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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 07:22 Uhr

Kultur : Lange Tango-Nächte in Argentinien

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für die Tanzleidenschaft reisten Marion von Oppeln und Wienke Lenhardt nach Südamerika und stürzten sich zwei Wochen lang ins Abenteuer.

Itzehoe | Zwei Freundinnen fahren zusammen in den Urlaub. Das kommt vor. Diese beiden Frauen aber wollten Tango pur in Argentinien. Zwei Wochen lang waren Marion von Oppeln (44) aus Itzehoe und Wienke Lenhardt (50) aus Diekhusen-Fahrstedt unterwegs.

Und es war eher Trainingslager und Bildungsurlaub als Erholung. Drei Stunden Tango-Workshop, hin und zurück jeweils eine Stunde im Bus, Sightseeing zwischen „atemberaubender Architektur“ und Tango-Geschichte, am Abend fein machen für die Milonga, den Tanzabend bis in den frühen Morgen. Ein straffes Programm – einmal schaffte es Wienke Lenhardt nicht, sie schlief ausgehfertig ein. Die Metropole und ihre Menschen beeindruckten die Gäste: lebendig, kommunikativ, hilfsbereit, für den Moment lebend und jeden Abend unterwegs. „Die wichtigste Frage ist: Wann schlafen die Argentinier?“, sagt Marion von Oppeln lachend. Vor allem aber seien sie sehr kultiviert und sehr respektvoll. Genau das sei die Grundlage der Tango-Welt.

„Es fing an, als ich 16 war“, sagt die Itzehoerin. Sie hörte die Musik von Astor Piazzolla, argentinischer Bandoneon-Spieler und Komponist. Als Studentin wollte sie Bandoneon lernen, fand aber nur einen Akkordeon-Lehrer. Lange habe sie die Sehnsucht zum Tanzen gehabt – aber der passende Partner fehlte. Bis sie im Kulturhof auf die Milonga stieß, die Dobri und Nina Gjurkov an jedem ersten Dienstag im Monat um 20 Uhr anbieten. Von da an nahm sie Privatunterricht bei dem Tänzer.

Vor anderthalb Jahren lernten sich die Frauen bei einem Geburtstag kennen und verstanden sich sofort. Marion von Oppeln schwärmte vom Tango, Wienke Lenhardt ging mit. „Ich bin von der ersten Sekunde an infiziert gewesen“, sagt die Dithmarscherin. „Es wurde eine Sehnsucht bedient, die ich schon immer hatte.“ Sich musikalisch auszudrücken und dabei dem Körper viel abzuverlangen – durch Ballettelemente, Yoga, Muskelkraft, höchste Konzentration –, das sei etwas ganz Besonderes.

Ihr zweiter Lehrer brachte sie nach Südamerika: Miles Tangos, Amerikaner mit selbst gewähltem, passendem Namen, der einen Intensiv-Workshop in Buenos Aires anbot. Die Frauen buchten – „obwohl das irgendwie total wahnsinnig war“, sagt Marion von Oppeln. Einiges war zu organisieren: Die Itzehoerin ist selbstständige Grafik-Designerin und Illustratorin, allein erziehend mit zwei Söhnen (15 und 16). Wienke Lenhardt betreibt das Deich-Restaurant „Zur Spitze“ in Friedrichskoog, ist ebenfalls allein mit ihrem zwölfjährigen Sohn. „Die Reise ist für uns etwas ganz Großes gewesen“, sagt die 50-Jährige.

Kein Schmuck, wenig Bargeld: Zunächst bekamen sie von ihrem Lehrer Hinweise zum Leben in der Hauptstadt. Die Höflichkeit und der Respekt voreinander beeindruckten die Deutschen, im Alltag und bei der Milonga. Diese folgt klaren Regeln, vom Auffordern – der Mann holt die Dame ab – bis zur Tanzrichtung. Es ist heiß, der Schweiß fließt, die Oberkörper sind verbunden, die Unterkörper nicht. „Tango ist keine Erotik!“, betont Wienke Lenhardt. Natürlich knüpften die Urlauberinnen Kontakte: „Wir haben einige getroffen, die wegen des Tango dort hängen geblieben sind.“ Bei einer Schwedin kauften sie Tanzschuhe.

Kurz seien die zwei Wochen gewesen, aber die Dithmarscherin legt sich fest: „Nächstes Jahr fahren wir wieder hin.“ Wirkliche Freundschaft habe sie erlebt und einen neuen, entspannten Blick auf das eigene Leben gewonnen. Jetzt wird in Hamburg getanzt und im Kulturhof. Jeder sei willkommen in „unserer kleinen Itzehoer Tango-Gemeinde“, auch Anfänger. Sie erleben ein Stück argentinisches Flair, wie Marion von Oppeln sagt: „Die Milongas hier haben ganz viel von dieser Seele.“>

Über ihre Tango-Erfahrungen schreibt Marion von Oppeln unter www.icantango.blogspot.de.
 

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erstellt am 18.Feb.2015 | 05:00 Uhr

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