LandZukunft begeistert für Bildung

Auf dem Podium berichteten (v.li.) Merle Winter, Matthias Schimmel, Hanno Hotsch, Jan Wiebe und Melanie B. Queitsch wie das Modellprojekt LandZukunft in der Praxis aussieht.
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Auf dem Podium berichteten (v.li.) Merle Winter, Matthias Schimmel, Hanno Hotsch, Jan Wiebe und Melanie B. Queitsch wie das Modellprojekt LandZukunft in der Praxis aussieht.

Modellprojekt in Dithmarschen gestartet / 1,8 Millionen Euro Förderung / Thüringer Gäste berichten von vergleichbaren Erfahrungen mit nelecom

shz.de von
21. März 2013, 03:59 Uhr

Meldorf | Begeisterung ist das Stichwort, wenn es um das Modellprojekt LandZukunft geht. Und Begeisterung war es auch, die von der ersten Minute der fast dreistündigen Auftaktveranstaltung im Meldorfer Aldra-Marktplatz spürbar war - in den Vorträgen und moderierten Dialogen, aber auch im Zwiegespräch abseits des Hauptprogramms. Hanno Hotsch führte locker und mit überzeugender Kompetenz durch den Abend. Kein Wunder, gehört der Leiter des NDR-Studios Heide doch von Beginn an zum Projekt-Beirat. Gemeinsam hatte man die Bewerbung für Dithmarschen auf den Weg gebracht - und war als einer von vier Kreisen bundesweit ausgewählt worden. 1,8 Millionen Euro Bundesmittel fließen in die Region, ohne eine Kofinanzierung aus eigenen Mitteln, wie Landrat Dr. Jörn Klimant unterstrich. Die Voraussetzungen, die Dithmarschen dafür mitbringen musste, sind allerdings durchweg negativ: "Ein vergleichsweise schlechtes Bildungsniveau und relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit sind zwei Faktoren, die gezeigt haben, dass Handlungsbedarf besteht", erklärte Klimant. Zudem werde ein Einwohnerrückgang bis 2025 um 7,1 Prozent prognostiziert. Aber: "Egal wie andere uns sehen, wir sind selbstbewusst genug." Das hatte auch die Bewerbung gezeigt, bei der man voll auf die Bildung gesetzt und gewonnen hatte.

LandZukunft schaffe auf eine besondere Weise die Verknüpfung von Wirtschaft, Verwaltung und Region. Unter dem Dach des Modellprojekts stünden die Säulen Talenteküste, Innovationsküste und Küstenleben. Trotz aller Euphorie, die zurzeit herrsche und die er selbst auch teile, warnte der Landrat: "Die Nagelprobe steht uns bevor, wenn wir die Projekte mit weniger Fördermitteln in die Zukunft führen müssen. Ich bin gespannt, wie viel von dieser Euphorie dann noch bleibt."

Eine Möglichkeit präsentierten Dr. Bodo Krug und Christiane Kretschmer aus Thüringen. Der Landeskoordinator aus dem Bildungsministerium und die Leiterin stellten das Programm Neue Lernkultur in Kommunen, kurz nelecom, vor. Seit 2008 werde damit das Thüringer Bildungsmodell umgesetzt, das inzwischen flächendeckend realisiert wird. Dort gebe es nicht das "große Geld, sondern vielmehr kompetente, begleitende Unterstützung", berichtete Krug. Und Lob gab es auch für die Dithmarscher: "Was wir bei Ihnen miterleben, ist der richtige Ansatz, und der ist alternativlos", erklärte der Landeskoordinator aus Thüringen. Es sei eine spannende Entwicklung, die bevorstehe, und in Thüringen hätten sich inzwischen sämtliche Bedenken überholt.

In Dithmarschen sind die ersten Schritte bereits gemacht. Unter dem Begriff der Talenteküste gebe es schon den Talentekompass in Brunsbüttel. Sabrina Nothelfer, die seit kurzem in der Schleusenstadt dieses Projekt betreut, erzählte von ersten, positiven Erfahrungen mit dem Bibliotheks-Führerschein. Frank Schnabel von Brunsbüttel Ports schilderte seine Eindrücke von begeisterten Jugendlichen, die anschaulich und zum Anfassen die Welt der Logistik erleben durften. Matthias Schimmel von Meldorfer Flachverblender beschrieb seine Erfahrungen mit einer Kooperation mit der Gemeinschaftsschule. Als Beweis für die Begeisterung der Schüler, die die praktischen Abläufe des Unternehmens kennen lernen und auch selbst Hand anlegen dürfen, hatte er Merle Winter und Jan Wiebe mitgebracht. Auf die Frage von Moderator Hanno Hotsch, ob sie lieber Französischunterricht oder praktische Arbeit im Flachverblender-Betrieb machen würden, entschieden sich beide spontan für die Praxis. Doch auch die Unternehmen könnten nur profitieren: "Wir lernen die nächste Generation kennen, lernen wie sie tickt und können so einige für uns begeistern." Das sei aktive Arbeit, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und auch ein Effekt, der mit LandZukunft gefördert werden soll. Das sieht auch Dirk Sopha, Chef der Abfallwirtschaft Dithmarschen, so, der vom außerschulischen Lernort Aladin berichtete. "Das reine Sehen reicht heute nicht mehr. Die Schüler wollen begreifen, um zu verstehen." Das werde bei der KBA in Bargenstedt erfolgreich umgesetzt.

Melanie B. Queitsch, Projektkoordinatorin Sozialraumorientiertes Übergangsmanagement, rief dazu auf, alle Angebote im Praxispool zu bündeln. Auch beendete Projekte würden dort als Anregung für Nachahmer beschrieben. Und Christiane Kretschmer appellierte an die Dithmarscher: "Sie haben eine große Schatzkiste, die sie mit Leben füllen können." Dass sich die regionalen Unternehmen beteiligten, sei ein großer Gewinn. Wenn sich alle gemeinsam engagieren, könne man viele Menschen begeistern.

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