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Norddeutsche Rundschau

19. November 2017 | 11:32 Uhr

Glückstadt : Landesunterkunft droht das Aus

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Die Flüchtlingszahlen sinken: Das Ministerium stellt alle vier Einrichtungen auf dem Prüfstand. Glückstadt soll geschlossen werden.

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Die Landesunterkunft für Flüchtlinge in Glückstadt wird geschlossen. Nach Informationen unserer Zeitung soll diese Nachricht im November offiziell verkündet werden, wenn das Kieler Kabinett über den Abbau von Kapazitäten in den Aufnahmeeinrichtungen berät.

Das Innenministerium wiegelt derzeit noch ab, sagt auf Anfrage: „Das Ministerium prüft fortlaufend, welche Kapazitäten für die Erstaufnahme von Flüchtlingen in Schleswig-Holstein vorzuhalten sind“, erklärt Sprecher Tim Radtke. Derzeit gibt es vier Einrichtungen des Landes in Neumünster, Glückstadt, Boostedt und Rendsburg. Dabei weisen die aktuellen Zahlen des Innenministeriums für die Glückstädter Einrichtung gerade einmal eine Auslastungsquote von 16 Prozent aus, gemessen an der angepeilten Maximalbelegung von 1800 Plätzen.

„Mögliche Änderungen des derzeit geltenden Standortkonzepts wird das Ministerium rechtzeitig bekannt geben. Geplant ist, dass sich das Kabinett im November dieses Jahres mit der Frage beschäftigen und eine Entscheidung treffen wird“, so Radtke. Grund für die Prüfungen sind die geringen Flüchtlingszahlen. Der rapide Rückgang lässt sich an den Septemberzahlen der vergangenen drei Jahre festmachen. 2015 kamen mehr als 5100 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein, 2016 waren es in diesem Monat noch 649 und für das laufende Jahr wurden dem Land gerade einmal 450 Flüchtlinge zugewiesen.

Das ehemalige Kasernengelände in Glückstadt wurde ab 2015 zunächst als Landesunterkunft eingerichtet. Seit Juli 2016 ist es eine Erstaufnahmeeinrichtung. Ausgebaut wurde seither für eine Aufnahme von 1800 Asylbewerbern. Im Durchschnitt sind dort seitdem 250 Asylbewerber im Monat untergebracht. Gestern waren es etwas mehr als 300, wobei zurzeit täglich 18 so genannte Kontingentflüchtlinge aus Griechenland und Italien kommen. Sie werden über Bayern in die Bundesländer verteilt. In allen vier Landesunterkünften sind nach dem Stand gestern 1399 Asylsuchende untergebracht – seit Januar wurden insgesamt 3832 Flüchtlinge aufgenommen.

Rund 150 hauptamtliche Beschäftigte gibt es in der Landesunterkunft, wobei die Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mitgezählt sind. Es sind unter anderem Mitarbeiter des Landes und des Bundes sowie des DRK, der Polizei, der Sicherheitsfirmen sowie Cateringdienste und Ärzte.

Christiane Strecker, Leiterin der Landesunterkunft, weiß, was auf dem Spiel steht. „Ich informiere regelmäßig in den Lagebesprechungen. Ich mache alles transparent. Wir tauschen uns aus.“ Allerdings weiß sie nur, dass die Landesunterkunft auf dem Prüfstand steht, hat darüber hinaus keine weiteren Informationen. Sie würde gerne in Glückstadt weiter arbeiten. „Wir machen eine tolle Arbeit. Wir arbeiten alle gut zusammen.“ Allerdings sei die Tätigkeit auf zwei Hausblöcke beschränkt worden. Wenn mehr Flüchtlinge kommen, müssen diese in andere Unterkünfte verlegt werden.

Eigentümer der Liegenschaft ist Jens Lange. Er weiß, dass geprüft wird, kann sich aber persönlich nicht vorstellen, dass die Landesunterkunft aufgegeben wird. „Ich habe nicht gehört, dass die Landesunterkunft geschlossen werden soll.“ Der Mietvertrag läuft über zehn Jahre mit einer Option auf weitere fünf Jahre. Der Unternehmer baute in Absprache mit dem Land die Häuser aus und legte das Gelände an. Rund 20 Millionen Euro hat er bereits investiert. „Es ist vorbildlich ausgebaut.“ Gerade hat er die Kantine soweit fertiggestellt, dass sie eigentlich ausgestattet werden könnte. Ein Stop gab es auch für die vorgeschriebenen Quarantäneplätze, die eigentlich im ehemaligen Haus Berlin entstehen sollten. Hier sei er gebeten worden zu warten.

Lange bekommt zwar für zehn Jahre eine feste Miete. Trotzdem würde er es bedauern, wenn die Häuser leer stehen. „Es ist besser, wenn Leben drin ist. Und die Unterhaltungskosten laufen ja weiter.“

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