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Streuobstwiesen : Lebensraum für bedrohte Tierarten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kellinghusener Frank Steiner will mit einem Nabu-Projekt in den Moordörfern mehrere Streuobstwiesen anlegen

von
erstellt am 15.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Die Störniederung in den Moordörfern als lebendige Kulturlandschaft mit einer vielfältigen Flora und Fauna erhalten – dieses Ziel hat sich der Kellinghusener Frank Steiner, Landeskoordinator für Streuobstwiesen im Naturschutzbund Schleswig-Holstein (Nabu), gestellt. Dazu gehört unter anderem die Anlage von Streuobstwiesen, die bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten. Darunter Steinkauz, Schleiereule, Fledermausarten und Bienen. Gleichzeitig möchte Steiner mit der Aktion alte, holsteinische Apfelsorten pflanzen und damit erhalten.

Auftakt des Dachprojektes „Biodiversität in der Kulturlandschaft der Störniederung“ war 2011 und 2012 der „Steinkauzfreundliche Hof“ (2011 /2012). Verschiedene Höfe wurden dabei ausgezeichnet – mit Erfolg. „2009 gab es in den Dörfer vier Brutpaare, 2012 waren es dann 14 und 2013 zehn“, sagt Steiner.

Im kommenden Jahr folgt das Projekt „Streuobstwiesen und Bienen“. Die Mittel für Anlage und Pflege von Streuobst- und Wildblumenwiesen in den Moordörfern, insgesamt 10 500 Euro, stellt der Lebensmittelkonzern Rewe dem Naturschutzbund Schleswig-Holstein zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Spende aus einer Aktion, bei der die Honigbiene im Rahmen der Rewe-Themenwochen zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Mittelpunkt stand. Insgesamt kamen 130 000 Euro zusammen, die nun den Nabu-Aktivitäten in ganz Deutschland zugute kommen.

Gepflanzt werden in den Moordörfern auf zwei bis drei Flächen in Westermoor und Hingstheide alte, für die Region typische Hochstamm-Obstbäume. Ziel ist es, so Steiner, die oftmals unbekannte Sortenvielfalt des Kernobstes für die Bürger erfahrbar zu machen und langfristig zu erhalten. Projekte wie diese seien zudem extrem wichtig für das Überleben von Bienen und gefährdeten Tieren. So werden ergänzend Wildblumenmischungen ausgesät sowie Bienenstöcke und Insektenhotels aufgestellt.

Weltweit geht die Bienenpopulation immer weiter zurück. Ein Grund ist die zunehmende Bedrohung ihres Lebensraums: Ein buntes Angebot an blühenden Wiesen, artenreichem Grünland und vielfältigen Landschaften ist immer seltener geworden. Dazu gehören auch die früher weit verbreiteten Streuobstwiesen. „Nach Schätzungen des Nabu-Bundesfachausschuss Streuobst gingen die deutschen Streuobstbestände um bis zu 80 Prozent von 1,5 Millionen Hektar um 1950 auf rund 300 000 bis 400 000 Hektar im Jahr 2008 zurück“, betont Frank Steiner. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit hat er am Beispiel des von ihm und Mitstreitern betreuten seltenen Steinkauzes in den Moordörfern den Zusammenhang zwischen dem Verlust des von der Art bevorzugten extensiven Dauergrünlandes und dem Rückgang des Kauzes belegt. „Daher stellen gepflegte Streuobstwiesen in unserer zunehmend ausgeräumten Kulturlandschaft auch in Schleswig-Holstein hervorragende Alternativlebensräume und Refugien für häufigere, aber auch viele seltenere Tierarten dar.“

Steiner berät und unterstützt als Vertreter Schleswig-Holsteins im NABU- Bundesfachausschuss Streuobst (NABU-BFA Streuobst) Kommunen, Verbände und Vereine sowie Privatleute hinsichtlich des Erhalts alter beziehungsweise der Anlage neuer Streuobstwiesen in Schleswig-Holstein. In den Moordörfern hat er in der vergangenen Zeit bereits 92 hochstämmige Obstbäume angepflanzt, mit der Förderung sollen es im kommenden Jahr deutlich mehr werden. Wichtig sei dabei auch die gute und harmonische Zusammenarbeit mit den Hofeigentümern, dies nehme einen besonders hohen Stellenwert innerhalb des Projekts ein, so Steiner.

Um die Streuobstwiesen und damit die alten, historischen Apfelsorten zu fördern, sei aber auch ein Umdenken der Verbraucher notwendig, sagt Steiner. Diese müssten – auch in den Einkaufsmärkten – wieder verstärkt die heimischen Sorten nachfragen. Die alten Sorten hätten verschiedene Vorteile, so Steiner: Robust im Anbau, sehr schmackhaft und teilweise auch geeignet für Allergiker.

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