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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 01:20 Uhr

KOchkünste : Lecker speisen in der Tafel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zur Einweihung nach dem Umbau in Glückstadt gibt es ein großes Buffett aus Lebensmittelspenden. Gezeigt wird: „Abgelaufenes“ ist noch lange nicht schlecht.

von
erstellt am 25.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Zum „Last Dinner“ hatte die Glückstädter Tafel am Donnerstagabend eingeladen. Gefeiert wurde der Umbau des Gebäudes an der Königsberger Straße, in dem neben dem Sozialkaufhaus die Tafel untergebracht ist. Zugleich wollten die Initiatoren deutlich machen, welche unvorstellbaren Mengen genießbarer Lebensmittel täglich auf den Müll wandern, während es genügend Menschen gibt, die auf diese – unverdorbene – Ware angewiesen ist.

„Letztes Abendessen“ – das hat etwas Finales, klingt ein wenig makaber. Tatsächlich soll der Begriff deutlich machen, dass die verwendeten Lebensmittel eben doch noch genießbar seien. Dass dies stimmt, verdeutlichte das Küchenteam der Tafel eindrucksvoll. Aufgefahren wurde in der neuen Essensausgabe ein Buffett, bei dem sich beinahe die Balken bogen. Es gab Wraps (Pfannkuchen mit Salatfüllung), eine vegetarische Suppe und eine mit Würstchen, Obstkompott und mit Schokolade überzogenes Obst. Das Besondere dabei, so Tafel Koordinator Horst-Günter Scheer: „Die Lebensmittel wurden uns vor zwei Tagen gespendet.“ In der Regel also Obst, Gemüse und andere Nahrungsmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht haben. Dass sie deshalb noch längst nicht gleich Abfall waren, wurde am Donnerstag deutlich. Zu den Gästen, viele kamen aus der Nachbarschaft, gehörte neben dem stellvertretenden Landrat Dr. Heinz Seppmann auch Glückstadts Bürgermeister Gerhard Blasberg. Der ließ sich ungeachtet sommerlicher Temperaturen eine Suppe schmecken. Sein Fazit: „Ausgesprochen lecker!“ Anregungen zum Nachmachen lieferte das international besetzte Küchenteam gleich mit: Auf den Stehtischen lagen kleine Rezepthefte.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete ein Film, der die tägliche Lebensmittelverschwendung thematisierte. Dazu war der große Raum des Sozialkaufhauses in ein kleines Kino umfunktioniert worden mit Platz für 80 Besucher. Und tatsächlich blieb kaum eine der Sitzmöglichkeiten frei. „Wir haben viele Gäste hier, super!“, freute sich AWO-Geschäftsführer Martin Meers. Die Arbeiterwohlfahrt steht hinter den Tafeln in Glückstadt, Brunsbüttel, Marne und Meldorf.

Mit einer ganz besonderen Arbeit haben sich die Frauen der Kulturbrücke an dem Ereignis beteiligt. Sie haben gemeinsam einen großen Quilt erstellt, der wie ein überdimensionales Plakat gegen Lebensmittelverschwendung wirkt. Insgesamt 18 Frauen verschiedener Nationalitäten arbeiten bei der Kulturbrücke unter Leitung von Julia Duda mit. Sie befassen sich mit deutscher Geschichte, Politik und Kultur – und versuchen mit Hilfe der Arbeitsagentur Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen. Seit sechs Jahren, so Duda, gebe es das Projekt bereits. „Wir wollen diese Frauen integrieren“, beschreibt sie das große Ziel. Dass unterschiedliche Herkunft letztlich auch das Tafelbuffet bereicherte, wurde beim Last Dinner deutlich.

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