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Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 01:08 Uhr

Oberfeuer : Leuchtturm auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Hamburger Wasser- und Schifffahrtsamt lotet derzeit die Möglichkeiten aus, das Oberfeuer in dem 80 Jahre alten Bauwerk instand zu setzen

von
erstellt am 14.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Er wurde geschruppt und hergerichtet: der Leuchtturm Ecke Neuendeich und Jahnstraße. Allerdings ist diese Säuberungsaktion bereits ein paar Jahre her. Damals wollte ein Paar an diesem außergewöhnlichem Ort heiraten. Unklar ist inzwischen, ob eine Hochzeit in diesem rot-weiß geringelten Turm jemals wieder möglich sein wird. Denn das Schicksal des 80 Jahre alten Bauwerks ist ungewiss.

„Ob das Oberfeuer an der Jahnstraße instandgesetzt werden kann oder durch einen Neubau ersetzt werden muss, prüft das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg derzeit noch“, sagt Jürgen Behm vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hamburg. „Voraussichtlich 2017 soll die Richtfeuerlinie Glückstadt technisch erneuert werden“, so Behm. Geplant sei auf jeden Fall, das Unterfeuer im Deichvorland durch ein neues Turmbauwerk am Standort zu ersetzten.

Sowohl der große Leuchtturm als auch der kleine wurden in den Jahren 1936/37 gebaut – für die Schifffahrt auf der Elbe. Sind die Lichter in Deckung, weiß der Kapitän: Er ist mit seinem Schiff in der Mitte des Fahrwassers. Bundesweit bekannt wurden die beiden Feuer durch einen „Schildbürgerstreich“ – so wurde die Geschichte in einem Beitrag genannt. Denn die Richtfeuer funktionierten nicht mehr richtig, weil Hausbesitzer im Glückstädter Nobelviertel Kimming den Richtstrahl verbaut hatte. Einer baute sogar zwei Meter höher als er durfte. Die Schiffe auf der vielbefahrenen Elbe hatten und haben damit auch heute noch ein Problem. Vor allem bei Niedrigwasser. Lange wurden gestritten, ob die Häuser zurückgebaut werden müssten. Sie stehen immer noch, das Kreisbauamt in Itzehoe lehnte den Rückbau ab, das Wasser- und Schifffahrtsamt wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Jürgen Behm kennt die Geschichte nur aus den Akten: „Die Sichtbarkeit der Feuer – die Scheinwerfer – als Nachtsichtzeichen ist nicht eingeschränkt, jedoch ist die Tagessichtbarkeit des Oberfeuers – des rot-weißen Turmes als Bauwerk – nicht vollständig gegeben.

Der Leuchtturm ist 53,10 Meter hoch. 140 Stufen führen im Inneren bis zur dreieckigen Laterne oben. Das Laternenhaus ist prägend mit seiner Form, denn sie ist nicht typisch. Die neueren Bauten sehen heute anders aus.

Als der Leuchtturm an seinem jetzigen Standort gebaut wurde, gab es noch eine freie Sicht auf die Elbe. Den die Stadtteile Butendiek und Kimming entstanden erst nach der Eindeichung Jahrzehnte später. Deshalb verwundert es auch nicht, dass es so scheint, als ob der Leuchtturm mitten in der Stadt steht.

Was sich oben abspielt, ist Mathematik und Physik in einem: Vom Turm wird ein Lichtstrahl gesendet, der Richtfeuer genannt wird. Der Strahl aus dem Oberfeuer wird in Deckung gebracht mit dem Lichtstrahl aus dem Unterfeuer. Diese Richtfeuerlinie kreuzt dann die Richtfeuerlinie von dem Oberfeuer aus Brokdorf und dem Unterfeuer aus Hollerwettern. Von See kommend, hat der Kapitän nach vielen anderen Richtfeuerlinien die aus Osterende bei Brokdorf in Deckung. Diese trifft dann wiederum auf die Glückstädter. Von hinten gesehen – vom Schiff aus - kommt die Richtfeuerlinie Brokdorf/Hollerwetten in Deckung.

So navigiert der Kapitän beziehungsweise Lotse von einer Richtfeuerlinie zur anderen Richtfeuerlinie bis Hamburg. Dies funktioniert natürlich auch auf dem umgekehrten Weg. Für denjenigen, der das Schiff lenkt, ist es die schnellste und sicherste Navigation auf dem engem Revier der Elbe. Hinzu kommt, dass die Schiffe – bei der Sportschifffahrt allerdings nicht vorgeschrieben – heute elektronische Navigationssysteme an Bord haben. Nur können sie gestört werden oder auch ausfallen.

Deshalb brennen alle Feuer auch am Tage mit einer charakteristischen Farbgebung. Und diese darf nicht durch Häuser, Bäume und anders verdeckt sein. Was aber durch die zu hoch gebauten Häuser immer noch so ist.

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