Nächstenhilfe : Lebensretter aus Herzhorn

„Ich persönlich gehe mit dem Leben noch bewusster um“,  sagt Constantin Loreth (l.), der nur wenige Monate nach der von Olaf Stahl organisierten DKMS-Aktion zum Stammzellspender für eine junge Frau aus Kanada wurde.
„Ich persönlich gehe mit dem Leben noch bewusster um“, sagt Constantin Loreth (l.), der nur wenige Monate nach der von Olaf Stahl organisierten DKMS-Aktion zum Stammzellspender für eine junge Frau aus Kanada wurde.

Constantin Loreth hat Stammzellen gespendet – und damit einer Kanadierin die Chance auf ein neues Leben geschenkt.

von
14. Juli 2018, 13:35 Uhr

Das Jahr 2018 wird Constantin Loreth (19) in besonderer Erinnerung bleiben. Und das nicht nur, weil er die Berufsfachschule III – Sozialwesen – am Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) Steinburg in Itzehoe erfolgreich abgeschlossen hat. Viel mehr, weil der Herzhorner einer jungen, an Blutkrebs erkrankten Frau in Kanada wahrscheinlich das Leben gerettet hat.

Loreth hatte sich erst vor knapp fünf Monaten als potenzieller Stammzellenspender bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren lassen. Genauer: am 22. Februar bei der von RBZ-Lehrer Olaf Stahl am Berufsbildungszentrum initiierten DKMS-Aktion. „Unsere Deutschlehrerin hatte uns für die Vorträge angemeldet“, erzählt Constantin Loreth. „Ich habe zugehört, fand es interessant.“ Die DKMS-Vorträge seien sehr professionell vorbereitet und emotional, fügt Olaf Stahl hinzu. Etwa 500 Schüler und Kollegen hatten an der Informationsveranstaltung teilgenommen.

Besonders nahe gingen Constantin Loreth die Videoausschnitte mit Lebensgeschichten von erkrankten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die durch die Stammzellenspende eine neue Lebenschance bekamen. „Das war sehr bewegend.“ Und der Gedanke, dass es auch ihn selbst, seine Familie und Freunde treffen könnte, ließ ihn nicht los. Nachdem er dann noch einen Schüler aus dem Landwirtschaftsbereich gehört hatte, der bereits Spender war, entschied er, sich registrieren zu lassen. Und mit ihm etwa 250 Aktionsteilnehmer. Das sei ganz einfach gewesen, gemäß des Mottos „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein“. Den Zettel, den er am Tag der Aktion bekam, legte er zu Hause erstmal in eine Schublade.

Nicht einmal zwei Monate später, am 3. April, erhielt der 19-Jährige plötzlich eine SMS aufs Handy mit der Bitte, sich bei der DKMS zu melden. Er könnte möglicherweise Stammzellenspender sein. „Ich habe da angerufen, mir wurde das weitere Vorgehen erklärt, und von da an war der Kontakt zur DKMS sehr eng“, erzählt er weiter. Der Herzhorner erhielt ein Päckchen mit Spritzen und Kanülen, womit er zum Hausarzt ging. Dort wurde ihm Blut abgenommen. „Es gibt dann noch weitere Blutuntersuchungen, um zu prüfen, wie weit die Übereinstimmung mit dem betroffenen Patienten geht“, erklärt Olaf Stahl. Etwa zweieinhalb Wochen später wurde Constantin Loreth das Resultat mitgeteilt, dass er für die Spende in Frage komme. „Ich habe nicht lange überlegt und gleich angerufen.“

Der junge Mann machte den Termin perfekt: Am 7. Juni erfolgte die Voruntersuchung in einem Ärztezentrum in Köln. Dort wurde ihm nochmal Blut abgenommen, die Werte wurden kontrolliert. „Ich wurde auf sämtliche Krankheiten untersucht.“ Ein guter Nebeneffekt sei, dass er nun genau wisse, kerngesund zu sein. Schließlich bekam er Spritzen mit nach Hause, womit er sich einen hormoneigenen Stoff spritzen musste, der die Produktion der weißen Blutkörperchen anregen sollte. Ab 28. Juni fing er an, sich zu spritzen – bis zum 2. Juli, dem Tag der Stammzellenspende. Das Ärzteteam habe ihm alles wiederholt erklärt, und auch da sei er noch mehrfach gefragt worden, ob er wirklich spenden wolle. Dann wurde er für etwa vier Stunden in einem Raum an eine Maschine angeschlossen, die aus seinem Blut Plasma und weiße Blutkörperchen quasi herausfilterte. Anschließend habe er noch ein paar Stunden abwarten müssen, ob die Spende auch ausreichte. Das war der Fall.

Jetzt ist gewiss, dass eine 20- bis 29 Jahre alte Frau aus Kanada durch Constantin Loreth eine Chance auf ein neues Leben bekommen hat. In nächster Zeit werde er Unterlagen bekommen, die ihm ermöglichen werden, anonym zu der Kanadierin Kontakt aufzunehmen – wenn sie das möchte. Er selbst ist sich sicher: „Ich möchte das.“ Und für ihn steht fest: „Ich würde das auf jeden Fall immer wieder tun.“ Vorerst sei er auf zwei Jahre auf die kanadische Patientin „reserviert“, falls sie einen Rückfall bekäme. Seine Familie und Freunde hat er auch überzeugt, sich registrieren zu lassen. „Ich habe 40 Registrierungssets bei der DKMS bestellt.“


>Weitere Infos und Kontakt im Internet unter: www.dkms.de

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen