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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 09:43 Uhr

Kunst : Licht mit ästhetischer Leichtigkeit

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Christoph Dahlhausen stellt im Palais für aktuelle Kunst aus / Schüler fotografieren für Künstler Motive aus Glückstadt

Das Palais für Aktuelle Kunst (PAK) strahlt. Vor Freude über die gesicherte Zukunft, vor Dankbarkeit über die engagierten Förderer – und durch die Lichtinstallationen von Christoph Dahlhausen. Die Redner zur Ausstellungseröffnung nutzten das Bild des Lichts, mit dem der Bonner Künstler konstruktiv arbeitet, zur Beschreibung für die Situation des PAK. „Wir sind nun für die nächsten Jahre bestens gerüstet,“ verwies PAK-Vorstand Vincent Schubarth auf eine turbulente Zeit, die nun zu Ende geht.

Das PAK, das durch gekürzte Fördermittel vor einigen Jahren kurz vor der Schließung stand, werde durch die Stadt und Sponsoren mittlerweile zukunftsfähig gestützt. Eine weitere Krise, die durch die desolate Elektrik und den Ausfall der Beleuchtung mehrere Monatelang währte, sei mittlerweile durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und mit Hilfe von EU-Fördermitteln gelöst worden. Schubarth: „Wir haben wieder Licht – bestes Licht!“

„Als hätten wir es choreographiert, ist in der aktuellen Ausstellung das Licht zentral“, sagte Kuratorin Claire Marie Rose. Sie zog den roten Faden des Lichts, des Strahlens und des Reflektierens durch ihre Einführungsrede und verwies auf die Interaktion als bestimmendes Prinzip für Dahlhausens „Täglichkeiten“.

Der Ausstellungstitel kombiniert in einer Wortneuschöpfung Tätigkeiten, die wir täglich ausführen, zu einem neuen Erleben, zu dem die Betrachter durch die Lichtinstallationen sensibilisiert werden. Der Künstler macht sich Alltagsmaterialien zu eigen und kombiniert sie neu, rückt sie in ein anderes Licht oder richtet das Licht durch sie auf Gewohntes, das verblüfft. Er setzt dabei als soziale Interaktion auf die Zusammenarbeit mit den Besuchern, nimmt deren erwartete Resonanz vorweg und lenkt ihren Blick auf unbeachtete Zusammenhänge.

Das augenfälligste Beispiel, das Christoph Dahlhausen speziell für das PAK konzipierte, ist der Gang durchs historische Treppenhaus. Wer es kennt, nimmt es kaum noch wahr, schaut höchstens auf die hohen Stufen, um nicht zu stolpern. Ein für die Enge des Aufgangs gestutztes Baugerüst mit Neonlichtsignalen rahmt nun den Raum. Dahlhausen: „Das verzerrt die Geometrie. Wir achten plötzlich aufs Gerüst, auf neue Strukturen, nicht mehr aufs Gehen.“ So geht es im ganzen Haus weiter: Verschiebbare Farbscheiben aus Metall reflektieren das Tageslicht, Farbfilterlinsen brechen die Strahlen, beschichtete Oberflächen verändern das Darunter, handpolierter Edelstahl strahlt anders als maschinell bearbeiteter. Dabei vereint der Künstler, der in Melbourne eine Professur inne hat, die ernsthafte Präzision des Handwerks mit der ästhetischen Leichtigkeit. Die Wirkung zielt nicht nur auf Anregung und Brechung, sondern auch auf den Schönheitssinn. Was auf den ersten Blick eher beifällig wirkt, verrät erst beim Nachforschen die Sorgfalt und Genauigkeit, die ihm zugrunde liegt. Claire Rose: „Was spielerisch aussieht, ist streng durchgearbeitet.“

Bei Tag und Sonnenschein wirkt die Ausstellung anders als im spätnachmittäglichen Dämmerlicht. Und abends, wenn das Palais längst für die Öffentlichkeit geschlossen ist, leuchten die mit Kunststoff-Farbkreisen beklebten Fenster einladend. Das Prinzip „innen geht nach außen, außen geht nach innen“ wird auch durch die Besucher weitergetragen, die farbige Klebepunkte in der Stadt verteilen und Fotos davon ans PAK schicken sollen, damit sie auf die Internetseite kommen (info@pak-glueckstadt.de).

Die zahlreichen typischen Elbstadtmotive, die Glückstädter Schüler für Dahlhausen fotografierten, hat der Künstler wiederum als Metallobjekte geformt. Glänzende Anker und Segel, Schiffsschrauben und Hering werden für den Druck einer Ausstellungspublikation verkauft.

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