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RBZ Itzehoe : Leistungsstark zum Schulabschluss

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

35 Flüchtlinge legen in Itzehoe erfolgreich ihre Prüfung ab. Insgesamt 80 jugendliche Zuwanderer erhalten ihr Sprachzertifikat.

„Für euch ist heute ein wichtiger, großer Tag. Ihr habt das Schuljahr alle erfolgreich gemeistert“, lobte Olaf Stahl, Fachbereichsleiter der Berufseingliederungsklassen Deutsch als Zweitsprache (BekDaz) am Regionalen Berufsbildungszentrum Steinburg, 80 junge Flüchtlinge – alle unter 18 Jahre. Vorgesehen sei im BekDaz-Konzept des Landes, dass in diesem Schuljahr für die Jugendlichen ausschließlich das Deutsch-Sprachzertifikat – A2 – erlangt wird. Doch 35 der 80 Schüler bewiesen ein solches Leistungsniveau, dass die Schulleitung des RBZ entschied, sie in die Prüfungen für den Ersten Schulabschluss (ESA) zu „schicken“. Alle 35 bestanden – und erhielten unter besonders großem Beifall die Zeugnisse und ebenso wie ihre Mitschüler das A2-Sprachzertifikat.

Doch zuvor richteten sowohl Schulleiter Klaus-Peter Teske als auch Olaf Stahl den Blick zurück. Vor zwei Jahren stand das Regionale Berufsbildungszentrum durch den Zustrom Geflüchteter vor einer neuen Aufgabe. Ein Unterrichtsangebot für zahlreiche neue Schüler musste auf die Beine gestellt werden. „Ich bin stolz, dass unser Team das hingekriegt hat“, betonte Teske. Viele neue Ideen seien ins Haus gebracht worden – und trugen letztlich dazu bei, dass Integration im RBZ gelebt wurde. „Wir sind ein großes gemeinsames Haus geworden. Es gab hier keine einzige problematische Situation“, fügte der Schulleiter hinzu. „Wir sind sehr gut miteinander zurecht gekommen.“

Das unterstrich auch Olaf Stahl, als er das Schuljahr reflektierte. Im Frühsommer 2016 sei er gefragt worden, ob er die Aufgabe als BekDaz-Fachleiter übernehmen würde. Nach seiner Erfahrung aus einer Flüchtlingsklasse im Vorjahr, traute er sich das zu. „Was an Arbeit auf mich zukommen würde, wusste ich nicht.“ So sei er etwas nervös gewesen, der Anfang habe sich auch als sehr holprig erwiesen. Zunächst galt es, die Schüler in Klassen einzuteilen, wobei die Räumlichkeiten ein Problem wurden. Das RBZ platze aus allen Nähten, und so wurde im Schichtbetrieb unterrichtet. Einige Klassen vormittags, die anderen nachmittags. Organisatorisch eine große Aufgabe, wobei ihn die Abteilungsleitung sehr unterstützt habe. Acht oder neun Mal musste er die Stundenpläne ändern. Stahl dankte den Schülern: „Ihr habt alles geduldig über euch ergehen lassen.“

Nach und nach kam alles besser ins Rollen, neue Lehrer kamen hinzu – und immer mehr Schüler. Nach den Herbstferien wurden noch zwei weitere Klassen aufgemacht, insgesamt gab es acht BekDaz-Klassen der Unter-18-Jährigen. „Für uns war es auch ein großer Lernprozess.“ Stahl wies auf die Kooperation mit zwei Erzieher-Klassen am RBZ hin. „Eine Win-Win-Situation“ Während die angehenden Erzieher beruflichen Alltag üben konnten, profitierten die BekDaz-Schüler, indem sie Unterstützung bei den Hausaufgaben, bei der Integration generell und der Praktikumssuche erhielten. „Es herrschte eine große Herzlichkeit untereinander.“ Schade sei gewesen, dass die Jugendlichen keinen Sport hatten weil das die Sporthallen-Kapazitäten nicht mehr hergaben. Im nächsten Schuljahr werde sich das ändern.

Während das erste Schulhalbjahr relativ kurz war, mussten alle Beteiligten im zweiten Halbjahr einen langen Atem haben, wobei es für die Schüler von sechs Klassen eine Unterbrechung durch das Praktikum gab. Zwei Klassen waren wegen zu großer Sprachprobleme noch nicht dabei. In den anderen Klassen sei es sehr gut gelaufen. Für einige Schüler so gut, dass sie nach ihrem Ersten Schulabschluss sogar schon einen Ausbildungsplatz haben. Bei anderen habe es auch von Arbeitgeberseite Angebote gegeben, doch, so Stahl, die betreffenden Schüler seien sprachlich doch noch nicht so weit, um im entsprechenden Berufsschulunterricht mit anderen mithalten zu können. Und so würden 95 Prozent der Schüler im nächsten Jahr weiter die Schulbank drücken, um ihre Deutschkenntnisse auszuweiten ihren nächsten Schulabschluss zu schaffen. Dass die Schulleitung für 35 Schüler grünes Licht gegeben habe, zumindest an den Prüfungen zum ersten Schulabschluss teilzunehmen, hob Olaf Stahl noch einmal hervor. „Ich bin froh über die Entscheidung, weil wir heute eine Menge Schulabschlüsse übergeben dürfen.“ Dass die Jugendlichen innerhalb kurzer Zeit in einem fremden Land so eine herausragende Leistung erbrachten, sei bemerkenswert. Trotz anfänglicher Sprachprobleme und persönlicher Geschichte. Traumatisiert durch Kriegs- und Fluchterlebnisse sowie Verlust naher Angehöriger, was „uns als Lehrer in einigen Situationen auch an unsere Grenzen brachte und wir externe Hilfe in Anspruch nehmen mussten“.

Stahl bedankte sich für die Unterstützung durch Ehrenamtler und Kollegen sowie Verwaltung und Ämter und überreichte Präsente – unter großem Beifall.

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erstellt am 20.Jul.2017 | 16:40 Uhr

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