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Schleuse Kasenort in Stördorf : Lebensversicherung für die Marsch

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im ersten Bauabschnitt zur Sanierung der Schleuse Kasenort wird für den Hochwasserschutz ein leistungsfähiges Schöpfwerk eingebaut.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Unter den zahlreichen Baustellen in der Wilstermarsch ist sie die wohl derzeit spannendste: Mit den Arbeiten zur Sanierung der Schleuse Kasenort wird nicht nur ein Industriedenkmal für künftige Generationen erlebbar gemacht. Gleichzeitig leistet die Stadt als Bauherr gemeinsam mit dem Deich- und Hauptsielverband einen entscheiden Beitrag für besseren Hochwasserschutz. „Was hier entsteht, ist so etwas wie die Lebensversicherung für die Marsch“, bringt Roman Stöckmann es auf einen schlichten Nenner.

Regelmäßig ist der Bauamtsleiter vor Ort, um mit beteiligten Firmen Details zu besprechen und den weiteren Fortgang der Arbeiten zu beobachten. An diesem Tag finden gerade Baggerarbeiten statt, um die Solsicherung zu entfernen. Im Anschluss sollen 14 Meter lange Spundbohlen versenkt werden. An der routinierten Gelassenheit der Mitarbeiter wird deutlich: Die mit den Arbeiten betraute Borsflether Firma Peters ist seit Jahrzehnten mit dem komplizierten Wasserbau vertraut.

Noch in diesem Jahr wird das Herzstück für die Wasserregulierung zwischen Wilster Au und Stör – und damit weiter in die Elbe – installiert. In das historische Schleusenbauwerk wird ein Schöpfwerk mit einer Leistung von zwei Kubikmetern Wasser pro Sekunde eingebaut. Die Anlage wird nach der Fertigstellung vom Sielverband betrieben und auch unterhalten. So sieht es ein mit der Stadt Wilster geschlossener Vertrag vor. Mit der Inbetriebnahme des Schöpfwerks wird im Januar nächsten Jahres gerechnet. Ob die Anlage jemals zum Einsatz kommt, ist allerdings offen. „Für uns ist es so eine Art Not-Schöpfwerk“, sagt Stöckmann. Die Not kann aber auch schneller kommen, als man vielleicht denkt. Bürgermeister Walter Schulz erinnert an einen Starkregen erst vor wenigen Jahren, als in weiten Teilen der Wilstermarsch Land unter herrschte, weil die Au ihr Wasser nicht mehr in der Stör loswerden konnte. Genau bei solchen Hochwasser-Situationen soll das neue Schöpfwerk die entscheidende Entlastung bringen.

Im nächsten Jahr soll die Schleuse selbst dann erst einmal trocken gelegt werden. Von Ende März bis voraussichtlich Ende Oktober werden dann auch keine Schiffspassagen möglich sein. Der Vorteil: Dank des bereits fertigen Schöpfwerks ist eine Niveauregulierung der Wasserstände in der Au trotzdem auch weiterhin möglich. Mit einer „Mischung aus Sanierung und Neubau“, so Stöckmann wird dann das betagte Mauerwerk auf Vordermann gebracht, wobei gleichzeitig auch noch Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt werden müssen.

Per Schwimmkran wird auch das erste Paar der Stemmtore aus seiner Verankerung gehoben und zu einem Fachbetrieb für eine Sanierung gebracht. „Da ist noch genug Fleisch dran“, geht Stöckmann davon aus, dass kein Neubau erforderlich sein wird. Daneben bekommen die Tore neue Antriebe, die es auch dem Schleusenwärter leichter machen sollen. Der bisherige Mechanismus, angetrieben mit Hilfe einer Industriebohrmaschine, bleibt parallel erhalten. „Der hat 95 Jahre lang funktioniert und wird es auch weiterhin.“

Im dritten Bauabschnitt kommt 2019 dann die Sanierung des zweiten Stemmtorpaares dran. Daneben werden Restflächen des Mauerwerks instandgesetzt. Im Zuge der Sanierung wird auch das betagte Pegelhäuschen bewegt. Es soll ein Stück angehoben und nach Fertigstellung des Umfeldes dann an gleicher Stelle wieder abgesetzt werden. Unangetastet bleibt lediglich das Schleusenwärterhaus.

„Endlich wird hier investiert“, ist Roman Stöckmann ebenso wie Bürgermeister Walter Schulz die Erleichterung anzumerken, dass nach jahrelangen Planungen und Bemühungen endlich mit der heiß ersehnten und dringend notwendigen Sanierung begonnen werden konnte. Zu verdanken ist das allerdings auch dem Land als Geldgeber. Für das insgesamt 2,4 Millionen Euro teure Schleusenprojekt gibt es erhebliche Mittel aus dem Landesprogramm ländlicher Raum und aus dem Fördertopf für den Erhalt kulturellen Erbes in ländlichen Räumen.

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