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Norddeutsche Rundschau

17. August 2017 | 08:30 Uhr

Laster donnern durch Kellinghusen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gesperrte Ortsumgehung sorgt für Unmut / Zahlreiche Verkehrsteilnehmer ignorieren Hinweisschilder und nehmen Abkürzung

Nerven behalten müssen derzeit Anlieger der Friedrichstraße. Während der Sperrung der B  206 wird der Verkehr zwar weiträumig umgeleitet. Ortskundige Autolenker benutzen aber weiterhin die Ortsdurchfahrt. „Außerdem zeigen die Navis diesen Weg an“, sagt Hans-Peter Bornholdt. Hinzu komme, dass die Umleitungshinweise mit dem Zusatz „Kellinghusen frei“ gekennzeichnet seien. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr hat die Ortsumgehung Kellinghusen im Zuge der B 206 während der gesamten Sommerferien gesperrt, weil die Straße komplett saniert wird.

Die Kette von Pkw durch die Stadt will auch kurz vor Mittag nicht abreißen. Jeder drückt aufs Gas und drängelt sich durch. Immer wieder donnern große Lkw an den Wohnhäusern vorbei. „Da erzittert das Haus ab um fünf Uhr früh“, sagt Edda-Alexandra Kruse. Anstatt den Sommer gemeinsam mit Ehemann Björn und den Kindern Nils-Alexander (5) und Mads-Bendix (3) zu genießen, steht bei Familie Kruse Stressbewältigung auf dem Programm. Zu den Belästigungen durch Lärm und Erschütterungen kommt die Sorge um den Nachwuchs. Die Eltern können die kleinen Söhne nicht eine Sekunde aus den Augen lassen. Zumal zahlreiche Radler auf den Fußweg ausweichen und laut klingelnd die Vorfahrt für sich reklamieren. „Durch die Brückensanierung sind wir ja Kummer gewohnt“, erklärt Eva Ehlers. Doch die Belastung durch die Sperrung der B 206 übertreffe das damalige Ereignis bei Weitem. „Trotz Umleitung fahren die ganzen Lkw hier durch.“

Reinhold Lange wollte es genau wissen. Er stellte sich an einem Wochentag für eine Stunde an die Friedrichstraße/Ecke Vorbrügger Straße. Von mehr als 40 gezählten Fahrzeugen fuhren fast alle durch die Friedrichstraße in Richtung Wrist. Seine Strichliste zeigt: Die Umleitung Richtung Vorbrügger Straße nutzte ein einziger Wagen. Verstärkt wird die prekäre Lage durch den Anlieferverkehr eines Autohändlers. „Das gibt Riesenschlangen, wenn dort zwei Autolaster stehen und der Bus kommt“, sagt Regina Nürnberg. Gar nicht abzusehen, wie sich die Lage mit dem einsetzenden Ernteverkehr entwickeln werde.

Den Argumenten der aufgebrachten Bürger hat der stellvertretende Bürgermeister Horst Nitz (Keli) wenig entgegen zu setzen. „Das Problem sitzt am Lenkrad“, stellt er fest. Im Rahmen eines nochmaligen Ortstermins mit der Polizei, der Ordnungsbehörde und Vertretern des zuständigen Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, der auf die Beschwerde von Nürnberg zustande kam, sei zwar entschieden worden, die Umleitungsbeschilderung noch deutlicher zu machen. Eine Beschilderung „Anlieger frei“ oder „Anlieger- und Lieferverkehr frei“ wurde jedoch verworfen. „Weil die Friedrichstraße als Kreisstraße für einen verstärkten Verkehr ausgelegt ist“, so Nitz.

Verärgert reagierten die Bewohner auf den Hinweis, dass die Gewerbetreibenden bei einer vorherigen großen Besprechung „Kellinghusen frei“ Schilder gewünscht hätten. Es sei schon auffällig, wie deren Belange berücksichtigt würden, die der Bürger aber nicht, hieß es. „Uns hat niemand vorher informiert oder zu der großen Besprechung eingeladen“, moniert Kruse. Neben der guten Nachricht – die Baumaßnahme liegt im Zeitrahmen – hatte Nitz eine schlechte im Gepäck: Die Fahrbahnerneuerung des östlichen Kreisels auf der B 206 soll in einem Rutsch, ohne den zunächst geplanten „Bypass“ erfolgen. Dies bedeutet, das der Verkehr aus Richtung Wrist und Mühlenbarbek von Freitag bis Sonntag, 14. und 16. August (oder eine Woche danach) komplett über die Feldhusener Straße ins Gewerbegebiet geleitet wird. Kleines Trostpflaster: Nitz will sich für Geschwindigkeitskontrollen in der Friedrichstraße einsetzen.

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von
erstellt am 06.Aug.2015 | 10:06 Uhr

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