Landwirt, Mühlenwart und jetzt Schiedsmann

Neuer Schiedsmann für den Bezirk Wewelsfleth: Wolfgang Möller.
Neuer Schiedsmann für den Bezirk Wewelsfleth: Wolfgang Möller.

Pensionierter Bahnbeamter erfüllt sich Lebenstraum und engagiert sich für seine Gemeinde

shz.de von
29. Juli 2015, 16:39 Uhr

Der 65-Jährige strahlt eine bemerkenswerte Ruhe aus. Und er kann zuhören. Allein diese beiden Eigenschaften prädestinieren Wolfgang Möller schon für sein neuestes Ehrenamt. Er ist Schiedsmann für den Bezirk Wewelsfleth und damit als Streitschlichter auch für die Menschen in Beidenfleth, Dammfleth. Landrecht und Stördorf im Einsatz. Seine Wahl im Amtsausschuss war einstimmig. Kein Wunder. Möller bringt nicht nur alle Voraussetzungen mit, er scheint auch einer aussterbenden Spezies anzugehören. Tatsächlich wird es immer schwieriger, Menschen für dieses Ehrenamt zu gewinnen. Aktuell werden Freiwillige für den Stadtbereich Wilster und für den Bezirk St. Margarethen gesucht. In einigen Fällen laufen immerhin Bewerbungsverfahren. Auch die Stellvertreter-Position für Wolfgang Möller ist aber noch vakant.

Dass Wolfgang Möller nun für die nächsten fünf Jahre Schiedsmann ist, scheint auch ein bisschen durch den privaten und den beruflichen Lebenswegs vorbestimmt. Der Vater war Richter, er selbst bis zu seiner Pensionierung Oberamtsrat bei der Bahn und zeitweise Personalchef von 5000 Mitarbeitern. „Da musste ich häufig auch Interessen ausgleichen.“

Dennoch habe er lange überlegen müssen, ob er auch diese Aufgabe noch übernimmt. „Ich hatte ja schon einen gewissen Auslastungsgrad“, schmunzelt er und listet auf: Feuerwehr, Gemeindevertretung, Seniorenbeauftragter. Und Mühlenwart ist er auch noch. Was am Ende den Ausschlag gab: „Ich bin in der Gemeinde mit offenen Armen aufgenommen worden.“ Da will er über ehrenamtliches Engagement etwas zurückgeben. Ohnehin geht er davon aus, dass sich der Arbeitsaufwand als Schiedsmann in überschaubaren Grenzen hält. Außerdem bekomme er vom Amt Wilstermarsch und auch von dem für ihn zuständigen Amtsgericht Itzehoe sehr gute Unterstützung.

Die möglichen Fälle will Wolfgang Möller möglichst gelassen angehen. „Erst mal sehen, wie verhärtet die Fronten sind. In vielen Fällen gibt es ja einen vernünftigen Kompromiss, mit dem alle Beteiligten auf Dauer leben können.“ In jedem Fall erspart ein Erfolg seiner Arbeit eventuellen Streithähnen die juristische und vielleicht auch teure Auseinandersetzung vor Gericht. Seine Devise: „Es geht niemals gegen, sondern nur mit den Menschen.“

Wenn Wolfgang Möller mal keinen Streit schlichtet, sich nicht gerade um die Geschicke der Gemeinde mit kümmert oder Besuchern die historische Bockmühle erklärt, trifft man ihn im Stall. Mit dem Ruhestand erfüllte er sich einen Lebenstraum und wurde Landwirt. Schon als Bahnbeamter in Hamburg ließ er nebenbei Schafe laufen. „So bin ich fachlich immer fit geblieben“, sagt Möller, der vor seine Bahnkarriere Agrarwirtschaft studiert hatte und immerhin bis zum Vordiplom kam. Heute bewirtschaftet er gut 30 Hektar Land, hält weißköpfige Fleischschafe und Angler Sattelschweine. Hier schlägt dann die andere familiäre Seite durch: Sein Großvater war Landwirt.

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