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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 06:38 Uhr

Müll : Leser klagen: Glückstadt ist dreckig

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Wie schmutzig ist die Stadt wirklich: Bei einem Rundgang fallen Zigarettenstummel, Glasflaschen und Verpackungsmüll auf.

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 05:30 Uhr

Zigarettenkippen säumen den Weg: Am Fleth entlang, quer über den Marktplatz, durch die Große Kremperstraße bis hin zum Bahnhof. Die Kippen liegen auf dem Bordstein, in Regenrinnen und im Gebüsch – mal viele an einem Ort, mal wenige. Wer in Glückstadt mit offenen Augen und weitem Blick durch die Stadt geht, entdeckt vielerorts Müll.

Viele Leser beschweren sich bei unserer Zeitung immer wieder darüber, dass die Stadt dreckig sei. Auch Umfragen in der Stadt und bei Facebook bestätigen: Es gibt viel Müll. Und eigene Recherchen zeigten gestern: Nicht nur Zigarettenstummel liegen am Boden, sondern auch Papier und Plastik. Am Bahnhof am Bahnsteig zwei in Richtung Hamburg ist einiges zu entdecken. Verpackungsmaterial von Schokoladenriegeln und Chips, augenscheinlich benutzte Taschentücher und auch leere Weinflaschen. All das liegt verborgen im Gebüsch. Wäre der Frühling schon da und die Büsche würden Blätter tragen, dann würde der Müll weniger sichtbar sein.

Wer weiter am Gleis entlang geht, vorbei an alten und neuen Rädern, entdeckt ein oranges Fahrradgestell, das – sicher festgekettet – nie jemand gestohlen hat. Nur Sattel, Räder und Kette, haben schon lange einen neuen, unrechtmäßigen Besitzer gefunden. „Das ist fast schon Kunst und gehört mittlerweile zum Bahnhof“, sagt eine 29-Jährige Pendlerin. Sie fährt seit drei Jahren einmal die Woche von Glückstadt aus mit dem Zug, und so lange ist auch das Fahrradgestell schon da.

Doch nicht nur am Bahnhof findet sich Müll. Vor dem Nebeneingang des Rathauses unterm Schwibbogen liegt eine leere Box vom China-Imbiss und dreht bei jedem Windstoß ihre Kreise. Direkt daneben ruht eine zerbrochene Plastikgabel und einen Meter weiter eine blaue Schachtel aus Pappe.

Im Fleth schwimmt ein einsamer Getränkebecher einer Fast-Food-Kette. Sonst nur trübes Wasser, keine Spur von Müll. Im Eingangsbereich eines leer stehen Hauses am Fleth liegen noch Böller von Silvester und anderer Unrat. Dies führte sogar schon zu einer Anfrage im Rathaus, warum es dort immer so dreckig sei.


Morgens um 5 Uhr räumt Martin Schuh Glasscherben weg


Dass der Marktplatz an bestimmten Tagen sauber ist, ist Martin Schuh zu verdanken. Er organisiert die Wochenmärkte. Jeden Dienstagmorgen ist er bereits um 5.10 Uhr mit Schaufel und Besen vor Ort. „Ich beseitige dann den größten Müll“, erklärt Schuh. „Vor allem Glasscherben am Kandelaber, damit da niemand reinfallen kann. Vor allem Kinder sollen sich nicht verletzen.“ Ist der Markt vorbei, geht für ihn das große Reinemachen weiter. Und das jeden Freitag noch einmal. „Am schlimmsten ist es in den Sommerferien“, sagt er zum Müll, den er morgens findet.

Nicht nur in der Innestadt ist hier und da Dreck zu finden, wenn genau hingesehen wird. Auf dem Weg in Richtung Glückstadt-Nord, am Neuendeich entlang, finden sich zwar weniger Zigarettenstummel, aber dafür ein sorgfältig auf einem Stromkasten abgestelltes Erdbeer-Milch-Getränk. Ein anderer Milchtrinker hat seinen Plastikbecher wenige Meter weiter einfach fallen lassen. Auch einige gelbe Zettel mit Paketsendeinformationen fliegen über den Fußweg und verfangen sich im Gebüsch. Und auch dort letzte Spuren von Silvester: Kleine Teile von Raketen liegen am Wegesrand. Übrigens, falls sich der Discounter Penny fragt, wo seine Einkaufswagen abgeblieben sind: Zwei von ihnen stehen auf einem Parkplatz am Ende der Stolpmünderstraße.

Für Anja Naroska vom Diakonie-Treff in Nord ist der Müll ein echtes Aufreger-Thema. Der Spielplatz vor der Diakonie wurde schon eingezäunt – wegen des Mülls. Trotzdem werde er als Abfalleimer benutzt. „Dort liegen Bonbonpapier und ganze Tüten mit Pommes. Der Spielplatzrand wird von Hundekot gesäumt. Wir haben Papierkörbe aufgestellt.“ Doch die waren schnell weg. „Wir hätten sie anketten müssen.“ Aber sie habe noch auf eigene Kosten Aschenbecher in dem Areal aufgestellt.

Doch nicht nur gestern ließ sich die ein oder andere schmutzige Ecke in Glückstadt finden. Nutzer des Facebook-Auftritts der Glückstädter Fortuna berichten von Müll auf Spielplätzen und in Parkanlagen. Eine Frau schreibt: „Letztes Jahr haben wir in der Sandkiste vom Parkspielplatz eine Spritze gefunden. Das ist schade, wir haben da schon als Kinder gespielt.“

Eine andere Nutzerin meint, auch der Rote Weg an der Bahn sehe schlimm aus. „Da fahren viele Radfahrer und gerade dort liegen Scherben.“ Auch der Fleth, das Bahngelände, der Marktplatz werden von einigen als besonders dreckig bezeichnet. Eine weitere Frau schreibt: „Ich finde es viel schlimmer, wenn sich neben den Müllcontainern der Müll sammelt, weil die Leute zu faul sind zu einem anderen zu fahren oder ihren Dreck wieder mitzunehmen, weil die Container voll sind.“

Ein Mann wundert sich ebenfalls, da die Reinigung in anderen Städten anscheinend funktioniere. Auf der Hamburger Reeperbahn etwa sehe es nachts manchmal „echt schlimm“ aus, „aber am nächsten Morgen um 8 Uhr sieht alles wieder aus wie geleckt“. In Glückstadt sei das nur einmal im Jahr so. Der Meinung ist auch eine weitere Nutzerin: „Die Innenstadt wird nur zu den Matjeswochen für die Touristen sauber gemacht.“

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