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Mit Therapie zum Erfolg : Langsam wieder zurück ins Leben

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Er war fast komplett gelähmt, die Ärzte hatten ihn aufgegeben – mit Norma Fernandez de Heine gab es wieder Hoffnung. Heute kann Bastian Wehling wieder laufen.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2014 | 04:51 Uhr

Nach einem Unfall war er fast komplett gelähmt und von den Ärzten schon aufgegeben. Durch ihre Arbeit kann Bastian Wehling (29) aus Beidenfleth jetzt wieder gehen – und sein Leben auch im Beruf meistern. Die Körpertherapeutin und Gesundheitsberaterin Norma Fernandez de Heine (59) bietet Therapien für behinderte Menschen an. Nun veranstaltet sie am Sonnabend, 30. August, von 10 bis 18 Uhr in ihrer Praxis im Rehweg 3 in Nortorf einen Tag der offenen Tür.

Vor dem Haus stehen Buddha-Statuen, in ihrer Praxis herrscht eine friedlich-intime Atmosphäre. So fühlte sich Bastian Wehling, von Beruf damals Maschinenbaumechaniker, gleich wohl, als er nach seinem schweren Autounfall im Dezember 2004 zum ersten Mal zu ihr kam. Die Therapeutin selbst erschrak über seinen Zustand: Der junge Mann hatte mit einem Schädel-Hirntrauma vier Wochen lang im künstlichen Koma gelegen, hatte eine schwere Hirnblutung erlitten, die rechte Schädeldecke wurde geöffnet, um Druck vom Hirn zu nehmen.

Danach bekam er eine Reha, machte aber keine Fortschritte. Er war zwar nicht querschnittsgelähmt, aber konnte sich kaum bewegen, nicht gehen, saß im Rollstuhl. „In der Klinik habe ich schlechte Erfahrungen mit der Reha gemacht, und die Kasse wollte nicht mehr zahlen“, erzählt er. Die Krankenkasse riet ihm, in eine Behindertenwerkstatt zu gehen. „Nichts gegen diese Einrichtung, sie macht bestimmt tolle Arbeit“, sagt er, „aber da gehöre ich nicht hin.“ Über Bekannte hörte er von Norma, und zu ihr ist Bastian Wehling mit seinen Eltern dann gefahren.

Die gebürtige Argentinierin arbeitet bereits seit 1995 als Körpertherapeutin und hat zahlreiche Diplome und Zertifikate in den unterschiedlichsten Therapieformen erworben bis zum Mastergrad der Watsu-Clinics 2013. „Ich habe schon von Weitem gesehen, dass er in schlechter Verfassung war“, erzählt sie.
Verschiedene Therapien waren notwendig. Sie arbeitete unter Einbeziehung seiner Ärzte darauf hin, die Medikamente absetzen zu können. „Wir haben zusammen seine Bewegungen trainiert, immer härter gearbeitet“, erzählt sie. „Ich habe bemerkt, dass es zunächst nicht ging, weil er es im Kopf nicht umsetzen konnte.“ Deshalb ist sie mit ihm ins Luv nach Brunsbüttel gegangen, wo sie zwei Jahre lang intensiv in einer Wassertherapie, dem Watsu, gearbeitet haben. Das bedeutet eine Verbindung von Elementen der Massage, der Gelenkmobilisation, dem Shiatsu sowie der Meridian- und Muskeldehnungen.

In dieser sanften Therapie wird der ganze Körper in warmem Wasser behandelt. Dort hat der Patient Techniken für die korrekte Körperhaltung erlernt. „Und ich bin außerdem mit ihm wie mit einem kleinen Kind zu Hause aufs Trampolin gestiegen, um ihm das Gefühl fürs Gleichgewicht zurück zu geben.“

Bastian Wehling hat eine Mischung aus bis zu vier Therapien bekommen, und die Therapeutin wendete zahlreiche psychologische Tricks an, um die psychische Blockade zu lösen. Therapeut und Patient wurden eine Einheit. „Das hat auch mal weh getan, er hat geschrien, aber er ist geblieben“, schildert Norma. „Das Wichtige ist, aktiv teil zu nehmen.“

Sie hat ihn angeleitet, alle Bewegungen neu zu lernen und darauf vorbereitet, sich psychisch vom Rollstuhl zu verabschieden. „Er hat das Gefühl bekommen, wieder ein kleines Kind zu sein, das ist aber nötig.“ Am Ende dieses langen, zwei Jahre dauernden Prozesses stand der Erfolg. „Das Wichtigste waren Liebe und Aufmerksamkeit.“

Der Vater von Bastian Wehling hat dabei einen Film gedreht, dessen Ziel es war, mit diesen dokumentarischen Bildern zu zeigen: „Es klappt.“ Nun kann Bastian Wehling wieder am Rollator laufen. Seine Eltern haben ihn unterstützt, aber bis auf einige Kleinigkeiten das Haus nicht für ihn umgebaut. „Das heißt, ich musste mein Leben selbstständig meistern.“ So hat er sich am Therapie-Ende vom Rollstuhl verabschieden können, was Norma zeigte: „Die Heilung beginnt im Kopf. Noch vor dem Körperlichen kommt das Geistige.“ Der größte Erfolg war der berufliche Wiedereinstieg, den ihm die Therapie ermöglichte. Nachdem er diese 2008 beendet hatte, begann er 2009 eine zweijährige Umschulung mit einem Berufsförderungslehrgang in Hamburg, die 2011 mit dem Handelskammerabschluss „Technischer Produktdesigner“ auf technisch-zeichnerischem Gebiet abgeschlossen wurde. „Im Anschluss habe ich 730 Bewerbungen geschrieben“, erzählt er. „Zu drei Unternehmen wurde ich eingeladen.“

Seit April 2013 hat er einen neuen Job bei einem schwedischen Unternehmen in der Rückbauplanung von Atomkraftwerken in Kiel, wo er nun wohnt und arbeitet. „Im Vergleich zu vorher ist es der Wahnsinn“, sagt er. „Ich merke auch im Beisein von Freunden Fortschritte bei Dingen, die ich vorher nicht konnte. Ich habe nur positive Erfahrungen mit Naturheilverfahren gemacht.“

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