Lidl-Planung: Kritik an später Information

Die Grundstücke „Hinterm Born“ grenzen direkt an neuen Lidl-Standort.
Die Grundstücke „Hinterm Born“ grenzen direkt an neuen Lidl-Standort.

Stadt hatte zur Bürgerbeteiligung geladen

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20. Juli 2015, 10:08 Uhr

Eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit an der städtischen Bauleitplanung – erfahren haben viele Störstädter davon erst kurz vorher. Entsprechend musste sich Bürgermeister Axel Pietsch (BFK) Kritik am Informationsfluss gefallen lassen. Die nächste Versammlung sollte nicht wieder „einen Tag vorher“ bekannt gegeben werden, wünschte sich eine Geschäftsfrau.

Thema der Unterrichtung waren die Veränderungen im Bereich Aldi/Edeka sowie die Umsiedlung von Lidl. Zur Wehr setzte sich das Stadtoberhaupt gegen den Vorwurf, eine solch gravierende Veränderung des Stadtbilds hätte im Rahmen einer Einwohnerversammlung diskutiert werden müssen: Die Planung sei im „normalen Verfahren“ im Bauausschuss und in der Ratsversammlung behandelt worden, beide Gremien stünden allen Bürgern offen, so der Bürgermeister.

Neben ihm auf dem Podium im Bürgerhaus saßen Investor Hans-Wilhelm Groth, dessen Groga Immobilien GmbH die Projekte umsetzten will, die Planer Oliver Kühle und Johannes Rahe vom Büro B2K aus Kiel sowie der Vorsitzende der Bauausschusses, Hans-Jörg Krützfeldt (CDU). Trotz der bemängelten „versteckten“ Ankündigung: Die Planung eines zeitgemäßen Nahversorgungszentrums auf dem Edeka-/Aldi-Gelände, vor allem aber die Installation eines weiteren „Schuhkartons“ durch den Umzug des Discounters Lidl in die Lehmbergstraße, hatte zahlreiche Bürger angelockt.

Befeuert wurde die Diskussion durch einen noch in der Veranstaltung verteilten Planentwurf von Bauausschussmitglied Volker Ballin (KeLi). Sein Alternativ-Vorschlag belässt den Discounter vergrößert am alten Platz und sieht in der Lehmbergstraße eine Wohnbebauung vor (wir berichteten). Aus Sicherheitsgründen wenig Begeisterung gab es zur großen Politiker-Überraschung über den geplanten Kreisverkehr im Kreuzungsbereich Breitenberger-/Lehmbergstraße und Straße an der Stör. „Da springt der Investor doch einen Meter hoch“, kommentierte Simon Schlüter (CDU) die ablehnende Haltung aus dem Forum. Die Kosten für den von der Stadt schon lange gewünschten Kreiselbau will ebenfalls die Groga übernehmen.

Die Frage nach einer alternativen Lidl-Planung auf dem alten Standort konnte Diplom-Ingenieur Kühle kurz und knapp beantworten: Die Politik habe dagegen entschieden. Sein Angebot, einen entsprechenden Antrag von Ballin mit zu berücksichtigen, sei bereits im Bauausschuss mit großer Mehrheit (6:1) abgeschmettert worden. Ebenso in der Ratsversammlung. Aber: Noch sei nichts in Stein gemeißelt, so Kühle. Beruhigen konnte der Planer damit die Anwohner aus der Straße Hinterm Born. Ihre Grundstücksgrenzen befinden sich direkt oberhalb des neuen Lidl-Standorts. Die befürchte Lärmbelästigung wurde ebenso aufgenommen wie Fragen zu Umwelt – alter Baumbestand auf Teilen der Fläche, schwammige Bodenbeschaffung und „Färbergraben“-Verlauf.

Grund für die Discounter-Ansiedlung in der Lehmbergstraße sei unter anderem gewesen, mehr Kaufkraft in Richtung Innenstadt zu bringen, unterstrich Krützfeldt. Als „Tor zur Lindenstraße“ empfahl auch der Bürgermeister die Ansiedlung. Beraten wird über die protokollierten Bürgeranregungen in der kommenden Sitzungsperiode.

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