Aufregung : Leerrohr – aber kein Breitband

Der Wilsteraner Werner Dombert zeigt im Schweißcontainer, wo die Schweißnähte an der 600er PE-Kunststoffleitung gesetzt werden müssen.
Der Wilsteraner Werner Dombert zeigt im Schweißcontainer, wo die Schweißnähte an der 600er PE-Kunststoffleitung gesetzt werden müssen.

Obwohl der Wasserverband beim Leitungsbau Platz für Glasfaserkabel anbietet, lehnt der Steinburger Zweckverband ab. Das stößt in der Gemeinde Kudensee auf Unverständnis.

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19. Juli 2014, 16:04 Uhr

Die Breitbandversorgung sorgt in Kudensee für Aufregung Eine Einwohnerin hat zu Beginn der Gemeinderatssitzung dafür gesorgt, dass die Beschlussfassung über die Teilnahme an einer weiteren Ausschreibung durch den Zweckverband Breitbandversorgung Steinburg von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Nun muss der Gemeinderat in Kürze erneut zusammenkommen, da die Entscheidung bis zum 31. Juli stehen muss. Die Einwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hatte erfahren, dass der Breitband-Zweckverband ein Angebot des Zweckverbandes Wasserwerk Wacken ausgeschlagen hat. Angeblich, so die Bürgerin, habe der Breitbandverband „kein Interesse“ geäußert.

Der Wasserwerk-Zweckverband lässt zurzeit eine neue Wasserleitung von Wacken bis Brunsbüttel verlegen. Die Leitung wird auch durch das Gemeindegebiet von Kudensee geführt. Daran wird bereits gebaut. Parallel mit der Wasserleitung wird ein Leerrohr für ein Breitbandkabel unter der Erde gelegt. „Es ist für ein Datennetz unseres Verbandes“, erläuterte Geschäftsführer Dr. Guido Austen. Es gäbe noch ausreichend Kapazität, auch die Breitbandversorgung eines anderen Anbieters mit aufzunehmen. „Damit könnte unsere Gemeinde möglicherweise kostengünstig an das Breitbandnetz angeschlossen werden“, vermutete die Fragestellerin in der Gemeinderatssitzung.

Diesen Sachverhalt bestätigte Dr. Guido Austen auf Anfrage unserer Zeitung. Er habe dem Breitband-Zweckverband das Angebot unterbreitet. „Wir haben nur eine ausschweifende, aber ablehnende Antwort erhalten“, bedauerte Austen. Dennoch: Das Angebot bleibe bestehen. Der Geschäftsführer des Breitband-Zweckverbandes, Rolf Naumann, begründete die Ablehnung des Angebots mit „rein wirtschaftlichen Gründen“. Die Leitung des Wasser-Zweckverbandes läge „zu weit vom Schuss“ und nicht in dem Bereich der vom Breitband-Zweckverband geplanten Backbone-Leitung. Sie sei die Hauptleitung des gesamten Netzwerkes, von der die Zuleitungen zu den anzuschließenden Gemeinden abzweigen.

Die neue Wasserleitung von Wacken nach Brunsbüttel wird in drei Bauabschnitten verlegt und etwa elf Millionen Euro kosten. „Sie wird erst 2017 fertig sein“, räumte Dr. Guido Austen ein. Der erste Bauabschnitt bei Kudensee ist mit 2,6 Millionen Euro veranschlagt und soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Die Arbeiten werden von dem Tief- und Rohrleitungsbau-Unternehmen Wilhelm Wähler GmbH mit Sitz in Dorum (Niedersachsen) und mehreren Filialen, unter anderem auch in Tornesch, ausgeführt. Für die Baustellenleitung Kudensee hat das Unternehmen Werner Dombert aus Wilster „reaktiviert“. Der 67-Jährige war 23 Jahre bei Wähler GmbH tätig und schon in den Ruhestand gewechselt. Jetzt waren seine Fachkenntnisse gefragt, um die Abläufe auf der Baustelle Kudensee zu organisieren. Im Dorf hat das Unternehmen bereits einen Büroraum für die Dauer der Bauarbeiten angemietet.

Für die neue Leitung werden 20 Meter lange und 600 Millimeter starke PE-Kunststoffelemente miteinander verschweißt und vier Meter tief in der Erde verlegt. Gleich zwei Schweiß-Container wurden aufgestellt, um die Schweißnähte auf jeden Fall witterungsunabhängig setzen zu können.

In Kudensee muss die Dorfstraße unterquert werden. Am Mittwoch nahm eine Spezialfirma aus Bad Doberan (MV) die Arbeiten auf, um ein 80 Zentimeter weites Stahlrohr unter der Straße hindurchzubohren. Ein weiteres Hindernis ist der Büttel-Kudenseer-Kanal, unter den ebenfalls die Rohrleitung gepresst werden muss.

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