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Landesunterkunft : Landespolizei verspricht mehr Personal

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Erste Flüchtlinge kommen vermutlich bereits Anfang kommender Woche in die Kaserne / Einwohnerversammlung in Kürze geplant

von
erstellt am 16.Sep.2015 | 12:00 Uhr

„Schneller als geplant“ werde die ehemalige Marinekaserne zur Erstaufnahmeeinrichtung für mindestens 1200 Menschen, teilte Joachim Gutt mit. Vermutlich werden schon in einer Woche die ersten Flüchtlinge dort angekommen. „Die Not ist groß.“ Gutt weiß, wovon er spricht. Als stellvertretender Chef der Landespolizei laufen bei ihm die Fäden zusammen. Denn die Verteilung und Unterbringung der Menschen, die in diesen Tagen Schleswig-Holstein erreichen, ist im Moment vor allem Aufgabe der Polizei.

Kurzfristig hatten Politik und Verwaltung beschlossen, die ohnehin anstehende Sitzung des Hauptausschusses der Stadtverwaltung am Montagabend als improvisierte Informationsveranstaltung über die geplante Schaffung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu nutzen. Vertreter von Land und Kreis nahmen die Einladung an. Das Interesse war groß. Im vollen Ratssaal berichtete Gutt über die aktuelle Lage.

„Die Situation überschlägt sich“, erklärte Gutt den Glückstädtern die Gründe für die sehr kurzfristige Entscheidung, die ehemalige Marinekaserne als Erstaufnahme zu nutzen. 15  000 Menschen müssten in der nächsten Zeit untergebracht werden. Das bringe „herausragende Erfordernisse“ mit sich, sei aber „beherrschbar“. Die Glückstädter Kaserne sei bereits seit Wochen im Führungsstab im Gespräch gewesen. „Jetzt war der Bedarf sehr groß und deshalb sind wir auf das Angebot des Eigentümers zurückgekommen.“ Er sei froh, dass Stadt- und Kreisverwaltung das Vorhaben unterstützen. „Ich habe noch nie so gute Gespräche geführt wie in den vergangenen Tagen mit Ihrem Bürgermeister und Ihrem Landrat“, sagte Gutt den anwesenden Bürgern.

Aktuell werde die ehemalige Kaserne nun „ertüchtigt“ und dann vermutlich noch früher bezogen als noch Ende vergangener Woche angedacht. „Mein Ziel ist, dass die ersten Menschen bereits Anfang kommender Woche einziehen können“, so Gutt. „Jedes Dach über dem Kopf, das wir bieten können, macht uns froh. Wir wollen nicht, dass Menschen unter Brücken schlafen müssen.“

Der leitende Polizeidirektor stellte auch klar, dass er Verständnis dafür habe, dass es „diffuse Ängste“ in der Bevölkerung gäbe. Diesen werde die Polizei mit Information und Präsenz begegnen. Auf „Wohlwollen und Unterstützung“ durch die Bevölkerung sei man sehr dringend angewiesen. „Wir müssen sowohl die Menschen in den Einrichtungen schützen, als auch für die Sicherheit der übrigen Bevölkerung sorgen.“ Dies sei „ein Kraftakt“ für die Landespolizei, den sie aber bewältigen werde, indem sie andere Aufgaben reduziere, so lange dies nötig sei, versicherte Gutt.

Über die konkrete Umsetzung informierte Norbert Trabs, Chef der Polizeidirektion Itzehoe. Er sicherte zu, dass „rund um die Uhr sieben Tage in der Woche“ Polizisten in Glückstadt vor Ort sein werden. Die Erstaufnahme wird eine eigene Polizeiwache mit fünf Beamten bekommen. Das reguläre Personal der Glückstädter Wache werde verstärkt. „Die Dienststelle ist besetzt für jeden, der ein Anliegen hat“, sagte Trabs.

Einblicke in den Alltag in einer Erstaufnahme gab Polizistin Stefanie Raeschke. Sie leitet die Dienststelle der Polizei in der Einrichtung des Landes in Albersdorf in Dithmarschen. Raeschke sagte, sie und ihre Kollegen hätten bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. „Genau genommen haben wir als Polizei in Albersdorf nichts zu tun. In fünf Wochen haben wir zwei kleinere Körperverletzungen und eine Beleidigung im Zusammenhang mit der Einrichtung aufgenommen.“ Sie habe noch nie so freundliche und dankbare Menschen erlebt, wie die Bewohner der Einrichtung. „Die wollen keinen Stress. Die wollen nur zur Ruhe kommen.“ Wichtig sei, dass der Kontakt sowohl zu den Menschen in der Einrichtung als auch zum Umfeld funktioniere. „Wir sind in Albersdorf fest in die Gruppe integriert und haben außerdem ein gutes Netzwerk nach außen.“ So ließen sich viele Probleme lösen und die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern laufe reibungslos.

Steinburgs Landrat Torsten Wendt sprach mit Blick auf die Flüchtlingssituation von einer „handfesten Krise“, bei deren Bewältigung der Kreis das Land unterstütze. Insbesondere versprach er auch Hilfe für die Stadt Glückstadt. „Wir stehen bereit. Bürgermeister Blasberg muss nur die Hand heben.“ Für Notfälle hat Wendt Rufbereitschaft für die Katastrophenschutzkräfte des Kreises angeordnet. „Dass etwas nicht klappt, wird es nicht geben“, sagte er im Hinblick auf etwaige Probleme mit der Versorgung der 1200 Menschen, die in wenigen Tagen eintreffen sollen.

Dass noch viele Details zu klären sind, wurde deutlich, als die anwesenden Bürger Gelegenheit hatten, Fragen zustellen. So ist beispielsweise noch unklar, wie genau die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sicher gestellt wird. Das Klinikum Itzehoe wird diese Aufgabe übernehmen. Im Moment wird geprüft, ob dafür das ehemalige Glückstädter Krankenhaus genutzt werden wird. Landrat Wendt stellte klar, dass die „Bedürfnisse der hiesigen Bevölkerung“ nicht hintenanstehen dürften. „Wir werden das gewährleisten.“

Bürgermeister Gerhard Blasberg kündigte eine Einwohnerversammlung binnen der nächsten „sieben bis zehn Tage“ an. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir heute noch nicht mehr sagen können. Auch für uns sind noch viele Fragen offen, die sich erst in der nächsten Zeit klären lassen werden.“

Auf dem ehemaligen Kasernengelände laufen seit gestern die Vorbereitungen. Mitarbeiter der dort ansässigen Tiefbau-Firma von Unternehmer Sönke Krey begannen damit Lagerräume herzurichten. Eigentlich sollten gestern auch schon sechs Sattelschlepper mit Betten und anderem Material ankommen. Sie wurden dann aber kurzfristig zu einem anderen Aufnahmelager umgeleitet.

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