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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 17:50 Uhr

Glückstadt : Lichterkette gegen den Rassismus

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Integrationsbeauftragte Katharina Schmidt freut sich über geschlossene Menschenkette rund um den Marktplatz

Rund 200 Männer, Frauen und Kinder setzten gestern ein Zeichen gegen Rassismus. Sie waren auf Einladung der Integrationsbeauftragten Katharina Schmidt zum „Welttag gegen den Rassismus“ gekommen, um eine Menschenkette rund um den Marktplatz zu bilden. Unter ihnen waren auch Flüchtlinge. Die Versammlung verlief friedlich – ohne Störungen.

Katharina Schmidt hielt zunächst eine kurze Rede und erklärte, wann und warum der Internationale Tag des Rassismus eingeführt wurde (siehe Infokasten). Und sie ging auf ihre Beweggründe ein, diese Aktion zu veranstalten.

Gegenüber unserer Zeitung erklärte sie: Die „allgemeine Stimmung“ in den vergangenen Monaten sei es gewesen, warum sie zu der Aktion aufgerufen hat. „Der Tag des Rassismus hat sich dafür angeboten“, sagt die Integrationsbeauftragte. Nachgedacht hatte sie im Vorwege über verschiedene Veranstaltungen, sich dann aber für diese „eine knackige Aktion“ entschieden – für die Lichterkette am Marktplatz. Aber anders als andere, die gestern zu solchen Veranstaltungen bereits um fünf vor 12 Uhr aufriefen, hoffte sie durch die Abendstunde, mehr Menschen zur Teilnahme bewegen zu können.

Die Integrationsbeauftragte weiß auch aus Berichten von ehrenamtlichen Helfern, dass rassistische Vorurteile seit der Silvesternacht in Köln – dort gab es Übergriffe von Männern auf Frauen – offener ausgesprochen werden. „Wer sich rassistisch äußert, muss nicht mehr mit Gegenwehr rechnen“, ist ihre Beobachtung. In Glückstadt sei dies nicht anders als in anderen Orten bundesweit. „Glückstadt ist da keine einsame Insel.“ Sie weiß: „Es stehen sich zwei unversöhnliche Seiten gegenüber.“ Sie selbst habe mit besorgten Bürgern gesprochen, die bei ihr anriefen. So mancher Tenor sei gewesen: „Für die Flüchtlinge macht ihr alles – für uns nichts.“ Im Gespräch versuche sie an die Menschlichkeit zu appellieren. „Die meisten kennen gar keine Flüchtlinge.“ Die Anrufer hätten aber zum Beispiel schlechte Erfahrungen auf Ämtern gemacht. Sie hätten sich über soziale Ungerechtigkeit geklagt.

Seit der Silvesternacht in Köln habe es sich verstärkt. Seither würden auch Argumente nicht mehr durchdringen. „Ich versuche es über Fakten“, sagt sie zu den Gesprächen. Unter anderem zitiere sie Kriminalitätsstatistiken. Aber auch da komme das Argument, diese seien geschönt. Aber nach den Statistiken seien Straftaten nicht gestiegen. „Ich mache auch deutlich, dass das Recht auf Asyl ganz wichtig ist.“

„Begegnung hilft nicht immer“, sagt sie dazu, dass Menschen Flüchtlinge kennenlernen sollten. Wer sich „abgestellt fühlt“, der werde nach so einer Begegnung nicht unbedingt umdenken. Es kann aber zur Umkehr im Denken führen.“ Zum Beispiel, wenn Flüchtlinge über ihr Schicksal berichten.

Es gibt mittlerweile einen Stamm an ehrenamtlichen Helfern im Willkommensteam der Stadt. „Das ist eine gute Möglichkeit zu helfen. Sie haben den Kontakt und machen Aufklärungsarbeit.“ Katharina Schmidt bezeichnet sie als „Bollwerk“. Wichtig sei, die Diskussion zu wagen. „Sie aushalten und Stand halten.“

Dem Bürger rät sie: „Angst abbauen. Mehr auf die Einzelperson achten. Nicht auf die Millionen von Flüchtlingen. “ Und bei allen Ängsten der Bürger sagt sie auch: Das alles hieße nicht, dass Dinge verschwiegen werden sollen. Im Zweifelsfall kann die Polizei angerufen werden. Dies sei auch klar gesagt worden bei der jüngsten Bürgerversammlung. „Jeder kann sagen: So geht das nicht.“

Die Menschenkette gestern Abend, dass war für sie „das Zeichen gegen Rassismus – wir stehen nebeneinander“.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 20:59 Uhr

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