zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 05:21 Uhr

Schule : Lange Wege für schwierige Schüler

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schulrätin: Projekt „Durchgangsklasse“ kommt nicht nach Brunsbüttel/Standort bleibt Meldorf

Die Schleusenstadt bleibt ohne Durchgangsklasse für Schüler, die seelisch und sozial schulunfähig sind und deshalb an der Regelschule nicht beschult werden können. Bislang gibt es das pädagogische Angebot, das sich zum Beispiel an Schulschwänzer richtet, nur an den Standorten Heide und Meldorf. Für Schüler aus Brunsbüttel und den Umlandgemeinden bedeutet das lange Wege.

Etwa eine Stunde lang fährt der Bus von Brunsbüttel nach Meldorf, in den teilweise schon Drittklässler einsteigen. Denn Probleme der Beschulbarkeit setzen bereits in der Grundschule an.

Eine Durchgangsklasse in Brunsbüttel, die auch den Südbereich Dithmarschens abdecken würde, steht jedoch derzeit nicht zur Diskussion. „Rein von den Ressourcen wäre das nicht möglich“, erklärte Dithmarschens Schulrätin Angelika Sing im Ausschuss für Bildung und Kultur.

Bereits das Einrichten der ersten und zweiten Gruppe an den Standorten Meldorf und Heide sei schwierig gewesen. Denn die Durchgangsklassen würden mit je 20 Stunden von Lehrkräften besetzt, die im Gegenzug an anderer Stelle im Regelschulbetrieb nicht eingesetzt werden können. Der Einsatz von Lehrkräften sei notwendig, betonte Sing: Die Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen und Lehrern mache die Qualität der Durchgangsklassen aus. Dort säßen zum Teil Schüler, denen ein Erwachsener keine Minute den Rücken zu kehren könne, beschrieb sie den dortigen Alltag der Pädagogen und Lehrkräfte.

Etwa ein halbes bis zu einem Jahr können Jugendliche in den Durchgangsklassen auf einen Wiedereinstieg in den Schulalltag vorbereitet werden. Dies geschehe in Absprache mit dem Elternhaus. „Ohne die Eltern geht es nicht“, betonte Sing, auch da die Wege weiter als zur Regelschule seien. Doch nach ihrer Erfahrung nähmen Eltern dies durchaus in Kauf. Es werde jeweils individuell geklärt, ob die Durchgangsklasse für einen Schüler der richtige Ort sein könne. Den Drittklässler, für den die einstündige Busfahrt eine Zumutung sein könnte, hält sie für ein Extrembeispiel.

Stattdessen betonte Sing die positiven Erfahrungen: „Die Mehrzahl der Kinder geht danach wieder normal zur Schule, nicht auf die eigene, meist auf eine benachbarte Schule“, betonte sie. Schüler würden dabei je nach Ausgangsproblem langsam an den Regelunterricht herangeführt. „Es ist nicht so: Zack, jetzt ist ein Jahr rum, jetzt geht es zurück“, stelle die Schulrätin klar. Dies gelte besonders für Schulschwänzer, die schon beim Anblick des Schulgebäudes teilweise in Panik gerieten. In besonders schweren Fällen helfe bisweilen ein Langzeitpraktikum. „Das sind Maßnahmen, die nicht im Schulgesetz festgeschrieben sind“, erklärte Sing ihr Anliegen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um schwer beschulbare Jugendlichen wieder zum Lernen zu bringen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Sozialpädagogen an den Regelschulen werde für den Rückführungsprozess genutzt. Von Schulleiterseite wurde darüber hinaus der Wunsch nach weiterführender Unterstützung durch Schulbegleitungen laut, um einen Rückfall in alte Verhaltensmustern besser begegnen zu können. Einig war man sich darin, dass viel individuelle Arbeit am Kind nötig sei.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Nov.2014 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen