Regionale Wirtschaft : Liacon wächst in Itzehoe und Dresden

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Der Itzehoer Stromspeicher-Hersteller kauft eine Fabrik in Sachsen – und will die Produktion im kommenden Jahr verzehnfachen.

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29. März 2017, 05:13 Uhr

Der Expansionskurs des Itzehoer Technologieunternehmens Liacon nimmt Fahrt auf: Vor wenigen Monaten hat der Hersteller von innovativen Stromspeichersystemen neue Fertigungsräume auf dem ehemaligen Prinovisgelände bezogen (wir berichteten). Nun hat Liacon eine bestehende Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen in Dresden übernommen und will so bis Mitte 2018 die Produktion verzehnfachen und Deutschlands größter Hersteller für Lithium-Ionen-Akkumulatoren werden.

„Wir sind in einer absoluten Wachstumsbranche unterwegs“, sagt Peter König, Leiter der Unternehmensentwicklung und des Vertriebs bei Liacon. „Mit unseren Speicherzellen können Industrieunternehmen Spitzenlasten kurzfristig ausgleichen, wenn sie für kurze Zeit sehr große Strommengen benötigen.“ Das spare nicht nur Geld, sondern erhöhe auch die Netzstabilität und die werde in Zukunft ein immer wichtigeres Thema, so König. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Elektromobilität seien nur zwei von mehreren Faktoren, die es erforderlich machten, dass größere „Puffer“ für Spitzenlasten zur Verfügung stehen. Liacon habe eine zukunftsfähige Technologie, um dieser Anforderung zu begegnen, so König. „Unsere Zellen unterscheiden sich von anderen durch ihre höhere Sicherheit – sie können nicht brennen – und ihre lange Lebensdauer.“

Bisher produziert Liacon seine Zellen im Innovationsraum an der Frauenhoferstraße. Zu kompletten Speichersystemen montiert und mit Regelungstechnik versehen werden die einzelnen Module dann am zweiten Standort am Vossbarg in den ehemaligen Prinovisgebäuden. Letzteres soll laut König auch in Zukunft so bleiben. Das Grundprodukt kommt aber künftig aus dem Osten. „Wir konnten in der Nähe von Dresden eine bestehende Fabrik übernehmen, in der bisher Lithium-Ionen-Zellen für den Automobilmarkt produziert wurden“, sagt König. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Fabrik werde nun auf die Technologie von Liacon umgerüstet. „Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt König. Ende des Jahres sollen aber die ersten Module vom Band laufen. Mitte 2018 will Liacon am neuen Produktionsstandort die volle Kapazität erreicht haben. Bis zu 160 Arbeitsplätze sollen bei der jetzt 30 Mann starken Firma bis dahin entstanden sein.

Das Unternehmen komplett nach Sachsen zu verlegen, sei aber nicht geplant. Im Gegenteil: Mit dem massiven Ausbau der Zellen-Produktion werde Liacon auch am Standort Itzehoe weiterwachsen. In den vergangenen zwei Monaten seien bereits fünf neue Mitarbeiter eingestellt worden. „Wir liefern maßgeschneiderte Lösungen für Industrieunternehmen“, sagt König. Die Fertigung der jeweiligen Systeme, sowie Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Projektmanagement werden auch künftig von Itzehoe aus gemacht. „Eine Besonderheit unseres Unternehmens ist, dass wir die wesentlichen Hauptkomponenten von den Zellen über die Batteriemodule bis zu den komplexen Systemen mit Softwaresteuerung selbst herstellen“, erklärt Liacon-Geschäftsführer Volker Kölln.

Schwierigkeiten bereitet dem Unternehmen auf seinem Expansionskurs aktuell aber die Personalrekrutierung, so König. „Wir suchen zum Beispiel händeringend fähige Informatiker.“ Fachkräfte mit hohem Potenzial zu finden und am Standort Itzehoe zu binden, sei nicht einfach. Das Unternehmen setzt unter anderem auf die Zusammenarbeit mit Fachhochschulen, um Nachwuchs zu finden. „Wir hoffen da aber auch auf die Hilfe der Politik, die zum Beispiel beim Nahverkehr etwas tun könnte, um den Standort attraktiver zu machen.“

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