeiter des Amtes Kellinghusen, Dolmetscher und das DRK mit Helfern werden bereit stehen, wenn die Menschen aus Kriegs- und Krisenregionen ankommen. „Die DRK-Kreisbereitschaft wird den Einsatz mit allen weiteren Einsatzgruppen leiten“, sagt Kautz. Rund um die Uhr besetzt ist auch eine mobile Wache der Landespolizei. Das THW übernimmt die Essensversorgung der Menschen. Präsent ist außerdem die Flüchtlingshilfe „Fakir“ des Amtes Kellinghusen. Deren ehrenamtliche Helfer werden unter anderem mit bunten Schals Flagge zeigen. Sie wollen im Stadtgebiet Ansprechpartner für die Kellinghusener sein. Unterstützen werden sie überdies den extra eingerichteten Info-Point für Bürgerfragen im Bürgerhaus, der heute ab 10 Uhr besetzt ist. Ab 9 Uhr öffnet auch die DRK-Spendenannahme in der Lornsenstraße (sonst: dienstags von 9 bis 12 Uhr und freitags von 9 bis 17 Uhr). An beiden Stellen können sich auch weitere Helfer melden. Politisch meldet sich die Landes-FDP zu Wort: Landtagsabgeordneter Oliver Kumbartzky schlägt eine Einwohnerversammlung zur „Asylunterkunft in Kellinghusen“ mit Innenminister Stefan Studt vor.

Landrat Torsten Wendt verkündete die Nachricht von der Notunterkunft über seine eigene Facebook-Seite, gestern war er in Brüssel und traf sich mit EU-Abgeordneten. „Schockiert“ zeigte sich Wendt über deren pessimistische Aussagen, was die europäische Solidarität in der Flüchtlingsfrage angeht. Ob auf den Kreis nach der Notunterkunft in Kellinghusen noch mehr zukommen werde, zum Beispiel am Hungrigen Wolf, sei Spekulation – die Informationen kämen sehr kurzfristig.

Nicht gefragt wurde der Kreis laut Wendt zu den baulichen Gegebenheiten in der Glückstädter Kaserne, wo die Unterbringung von Flüchtlingen verschoben wurde. Vor allem die Frage, ob sie ausreichend versorgt worden wären, hatte dem Landrat große Sorgen bereitet. Ohnehin frage er sich, wie lange die Hilfe rein ehrenamtlich zu schultern sei. Und nun Kellinghusen: „Ich gehe davon aus, dass das Land die Versorgung der Flüchtlinge mit den lebensnotwendigen Dingen selbst sicherstellt.“ Der Kreis werde die Lage aber genau beobachten.

 

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erstellt am 19.Sep.2015 | 07:00 Uhr

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