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Hilfsorganisation : Landfrauen unterstützen Sea-Watch

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Thorsten Kliefoth berichtet über seine Einsätze bei der Hilfsorganisation für Bootsflüchtlinge im Mittelmeer

Der Landfrauenverein Wilstermarsch veranstaltete ein nachösterliches Frühstück im Landgasthaus „Zum Dückerstieg“ und befasste sich neben dem kulinarischen Buffet mit der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Dazu referierte Thorsten Kliefoth über seine Einsätze bei der Organisation Sea-Watch. Kliefoth wohnt mit seiner Familie in Heiligenstedten und hat vor Jahren seinen Zivildienst beim Rettungsdienst absolviert. Als sich 2015 die Privatinitiative Sea-Watch gründete, um im Mittelmeer Flüchtlingen zu helfen, wurde er Mitglied und war im selben Jahr vor der griechischen Insel Lesbos erstmalig im Einsatz, kurze Zeit später noch einmal im selben Gebiet.

„Ich bin durch eine Bekannte auf Facebook darauf aufmerksam geworden“, erzählte Thorsten Kliefoth. Vor dem Fernseher zu sitzen und schreckliche Bilder zu sehen, ohne etwas tun zu können, reichte ihm nicht mehr, er wollte selber helfen. „Man muss den Flüchtlingen gegenüber positiv eingestellt sein und die Bereitschaft haben, sich darauf einzulassen.“ Er schloss sich der zivilen Seenotrettung an, die damals mit einem umgebauten Fischkutter, der nach der Organisation benannten „Sea-Watch“, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer fischte. Im vorigen Jahr konnte dank Spenden ein gebrauchtes, Schiff in Dienst gestellt werden. Die Crew auf dem Rettungsschiff bestand mit ihm aus 16 Mitgliedern, die neun Nationalitäten angehörten. „Alles Fachkräfte und Spezialisten auf ihrem Gebiet. Im medizinischen Team war immer mindestens eine Frau“, berichtete Kliefoth.

Die Flüchtlinge zahlen für ihre Flucht, die unterschiedliche Gründe hat, zirka 1500 bis 2500 Euro pro Person an organisierte Schlepper. „Die werden immer skrupelloser und zwingen ihre ‚Kunden‘ mit der Pistole auf die Boote.“ Beispiel: Kliefoth rettete vor Lesbos eine Familie, die aufgrund der Wetterlage nicht auf See wollte, aber mit Waffengewalt auf das Boot verfrachtet wurde. „Dabei kriegen die Flüchtlinge oft untaugliche Rettungswesten, die sich im Wasser schnell vollsaugen und dem Träger keine Chance lassen“, sagte der 51-Jährige. Er hat viele Geschichten erlebt, die kaum zu glauben sind.

Über die Seenotrettungsleitstelle Rom (MRCC) werden die Einsätze der Retter organisiert. Die Flüchtlingsboote werden per Radar aufgespürt, aufgrund ihrer geringen Größe aber oft für Wellenkämme gehalten. „Der Ausguck mit Ferngläsern ist da lebenswichtig.“ Ebenso eine gut geplante Anlandung. Auf Lesbos war das nicht immer gegeben, da die Küste felsig ist und mit Rettungswagen kaum zugänglich. Eine Rettung auf dem Wasser ist bei schlechtem Wetter oft auch unmöglich. Auf der „Sea-Watch 2“ können nicht nur viele Menschen Unterschlupf finden, sondern auch eine medizinische Erstversorgung ist hier möglich.

Die Besatzung des Rettungsschiffes sichert mit großen, seegängigen Schlauchbooten die Flüchtlingsschiffe, verteilt Schwimmwesten und überprüft den Gesundheitszustand der Passagiere. Währenddessen wird ein Schiff gesucht, dass die Flüchtlinge aufnehmen und nach Europa transportieren kann. „Die Handelsflotte muss bei einem SOS-Notruf reagieren und Menschen aufnehmen“, erläuterte Thorsten Kliefoth das Procedere.

Für seine Sea-Watch-Einsätze investiert er seine Überstunden, seine Familie steht ihm hilfreich zur Seite. Seine Frau Gabi ist Notfallseelsorgerin und traumazentrierte Fachberaterin im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Sie weiß wie ihr Mann, dass die Hilfsorganisationen untereinander vernetzt und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. „Einige der Aktivisten haben ihr Leben umgestellt und pendeln zwischen den Organisationen von einem Einsatz zum nächsten“, so Thorsten Kliefoth. Er ist erst am Ostermontag von Malta nach Hause gekommen und hat seine reguläre Arbeit wieder aufgenommen. „Nach einem Einsatz muss man erst wieder nach Hause und in den normalen Alltag finden, bevor man wieder los kann – alles andere ist ungesund“, sagte Kliefoth.

Der Landfrauenverein Wilstermarsch sammelte nach dem Vortrag 360 Euro zur Unterstützung von Sea-Watch. „Das reicht wieder für ein paar Liter Diesel“, freute sich Thorsten Kliefoth.


>Wer die Organisation unterstützen möchte: www.sea-watch.org.





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