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Norddeutsche Rundschau

24. September 2017 | 03:35 Uhr

Leidenszeit?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 10:06 Uhr

Jesus weint, verzweifelt schreit er zu Gott. Jesus leidet. Am Ende stirbt er am Kreuz. Die sieben Wochen von Aschermittwoch bis zum Karsamstag nennt die Kirche Passionszeit oder Leidenszeit. Zeit des Leidens? Unsere Gesellschaft will vom Leiden nichts wissen. Schmerz wird versteckt. Tod wird totgeschwiegen. Leben bedeutet fit sein, Erfolg haben, sich etwas leisten zu können. Kranke, Arme, Hässliche, Traurige, Arme, Behinderte passen nicht ins Bild – oder sie stehen ganz am Rand, so dass man sie abschneiden kann.

Leidenszeit? Niemand möchte leiden. Wir sind dankbar für jeden glücklichen Tag. Aber wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es irgendwie in unserem Leben vorkommen wird: Da stehst du und sagst: Das schaffe ich nicht, das nicht! Keine Kontrolle mehr. Ich kann es nicht ändern. Dann muss es wohl so sein.

Ganz gleich, ob du der bist mit dem schwarzglänzenden Cabrio oder der mit der Plastiktüte, der in die Mülleimer schaut. Das wird die Stelle sein, an der du etwas verstehst über dein Leben.

Das Leben eines Menschen hat Jesus gelebt – genossen und gelitten. Er hat Angst gehabt, hat sich allein gefühlt, hat geklagt, wollte verschont werden und konnte – ganz am Ende – Gott erkennen in dem, was mit ihm geschah. Wenn die Geschichte von Jesus in diesen Wochen in den Kirchen erzählt wird, dann hat es den Sinn, zu zeigen: Gott ist in unserem Leben. Gott ist da, wenn wir es nicht mehr im Griff haben, wenn wir loslassen müssen. Wir Menschen wissen, was Leiden ist, und Gott weiß es auch. Unser Leben finden wir, wenn wir nicht abschneiden, was daran zum Weinen ist. Gott ist auch im Weinen.

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