zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 16:09 Uhr

Feuerwehr : Langer Weg zum neuen Löschfahrzeug

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dreieinhalb Jahre dauert die Fahrzeugbeschaffung in Sachsenbande-Neuendorf von der Bedarfsmeldung bis zur feierlichen Übergabe.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Die Bevölkerung bekommt meist nur das Ergebnis mit: Die Feuerwehr tritt an, und das neue Löschfahrzeug wird feierlich übergeben. Dass hinter dem mit Abstand oft größten Ausgabeposten im Gemeinde-Etat viel ehrenamtlicher Schweiß steckt, wissen nur die Beteiligten. Am Beispiel der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für die Feuerwehr Neuendorf-Sachsenbande wird aber deutlich, welches Engagement schon im Vorfeld gefordert ist – und wie verantwortungsvoll die Helfer mit öffentlichen Geldern umgehen. Um mehr als 200  000 Euro geht es hier. Nächsten Dienstag will der Gemeinderat darüber entscheiden. Die Planung begann aber schon vor fast zwei Jahren.

Veraltete Feuerwehrtechnik und eine per Luftdruck betriebene Bremse, die nur noch mit Hilfsmitteln in Gang zu setzen ist: Der fast 25 Jahre alte Iveco-Magirus hat seine Schuldigkeit getan. Schon in der Amtszeit von Wehrführer Uwe Karstens war im Frühjahr 2016 dringender Bedarf für ein Nachfolgemodell angemeldet worden. Der Gemeinderat beratschlagte und erteilte der Dorffeuerwehr einen Planungsauftrag. Für die Helfer ging die Arbeit jetzt erst richtig los. „Wir haben einen Arbeitskreis mit zehn Leuten gebildet und uns erst einmal bei Nachbarwehren in Dammfleth, Wacken und St. Margarethen umgeschaut“, berichtet Peter Wyhnanek, seit 28. Februar Nachfolger von Karstens. Gemeinsam mit seinem Team hat er seitdem alle Hände voll zu tun. Es mussten Informationen eingeholt werden, wie so eine Beschaffung überhaupt abläuft, man klapperte Hersteller ab, studierte neueste DIN-Normen – und stellte schnell fest: Der Teufel steckt im Detail. So muss der neue Wagen mit Adblue-Technik ausgerüstet sein, um strenge Abgasnormen zu erfüllen. Folge: Die dafür erforderliche Anlage wiegt 130 Kilogramm, hat die Größe einer Waschmaschine und muss zusätzlich zur neuesten Feuerwehrtechnik untergebracht werden. „Wir haben erst einmal eine Gewichtsbilanz gemacht“, berichtet der Wehrführer weiter, wie das alte Fahrzeug komplett leergeräumt und der Inhalt gewogen wurde. Ergebnis: Statt 7,5 Tonnen wie bisher muss das Nachfolgemodell bis zu 10 Tonnen Gesamtgewicht haben – was auch nicht ohne Folgen bleibt. Für die neue Gewichtsklasse müssen die Fahrer nämlich entsprechende Führerscheine vorweisen. „Das kostet die Gemeinde im Schnitt 2500 Euro“, hat Jens Tiedemann ausgerechnet. Vier bis sechs Kameraden müssen dazu in die Fahrschule.

Ohnehin, so der Bürgermeister, sei der Brandschutz der größte Posten im Gemeindehaushalt. Schließlich komme ja auch noch die Ausrüstung dazu. Zweifel an den Ausgaben hat er aber nicht: „Die Feuerwehrleute machen das alle ehrenamtlich und opfern dafür ihre Freizeit. Da brauchen die auch vernünftiges Werkzeug.“

Größte Sorge von Peter Wyhnanek ist es jetzt, bei der Anschaffung keinen Fehler zu machen – obwohl er als hauptberuflicher Feuerwehrmann auf dem Gelände des Kernkraftwerks Brokdorf sozusagen vom Fach ist. Das fängt bei der Farbgebung an, die exakt dem hier zulässigen Feuerwehrrot (RAL-Nummer 3000) entsprechen muss. Und es hört bei der Größe des Gerätehauses auf. Vorsorglich hat Wyhnanek die Einfahrt (3,10 Meter Höhe) mit dem Zollstock nachgemessen, damit der neue Wagen auch hineinpasst. Vor allem müssen auch örtliche Gegebenheiten berücksichtigt werden. So darf die Löschwasserpumpe auch bei Seewasser nicht schlapp machen, da man es in der Marsch häufig mit Brackwasser zu tun hat. Und auch der Zubehörbedarf muss genau ermittelt werden: Rückfahrkamera, große Fahrzeugkabine, Rund-um-Beleuchtung und Lichtmast stehen auf der Liste.

Stundenlange Telefonate mit Herstellern, Teambesprechungen über die notwendige Ausstattung, die Erstellung eines Leistungskataloges für die Ausschreibung: „Da hat man ordentlich was um die Ohren“, stellt Wyhnanek fest. Gleichzeitig haben die Helfer dabei auch noch im Hinterkopf, dass ihre Heimatgemeinde finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. „Es ist schon erschreckend, mit welchen Summen man da agiert. Schließlich geht es ja nicht ums eigene Geld.“ Bürgermeister Jens Tiedemann weiß das Projekt bei seiner Feuerwehr aber in guten Händen: „Die gehen alle sehr verantwortungsvoll damit um. Die Gemeinde steht ohnehin voll dahinter.“

Dabei wissen weder der Wehrführer noch sein Bürgermeister, wieviel Geld am Ende aus der Gemeindekasse fällig wird. Die Höhe der Zuschüsse bleibt bis zuletzt offen. Auch welches Fahrzeug genau schließlich im Gerätehaus stehen wird, ist noch unklar. Den Zuschlag bekommt der günstigste Anbieter.

Die – natürlich europaweite – Ausschreibung für die Anschaffung soll das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) im Rahmen einer Sammelausschreibung übernehmen. Die Landesgesellschaft lässt sich das natürlich auch mit 4200 Euro bezahlen. „Seit Februar bin ich fast täglich mit dem Thema beschäftigt“, macht Peter Wyhnanek noch einmal den Umfang der Vorarbeiten deutlich.

Und es geht weiter: von Baubesprechungen beim Hersteller über die „Hochzeit“ (Fahrgestell und Aufbau kommen zusammen) bis zur Abnahme in der Steinburger Feuerwehrzentrale (Stempel für die Feuerschutzsteuer) reicht das Einsatzspektrum.

Nach abschließendem Beschluss im Gemeinderat (24. Oktober, 19.30 Uhr im „Dückerstieg“), der Ausschreibung durch die GMSH (rund zehn Wochen) und der Lieferzeit des Herstellers (14 bis 16 Monate) hoffen Bürgermeister und Wehrführer jetzt aber erst einmal, dass Mitte 2019 das ganze Dorf das neue Löschfahrzeug feiern kann. „Und das hoffentlich bei schönem Wetter“, so Peter Wyhnanek. Dreieinhalb Jahre werden dann seit der ersten Bedarfsmeldung vergangen sein. Kleiner Trost: Bei dem bald ausgemusterten alten Fahrzeug hat es auch zwei Jahre gedauert. Damals musste die Gemeinde übrigens nur 150  000 Mark auf den Tisch legen.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen