Liebevoller Abschied für Klaus Lange

Freuen sich über eine gelungene Überraschung: Ingried und Klaus Lange sowie Wolfgang Glißmann.  Foto: Reimers (2)
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Freuen sich über eine gelungene Überraschung: Ingried und Klaus Lange sowie Wolfgang Glißmann. Foto: Reimers (2)

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08. November 2010, 06:49 Uhr

Herzhorn | Viele bewegende Momente, stehende Ovationen: 98 politische Weggefährten, Familie und Freunde feierten Klaus Lange (71). Einen Ausnahmepolitiker, der von allen in den höchsten Tönen gelobt wurde. Ein allseits geschätzter Mann mit einem großem Engagement für seine Mitmenschen. Klaus Lange wurde unter großem Applaus zum Ehrenbürgermeister seiner Gemeinde ernannt.

"Dor mut wat bi rutkomen" - Das war der Leitspruch des langjährigen Bürgermeisters und Amtsvorstehers. "Dat is dorbi rutkomen", hieß das Motto eines Bilderbogens, auf der die politischen Stationen des Herzhorners verewigt waren.

Fünf Stunden lang gab es ein sehr persönliches Programm für den Ehrengast: Klaus Lange war sichtlich berührt. Die Bürgermeister des Amtes-Horst Herzhorn sangen als "Bürgermeister-Chor" mehrere plattdeutsche Lieder, in der deren Mittelpunkt Klaus Lange stand - "Du wärst de Chef".

Mit toller Stimme würdigte ihn Gemeindevertreter Herbert Frauen zu Gitarrenklängen: "Bleib uns stets ein guter Freund". Frauen interpretierte "Yesterday" von den Beatles neu zu "Danke schön". Gemeinsam sangen alle Gemeindevertretern für Lange.

Pastor Friedrich Kleine an der Gitarre und die Mitarbeiterinnen vom Kindergarten widmeten ihm das Lied: "Der Bürgermeister, der wohnt am Splethendamm mit Blick aufs weite Land."

Eine lange persönliche und humorvolle Rede hielt Amtsvorsteher Ernst-Wilhelm Mohrdiek auf Plattdeutsch. "Allns hett sin Tied, hett nülichs Ole vun Beust seggt, as he in Sack haun de." Er würdigte Klaus Lange als jemanden, der sich nicht verbiegen lässt. "Dor, wo du steihst, dor steihst du." Seine Heimat, die Dörfer in der Marsch, die Leute, das sei immer das Wichtigste für ihn gewesen.

Mohrdiek dankte ihm für sein Vertrauen. "Wir haben die gleichen Interessen, ich habe viel von Dir gelernt." Auch sprach der Amtsvorsteher die Fusion der Ämter Horst und Herzhorn an. "Uns Landespolitik kunn dat Elend mit de lütten Amtsverwaltungen nich mehr mit ansehn und hett sich düttig wat infalln loten - bit hin ton Hochtiedsprämie", scherzte Mohrdiek. Nur müsse man immer hellhörig werden, wenn die Landesregierung einem Geld zugeben wolle. Da sitze meist nichts Gutes dahinter. "Darum prüfe, wer sich ewig bindet." Aber zur Fusion: "Wir haben es nicht bedauert."

Wolfgang Glißmann lobte seinen Vorgänger im Amt des Bürgermeisters als jemanden der klare Worte findet. "Es war eine Freude, mit Dir und unter Dir zu arbeiten."

Er ließ den gesamten Werdegang von Klaus Lange mit all seinen Auszeichnungen Revue passieren. Im März 1974 hatte der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft und Olympiateilnehmer sich erstmals politisch in der Gemeindevertretung engagiert. 1986 wurde Lange zum Bürgermeister und 1990 zum Amtsvorsteher gewählt. Damals war Klaus Lange auch Direktor der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe.

Mit einem sehr persönlichen Geschenk überraschten die Gemeindevertreter. Bernd Heiden überreichte das Bild eines knorrigen Baumes - gemalt von Langes verstorbenem Freund, dem Maler Hans-Peter Wirsing.

Mit einem Geschenk kam auch Kreispräsident Hans-Friedrich Tiemann. Er brachte zwei Karten für das Handballspiel "THW gegen Rhein-Neckar-Löwen" mit "Logenplätzen".

Wehrführer Wolfgang Axen sprach und dankte für alle Herzhorner Vereine. Und er erzählte auf Plattdeutsch. So auch wie Klaus Lange nach Herzhorn kam: Weil er dort seine Frau Ingried kennen gelernt hatte. Und das, obwohl Mutter Lange auf dem elterlichen Hof in Elskop gewarnt hatte: "In Herzhorn wohnen die Kommunisten."

Eine lange Abschiedsrede hielt ganz zum Schluss ein sichtlich bewegter Klaus Lange. Er gedachte seines Freundes Wirsing und sparte nicht mit Lob für andere. "Fiete, Du bist Mensch geblieben, Du bist etwas Besonderes. Ein Bürgerpräsident", sagte er dem daraufhin etwas verlegen wirkenden Kreispäsidenten. Mohrdiek bezeichnete er als "Seelenverwandten". Er und Amtsleiter Willi Kühl seien ein Glücksfall. Seinen Herzhornern gab er mit auf den Weg: "Macht weiter so." Wert legte er darauf weiterzugeben, dass "Nachhilfestunden für Stadt und Umland" notwendig seien. Damit spielte er auf ein besseres Miteinander der Dörfer und Glückstadt an. Auch wurde er politisch und forderte: "Wir benötigen die eigenverantwortliche Gemeinde, sie fördert die Identifikation. Wir brauchen menschliche Wärme und Menschen, die sich um Menschen kümmern."

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