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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 14:22 Uhr

Wirtschaft : Leere Geschäfte mit Leben füllen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Viele Parkplätze und Ein-Euro-Miete: Expertin aus Dannenberg stellt Politikern in Glückstadt Ideen vor, wie sie Geschicke des Gewerbes lenken können

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 11:45 Uhr

Geschäfte haben geschlossen, die Schaufenster vermitteln ein tristes Erscheinungsbild. Ein Problem, das mittlerweile viele Städte haben. Auch Glückstadt bildet da keine Ausnahme. Ganz anders dagegen sieht es im niedersächsischen Dannenberg aus. Deshalb hatte die Stadt Ursula Fallapp eingeladen. Die Marketing-Chefin erklärte im jüngsten Wirtschaftsausschuss, wie sie es geschafft hat, dass es in Dannenberg keine Leerstände gibt. Die Glückstädter Politiker waren beeindruckt – auch Bürgermeisterin Manja Biel.

Innerhalb nur eines Jahres gelang es Ursula Fallapp, 25 leer stehende Geschäfte mit neuem Leben zu erfüllen. Seit 2005 gibt es das Projekt, das kontinuierlich fortgeführt wird. Auch hilft die Dannenbergerin, Nachfolger für Geschäfte zu finden. Ursula Fallapp ist bei der Samtgemeinde Elbtalaue angestellt, zu der auch die Stadt Dannenberg mit 5000 Einwohnern gehört. Die Stadt ist mit einem Krankenhaus, Gymnasium und vielen Bildungseinrichtungen der zentrale Ort. Mittlerweile ein Wohnort für junge Familien. Sie selbst kommt aus der Verwaltung. „Ich bin überzeugt, dass es so sein muss, dass die Verwaltung die Fäden zusammenführt“, sagte sie zum Erfolg.

Die Stadt wurde verkehrsberuhigt, die Stadt schaffte auf eigene Kosten 680 Parkplätze, die in drei Minuten Entfernung zum Zentrum mit den Geschäften liegen. Bereits ab März wird die Innenstadt durch Musikveranstaltungen und andere Events belebt. Der Erfolg für die Stadt: Es wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen und Jugendliche bleiben durch bestehende Ausbildungsplätze im Ort.

Ein Beispiel für Geschäftsansiedlung sind Manufakturen. Ursula Fallapp hat 26 Kunsthandwerker aus der Stadt und der Region zusammengeführt, die gemeinsame Geschäfte auf 360 Quadratmetern betreiben. Gleiches gilt für Produzenten von heimischen Produkten aus der Region – sie betreiben gemeinsam eine Markthalle. Ein großes Problem war und ist es, dass das Fachmarktzentrum – unter anderem mit dem „Dänischen Bettenhaus“ – abgebrannt ist. Es wird aber wieder neu aufgebaut. „Die Filialisten fehlen uns.“

Allen Geschäften ist gemeinsam, dass sie eine Werbelinie fahren und sich auf gleiche Öffnungszeiten geeinigt haben. Ein Punkt zur Wiederbelebung von Geschäftsräumen gelang nur über die Miete. „Sie wurde im ersten Jahr mit einem Euro pro Quadratmeter veranschlagt und dann angeglichen. Jetzt sind wir bei acht Euro.“ Die geringe Anfangsmiete habe „viel losgetreten“, sagt die Fachfrau. Unter anderem hätte sich so eine Boutique etablieren können und auch ein Café.

Wichtig seien neben den einheitlichen Öffnungszeiten auch Schulungen für den Handel und die Gastronomie, zudem gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen. Und es gibt eine „Dan-App“ und Internetauftritte. Im Ergebnis habe sich gezeigt, dass viele Arbeitsplätze geschaffen wurden und viele Menschen in die Stadt kommen, um einzukaufen. Neu ist, dass die Stadt Dannenberg jetzt am Altonaer Bahnhof in Hamburg ein Marketingbüro unterhält. Und geplant ist der Bau eines Einkaufszentrums. Zu guter Letzt sagte Ursula Fallapp: „Glückstadt ist wunderschön. Sie haben ein Pfund, mit dem wir nicht wuchern können.“

Ausschussvorsitzender Hans-Georg Helm kommentierte: „Danke für das Lob.“ Angesichts ihres Vortrages habe er schon Minderwertigkeitsgefühle bekommen. Bürgermeisterin Manja Biel sagte: „Ich bekomme Lust, gleich loszulegen.“ Stefan Goronczy (FDP) erklärte, was auch andere so sahen: „Hut ab, beeindruckend.“

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