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Eröffnung im Hablik-Museum : Lesbare Spuren von psychischer Belastung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Steinburger Künstlerbund plant eine Ausstellung im Hablik-Museum.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2017 | 11:23 Uhr

Wenn sich ab Sonntag, 12. November, der Steinburger Künstlerbund mit neuen Arbeiten im Wenzel-Hablik-Museum präsentiert, werden Besucher der Ausstellung auch Werke von Künstlerinnen finden, die zum ersten Mal dabei sind. Die Malerinnen Jutta Rika Bressem aus St. Michaelisdonn und Regina Schween aus Oelixdorf traten in diesem Jahr dem Künstlerbund bei – und beide sind eine Bereicherung.

Regina Schween kam erst vor einem Jahr aus Hamburg. „Ich musste raus aus dem Melting Pot“, erzählt sie. Dass sie die Einsamkeit und Abgeschiedenheit braucht, bemerkte sie während eines geförderten Arbeitsaufenthaltes in Andalusien 2016. Danach suchte sie ein neues kleines Zuhause und fand es in der Nähe von Itzehoe. Dabei war Hamburg lange ihr Lebensmittelpunkt. 1988 begann die damals 35-Jährige ein Malereistudium. Vorher hatte sie sich nach dem Wunsch des Vaters als Masseurin ausbilden lassen und für einige Jahre seine Praxis übernommen.

Aber ihre Freunde aus der Künstlerszene ermutigten sie zum Kunststudium – wobei sie nach vier Jahren zur anthroposophisch orientierten Freien Kunstschule wechselte. „Dort konnte ich viel freier arbeiten.“ Ihre Stärken sind realistische Darstellungen mit den Schwerpunkten Akt und Porträt. Auch die drei Bilder, mit denen sie sich in Itzehoe vorstellen wird, gehören in diese Kategorien.

Mit zehn Porträts, eher Gesichtsstudien, nimmt Jutta Bressem an ihrer ersten Ausstellung im Hablik-Museum teil. Sie wuchs in Frankfurt am Main auf und lebte gut 20 Jahre in Mecklenburg-Vorpommern. „Ich wollte wieder ans Meer“, begründet sie ihren Umzug nach St. Michaelisdonn vor drei Jahren. Nun sind es dahin nur 20 Autominuten. Gerade in den letzten drei Jahren arbeitete sie intensiv zum Thema Gesicht, meist in riesigen Formaten, die sich in mehreren Lagen zu einem Ausdruck hin entwickeln.

Eigens für die Ausstellung hat Bressem zehn kleine Studien gemalt, die wesentlich leichter daherkommen. Dabei sind es keine konkreten Menschen, die sie abbildet, sondern über die Jahre verinnerlichte Eindrücke unzähliger Gesichter, die sie aus ihrem Gedächtnis oder ihren vielen Skizzen hervorholt. Und ein Ringen um unterschiedliche Mimik ist spürbar. Selbst feine Nuancen verändern den Gesamteindruck. Die Malerin nahm das Motto der Künstlerbund-Ausstellung, „Druck“, wörtlich und versucht, in ihren Gesichtern feine Spuren von Über- oder Unterforderung, gar Mobbing, zu hinterlassen. „Psychische Belastung hinterlässt Spuren. Und diese Spuren sind lesbar.“

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