Alte Apotheke Glückstadt : Langer Weg zum Traumhaus

Viele alte Balken fanden, wie hier im Esszimmer, als Lampenträger im Haus eine neue Verwendung.
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Viele alte Balken fanden, wie hier im Esszimmer, als Lampenträger im Haus eine neue Verwendung.

Die Sanierung der alten Apotheke an der Großen Deichstraße wurde für die neuen Eigentümer zur Herausforderung.

shz.de von
24. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ein altes Haus mit viel Platz und vielen Möglichkeiten hatten sie gesucht. Dass daraus schließlich ein Jahresprojekt werden würde, das hatten Birte Koob und Joachim Lodemann allerdings nicht geplant, als sie Anfang 2016 die alte Apotheke in der Großen Deichstraße kauften. „Blauäugig, wie wir waren, planten wir den Einzug bereits im November 2016 und gaben das auch bekannt“, erinnert sich Joachim Lodemann schmunzelnd.

Doch dann kam alles anders. Selbst für den erfahrenen Architekten Stefan Sommer war dieser Umbau etwas Besonderes. Von den umfangreichen Problemen und zahlreichen Umbauten, die in dem Haus aus der Gründerzeit der Stadt Glückstadt nötig wurden, zeugt ein dicker Ordner: viereinhalb Kilogramm Rechnungen aus der Bau- und Sanierungsphase des Hauses. „Im Nachhinein betrachtet wäre es vermutlich günstiger gewesen, ein großes, neues Haus zu bauen“, glaubt Birte Koob.

Doch heute, rund eineinhalb Jahre nach dem Hauskauf, fühlt sich die ganze Familie sehr wohl in ihrem charakter- und geschichtsreichen neuen Zuhause. Für die viele Mühe und auch das viele Geld, das die beiden letztendlich in dieses Zuhause gesteckt haben, wurden sie jetzt ausgezeichnet mit der Plakette des Amtes für Denkmalpflege.

Beate von Malottky von der Kreisdenkmalpflegebehörde und Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege überbrachten den stolzen Hausbesitzern die Plakette, die fortan an ihrem Haus prangen wird.

„Wer wohnt schon in einem Denkmal?“, freut sich Joachim Lodemann. Er hat auch schon große Pläne für die Zukunft. In der großen Diele plant er kleine Konzerte und möchte sich mit der einen oder anderen Veranstaltung auch an der Kulturnacht und im Kulturmärz beteiligen. So könnten auch andere Menschen einen Einblick in das denkmalgeschützte Haus bekommen.

„Wir hoffen hier natürlich auch auf eine Vorbildfunktion, denn in der Innenstadt von Glückstadt stehen noch viele alte Häuser, die es zu sanieren gilt“, erklärte Denkmalpfleger Köster. Bleibt zu hoffen, dass nicht alle Gebäude so aufwendig zu sanieren sind, wie die ehemalige Apotheke.

Alles begann damit, dass die neuen Hauseigentümer das Haus entkernen wollten. Dabei stellte sich heraus, dass alte Kostbarkeiten, wie Wand- und Deckenmalereien, einfach mit Rigips und anderen Materialien verkleidet worden waren. „Besonders abenteuerlich war dann ein Raum im ersten Stock, der einfach komplett in einen alten Raum hinein gebaut worden war“, erinnert sich Joachim Lodemann. Doch auch im Erdgeschoss ging es spannend weiter. Schon bei den ersten Arbeiten stellte sich heraus, dass das ganze Haus akut einsturzgefährdet war. Die Außenmauern waren völlig marode und bröckelten nahezu auseinander, als die Wandverkleidungen abgerissen waren. Jetzt war schnelles Handeln gefragt. Die Wände wurden mit schweren Trägern abgestützt und im unteren Bereich ganz neu aufgebaut. Und auch das Dach, das im Laufe der Jahrhunderte stark abgesackt war, musste auf neue Stützen gelegt werden. Die nächste Herausforderung war dann der Brandschutz, der zunächst kaum mit dem Denkmalschutz zu vereinbaren schien. Die Lösung war eine sehr moderne und zugleich sehr teure Hochdrucksprühnebel-Löschanlage in Kombination mit einer Brandschutzmeldeanlage. „Dort, wo eigentlich unsere Warmwasserbereitung stehen sollte, ist heute ein richtiger Technikraum für diese Anlage“, erklärt Joachim Lodemann.

Doch obwohl der Umbau mittlerweile mehrere hunderttausend Euro teurer geworden ist, als ursprünglich geplant, hat er sich für die Familie gelohnt. Von den 580 Quadratmetern, die im Haus zur Verfügung stehen, bewohnt die Familie inzwischen schon 340 auf drei Etagen in insgesamt elf Zimmern, zwei Fluren und zwei Bädern. Damit ist das Haupthaus komplett ausgebaut. Zwei Nebenhäuser, die praktisch direkt zum Komplex gehören, könnten künftig noch Platz für eine Ferienwohnung oder auch als Stauraum bieten.

„Das hat jedoch erstmal noch Zeit“, erklärt Joachim Lodemann. Denn jetzt wollen er und seine Lebensgefährtin gemeinsam mit den Kindern das neue Zuhause in der alten Apotheke erstmal ausgiebig genießen.

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