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Letzter Akt für ein Ehedrama: Gericht spricht Angeklagten frei

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Ihr Leben ist ein Trümmerfeld, ihre Ehe war eine einzige Hölle aus Erniedrigung, Gewalt und sexuellem Missbrauch. Jetzt saß die heute in Itzehoe lebende 40-Jährige im Saal von Strafrichter Dominik Mardorf ihrem Ex-Mann als Zeugin der Anklage gegenüber. Wegen Vergewaltigung in zwei Fällen muss sich der 44-Jährige in der Krempermarsch lebende Mann vor dem Schöffengericht verantworten. Ihm drohen mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Genau die wird Staatsanwalt Dr. Christian Irmer-Tiedt am Ende der Verhandlung auch beantragen, dazu 2000 Euro Schmerzensgeld zugunsten der Ex-Ehefrau fordern. Strafverteidiger Dr. Klaus Mohr wird Freispruch beantragen und auch bekommen. Doch dazwischen liegt eine Stunde, in der die Zeugin dem Gericht ihre Ehehölle schildert. Nur eine Freundin steht ihr bei. So sagt sie unter Tränen aus, immer noch sichtbar traumatisiert. ,,Er war starker Alkoholiker, von morgens bis abends voll. Wenn er Lust hatte, hat er sich Sex von mir geholt“, berichtet die Frau. Woran der Prozess krankte, war die Unzahl von Taten, die aus der Frau strömten. Das Gesetz fordert eine konkrete Einzeltatbenennung, weshalb bei solchen jahrelangen Eheexzessen man meist die erste und die letzte Tat nimmt, weil erfahrungsgemäß die Opfer sich daran am besten erinnern. Vor der Polizei klappte das auch noch. Als Eingangstat beschrieb die Frau dort eine Nacht aus dem Frühjahr 2000. ,,Wenn du einen Mucks machst, ist die Hölle heiß“, soll der Mann gedroht und sie erstmals vergewaltigt haben. An die letzte Tat, sie soll sich im Herbst 2008 ereignet haben, was zur angeblichen Trennung 2007 nicht passt, konnte sie sich gut erinnern. Wieder einmal kam er betrunken nach Hause, schlug ihr brutal auf die Nase und vergewaltigte sie. Irmer-Tiedt glaubte ihr, Richter Mardorf hatte Zweifel. ,,Die eine Tat hat die Zeugin gar nicht reproduziert, bei der anderen war es schwierig. Wir haben es hier mit einer Eins-zu-Eins-Situation zu tun. Wir glauben, dass ihre Ehe alles andere als schön gewesen ist. Konkret können wir nichts feststellen. Hier kommt das Strafrecht an seine Grenzen", konstatierte Mardorf und sprach den Mann frei.

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