zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 10:37 Uhr

Langes Zittern für den Bürgervorsteher

vom

Heinz Köhnke verliert seinen Wahlkreis in Tegelhörn, schafft aber über die CDU-Liste den Einzug in die Ratsversammlung

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Itzehoe | Was für ein Wahldrama! Das Warten auf die Ergebnisse gestern Abend im Ständesaal: ein Krimi. In der Hauptrolle: Heinz Köhnke, CDU-Ortsvorsitzender und bisheriger Bürgervorsteher. Er muss um seinen Sitz in der Ratsversammlung bangen, schafft nur über die Liste den Einzug - obwohl die CDU stärkste Partei bleibt.

Danach sieht es zu Beginn allerdings nicht aus. Das Gemeindehaus St. Michaelis in Wellenkamp liefert die ersten Ergebnisse - dort liegt SPD-Ortsvorsitzender Sönke Doll mit 43,71 Prozent deutlich vor Hans Patzer von der CDU mit 30,21 Prozent. Enttäuschung steht den Christdemokraten auch ins Gesicht geschrieben, als Thomas Jeppe im Wahlbezirk 5 (AVS) mit drei Stimmen Christian Sieberns überholt. Erst die Auszählung im Regionalen Berufsbildungszentrum bringt die Wende: Heinrich Kracht holt das Mandat für die CDU. "Wir sind wieder da!", jubeln Dirk und Ralph Busch.

Danach geht es Schlag auf Schlag, die Stimmung bei CDU und SPD steigt mit jedem Bezirk. Denn schnell ist klar: Die kleinen Gruppierungen können ihnen nicht gefährlich werden. "Itzehoe wird eine Wende zum Positiven machen", freut sich Ralph Busch nach 14 ausgezählten Bezirken. Zwei fehlen noch - und lassen auf sich warten. "Das dauert bestimmt so lange, weil sie nicht glauben können, dass dir drei Stimmen fehlen", wird noch mit Heinz Köhnke geflachst. Denn niemand zweifelt daran, dass er der Gewinner in seinem Wahlbezirk in Tegelhörn sein wird. Doch um 19.49 Uhr der Schock. Totenstille im Ständesaal, offene Münder, fassungslose Gesichter: Der Wahlbezirk geht mit 31,1 Prozent (253 Stimmen) an Rolf Bratzke von der SPD. Für Heinz Köhnke sind es nur 231 Stimmen oder 28,4 Prozent. Das Ent setzen steht nicht nur dem Bürgervorsteher selbst ins Gesicht geschrieben. Selbst die politischen Gegner schweigen betreten. Hektisch wird gerechnet: Kann er es über die Liste schaffen?

Um 20.15 Uhr schließlich die Erleichterung: "Heinz ist drin, Heinz ist drin!" tönt es durch den Saal. Der letzte Wahlbezirk ist ausgezählt, Köhnke schafft als einziger CDU-Kandidat über die Liste den Sprung in die Ratsversammlung. Die CDUler fallen ihrem Ortsvorsitzenden um den Hals. Doch kurz danach der nächste Schock. Hauptamtsleiter Frank-Dieter Simon gibt bekannt, dass das Ergebnis aus Wahlkreis 4 fehlerhaft übermittelt wurde. Nicht Martin Ott (CDU) hat gewonnen, sondern Hans-Dieter Helms (SPD). Wieder lange Gesichter bei der CDU. Es sei schon schwer zu verdauen, gibt Martin Ott zu und findet es "überraschend, dass so etwas passieren kann". Doch er versucht, das Positive zu sehen: "Wer weiß, wofür es gut ist."

Am Ende erreicht die CDU 32,0 Prozent (zehn Sitze) und liegt hauchdünn vor der SPD mit 31,1 Prozent (neun Sitze) - nur 90 Stimmen trennen sie. Drittstärkste Kraft werden die Grünen mit 11,5 Prozent (drei Sitze). Jeweils zwei Sitze holen FDP, UWI und IBF, während DAF, Linke und Freie Wähler jeweils einen Ratssitz bekommen.

Bei Heinz Köhnke sitzt der Schock tief. "Das war enttäuschend", sagt er. "Zumal ich mich gerade in Tegelhörn eingesetzt habe und Teil des öffentlichen Lebens war." Das Endergebnis versöhnt ein bisschen: "Die CDU ist stärkste Kraft. Wenn es so bleibt, haben wir mit der SPD gemeinsam eine entsprechende Mehrheit, um in dieser Stadt zu gestalten und das, was wir begonnen haben, weiterzuführen."

Der bisherige Fraktionsvorsitzende Ralph Busch erholt sich schneller vom Schock und schafft Fakten: "Es freut mich besonders, dass wir den Bürgervorsteher stellen. Und dieser wird nach wie vor Heinz Köhnke heißen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen