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Flüchtlinge : Landesunterkunft schließt ihre Tore

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Letzte Flüchtlinge verlassen die ehemalige Liliencronkaserne in Kellinghusen Ende der Woche / Einrichtung wird als Leerstandsbetrieb weitergeführt

von
erstellt am 28.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Tränen flossen bei Ahmad Abdulah Al-Awadi. Der frisch verliebte junge Mann aus dem Jemen musste sich von seiner Freundin verabschiedet. Sie wird jetzt in einer Einrichtung in Heide leben, er soll in Glückstadt untergebracht werden. Nun hofft der 28-Jährige auf ein glückliches Ende an einem gemeinsamen Standort.

Abschied nehmen hieß es gestern für Asylbewerber in der Kellinghusener Landesunterkunft. „Die Einrichtung wird vorerst nicht weiter belegt“, sagte auf Anfrage Patrick Tiede, Pressesprecher des Innenministeriums. Grund der Entscheidung: Es gibt zu wenig Flüchtlinge, um die bereitstehenden Unterkünfte zu belegen. Bis Ende der Woche sollen die letzten der 147 Flüchtlinge, die zuletzt noch in der ehemaligen Liliencronkaserne in Kellinghusen wohnten, die Gebäude verlassen haben. Sie werden auf die Kreise und Kommunen verteilt, unter anderem nach Itzehoe und Glückstadt. Innenminister Stefan Studt dankte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für ihr Engagement in den vergangenen Monaten: „Sie haben herausragende Arbeit in einer gut funktionierenden Einrichtung geleistet.“

Aufgelöst wird die Landesunterkunft jedoch nicht. „Sie wird vom Leerstandsbetrieb weitergeführt“, betonte Tiede. Das heißt, dass der Wachdienst weiterhin kontrollieren wird. Und: Einige wenige Mitarbeiter des DRK bleiben zunächst vor Ort. Zu weiteren Personalfragen würden aus Gründen des Personen- und Datenschutzes keine Angaben gemacht, so Tiede. Und auch die Frage, ob DRK-Personal aus Kellinghusen nach Glückstadt in die dortige Unterkunft versetzt werden, beantwortet er aus den gleichen Gründen nicht. Matthias Deerberg, Geschäftsführer des zuständigen DRK-Kreisverbandes Bad Segeberg, sagte nur so viel: „Wir haben noch genug zu tun in Kellinghusen.“ Die Zeit des Leerstandes solle genutzt werden, um sich darauf vorzubereiten, wenn wieder Asylbewerber kommen.

Zur Frage, ob die Entscheidung, das Camp leer zu räumen, plötzlich kam oder dieser Schritt seit längerem geplant war, erklärte Patrick Tiede: „Die Entscheidung erfolgte vor dem Hintergrund der niedrigen Zuzugszahlen und einem Vergleich von Leerstand- und Normalbetrieb unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.“ So rollte gestern gegen 10 Uhr einer der letzten Busse mit Flüchtlingen durch das Tor der Landesunterkunft. Winkend verabschiedeten sich die Gäste aus der Landesunterkunft von den Wachleuten am Eingang zum ehemaligen Kasernengelände.

Mit den 147 Flüchtlingen war Kellinghusen zum Schluss zu 27 Prozent ausgelastet, nach Angaben des Landes fasst die Einrichtung 550 Asylbewerber. Zu Spitzenzeiten im vergangenen Jahr wurden dort aber auch schon weit über 1000 ausländische Gäste untergebracht. Die ersten 150 Flüchtlinge, vor allem aus Syrien und Afghanistan, trafen Mitte September 2015 in Kellinghusen ein. Die Kaserne wurde damals aufgrund der großen Anzahl von geflüchteten Frauen und Männern innerhalb weniger Tage für die Aufnahme vorbereitet.

Die vorübergehende Schließung ist vor allem auf die Schließung der Balkanroute zurückzuführen. Seitdem kommen deutlich weniger Asylbewerber nach Deutschland und Schleswig-Holstein. Laut Ministerium sind die Landesunterkünfte derzeit nur zu 21 Prozent belegt. 12  135 Plätze gibt es landesweit, untergebracht sind 2509 Flüchtlinge (Stand 25. April). Während im Januar noch 2170 Flüchtlinge kamen, wurden es danach immer weniger: Im Februar 2069, im März 662 und im April bisher 459.

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