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Wirtschaft : Langsamer Weg zum schnellen Internet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Stadtwerke versuchen sich am Markt zu positionieren und sagen: „Es kommen Produkte, die wir noch gar nicht kennen.“

von
erstellt am 25.Jan.2016 | 05:02 Uhr

Alle reden über schnelles Internet dank Glasfaser – aber ist es auch schon da? Nicht ganz. Die Kreisstadt ist von einer flächendeckenden Versorgung noch weit entfernt, und eine Änderung ist nicht in Sicht.

Rund 100 Kilometer Glasfaserkabel haben die Stadtwerke Itzehoe seit 2011 verlegt, etwa 2000 Kunden nutzen die Breitband-Dienste. Und zwar sowohl private wie gewerbliche, denn seit vergangenem Jahr sind alle Gewerbegebiete der Stadt angeschlossen, dazu zehn Gemeinden rund um Itzehoe und Teile des Stadtgebiets. Aber eben nur Teile, denn mindestens 40 Prozent der Itzehoer in einem Anschlussbereich mussten ihre Bereitschaft bekunden, damit die Stadtwerke Itzehoe in Glasfaser investierten. „Geld ist ein knappes Gut“, begründet Geschäftsführer Manfred Tenfelde.

Deshalb ging es in Edendorf nicht voran, in Sude-West dagegen schon. Neubaugebiete würden grundsätzlich angeschlossen, zuletzt der Breitenburg-Park und der Fiete-Noll-Weg an der Alten-Landstraße. In Sude-West und in Wellenkamp werden in diesem Frühjahr zudem erstmals Mehrfamilienhäuser im Gebäude für die TV-Grundversorgung verkabelt: „Damit steigen die Stadtwerke nun auch ins Geschäft mit der Wohnungswirtschaft ein“, so Tenfelde. Breitenburg-Nordoe und Alt-Breitenburg sollen erschlossen werden, in der Stadt werden Leerrohre verlegt, wenn ohnehin an Versorgungsleitungen gearbeitet wird.

Mehr nicht, denn: Nach Meinung der Stadtwerke ist es zu früh. „Wir bieten aus heutiger Sicht eine unendliche Leistung an“, sagt Tenfelde. Das aber benötigten viele Kunden aktuell nicht – noch nicht, wie Elina Hesse, Assistentin der Geschäftsleitung, sagt. Der Trend gehe klar zur immer weiteren Digitalisierung. Immer mehr bewegte Bilder, die herunter- und vor allem hochgeladen werden, „dann wird man unser schnelles Netz brauchen“, so Tenfelde. Und Helge Stein, Bereichsleiter Telekommunikation, ergänzt: „Es kommen Produkte, die wir jetzt noch gar nicht kennen.“ Deshalb spricht der Geschäftsführer nicht von Mitbewerbern, sondern nur von anderen Anbietern.

Das ist zunächst die Telekom. Die baut ihr Glasfasernetz bundesweit mit Milliarden-Aufwand aus, aber nur bis zum Verteiler, nicht bis in die Haushalte. Das für die „letzte Meile“ verwendete Kupferkabel wird mit Vectoring beschleunigt, das Störungen minimiert. Diese Technik hat die Telekom im November 2014 in Itzehoe für 15  000 Haushalte geschaltet, bis zu 100 Megabit pro Sekunde sollen im Download möglich sein. Mit den Folgetechniken Vectoring Plus, Super Vectoring und G.Fast soll die Übertragung noch einmal deutlich schneller werden.

Im Vorteil sieht sich demgegenüber bereits Vodafone. Das Fernsehkabel-Netz sei sehr leistungsfähig, derzeit seien bis zu 200 Megabit pro Sekunde möglich. Seit Herbst, so das Unternehmen, sei der Surf-Standard für rund 40  800 Haushalte in der Region verfügbar. Und künftig werde die Bandbreite noch weit in den Gigabit-Bereich hinein ausgeweitet. Es ist viel Unruhe in der Branche, insbesondere wegen der Vectoring-Pläne der Telekom. Doch bei den Stadtwerken ist man überzeugt, dass die Technologie bald an ihre Grenzen stoßen wird. Zehn Millionen Euro sind laut Tenfelde bereits in Glasfaser investiert worden, aber in diesem Jahr komme nicht viel mehr hinzu. Selbst eine Umfrage zum Interesse möglicher Kunden ist nicht geplant: „Wir wollen nicht Hoffnungen wecken und sie dann enttäuschen.“ Aber möglicherweise stellten die Bürger schon 2017 fest, dass die Bandbreite in ihrem Haushalt nicht mehr ausreiche.

Wenn auch der Breitband-Ausbau in diesem Jahr von den Stadtwerken Itzehoe nicht vorangetrieben wird, ist Internet doch in einem anderen Bereich ein wichtiges Thema: In der Innenstadt sollen eine Reihe weiterer Hotspots eingerichtet werden, die drahtlosen Internetzugang ermöglichen. Seit 2014 gibt es diese kostenlose Möglichkeit am Kundenzentrum der Stadtwerke am Berliner Platz, die Stadtbibliothek kam inzwischen hinzu. Geplant sind jetzt: ZOB, Landgericht, Theater, „Bermuda-Dreieck“, Kirchenstraße/Breite Straße, untere Feldschmiede, La-Couronne-Platz und Malzmüllerwiesen. Mit der Dienstleistung, so Tenfelde, verdienten die Stadtwerke kein Geld, hoffen aber auf eine Kompensation der Kosten durch Werbung.


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