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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 03:33 Uhr

Ausbildung : Lehre sucht Lehrling

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jeder dritte Betrieb im Norden findet keine idealen Bewerber / Jugendliche gehen oft leer aus

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2015 | 07:50 Uhr

Es klingt wie eine gute Nachricht: Die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverträge in Schleswig-Holstein steigt – zumindest ein wenig. Während die Zahl der neuen Auszubildenden bundesweit in 2014 um 1,4 Prozent zurückging, verzeichnete das Statistische Bundesamt für Schleswig-Holstein einen Anstieg um 0,4 Prozent. Nur in Sachsen war das Plus mit 1,8 Prozent noch größer. Dessen ungeachtet nehmen die Probleme der Betriebe im Norden zu – und die der Bewerber ebenso.

„Wenn man sich den längeren Trend ansieht, sind die Zahlen deutlich zurückgegangen“, sagt Tim Brockmann vom Handwerk Schleswig-Holstein, der Vereinigung der Fachverbände und Kreishandwerkerschaften im Land. Dabei haben Industrie- und Handwerk zuletzt verstärkt mit Projekten und Initiativen um Nachwuchs geworben. Die Bundesregierung hat gestern zusätzlich ein gut 1,3 Milliarden Euro teures Berufseinstiegsprogramm auf den Weg gebracht. Ob es damit getan ist, bleibt fraglich – zumal manche der Förderprojekte durchaus kritisch gesehen werden. Im Land haben Handwerkskammern und Regierung unter anderem das Projekt „Kursänderung“ initiiert, bei dem Studienabbrecher für das Handwerk begeistert werden sollen. „Da päppeln wir sie erst bis zum Abitur und die ersten Semester an der Uni durch, um sie anschließend mit Steuergeldern wieder von der Uni zu holen und in eine duale Ausbildung zu stecken“, gibt Brockmann zu bedenken und fordert: „Man muss viel früher in den Schulen ansetzen.“

Dem Ausbildungsmarkt im Norden macht dabei vor allem das zu schaffen, was Hans Joachim Beckers von der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein als Matching-Problem bezeichnet – Lehrstelle und Bewerber passen nicht zueinander. Und im Norden ist dies immer öfter der Fall. Beckers zufolge haben 2013 noch 23 Prozent der Betriebe im Land angegeben, keine passenden Bewerber zu finden. In 2014 waren es bereits 34 Prozent. Das hat Folgen: 37  100 Lehrstellen sind im vergangenen Jahr bundesweit laut Berufsbildungsbericht (BIBB) unbesetzt geblieben sind. Kaum irgendwo steigt der Anteil erfolgloser Bewerbungen dabei so stark wie im Norden. Waren 2013 noch 15,5 Prozent aller Anfragen vergeblich, liefen vergangenes Jahr bereits 16,3 Prozent ins Leere – nur in Nordrhein-Westfalen und Hamburg gehen Schulabgänger noch öfter leer aus.

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