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Erstaufnahme in Itzehoe : Landesamt: „Camp Itzehoe“ darf nicht bei Facebook aktiv sein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Johanniter berichteten transparent über ihre Arbeit mit Flüchtlingen. Nun müssen sie den Account stilllegen.

Itzehoe | Bilder vom Aufbau des Containerdorfs, vom Unterricht in der Deutschschule und vom ersten Schneemann, den die Bewohner gebaut hatten: Die Facebook-Seite „Camp Itzehoe“ gab Außenstehenden Einblicke in das Leben der Flüchtlingsunterkunft auf dem ehemaligen Prinovis-Gelände. Am Dienstag wurde der Auftritt im sozialen Netzwerk geschlossen. Knapp 1500 Nutzer hatten die Seite mit dem Titel „Camp Itzehoe“ abonniert.

Die Facebook-Seite war ein einzigartiges Projekt. Über die Arbeit in keiner anderen Erstaufnahme Schleswig-Holstein wurde in vergleichbarer Weise berichtet.

„Wir danken Ihnen und Euch für das große Interesse an unserer Flüchtlingsarbeit in Itzehoe, hoffen auch künftig auf eine ähnlich große Unterstützung wie im vergangenen Jahr und freuen uns auf ein cybermäßiges Wiedersehen an anderer Stelle“, heißt es in einem letzten Beitrag, mit dem sich die Johanniter, die Betreiber des Auftritts sind, von ihren Nutzern verabschiedeten. Der Betreiber der Unterkunft, das Landesamt für Ausländerangelegenheiten, wünsche, dass die Facebook-Seite geschlossen werde, sagt Lars Bessel von den Johannitern auf Nachfrage. „Das Landesamt verantwortet die Pressearbeit. Wir sind nur ein Dienstleister.“

Dass der Auftritt vor vier Monaten entstanden sei, habe sich damals spontan ergeben. „Wir wollten möglichst viel Transparenz schaffen und die Itzehoer in das Camp hereinschauen lassen“, erklärt Bessel die Motivation.

Für die Schließung des Auftritts gebe es keine speziellen oder aktuelle Gründe, heißt es beim Landesamt. „Wir haben den aktuellen Wartezustand genutzt, um die Dinge zu ordnen und zu bereinigen“, sagt Sprecherin Magdalena Drywa. Momentan befinden sich keine Flüchtlinge in der Unterkunft, Neuankömmlinge werden erst im April erwartet (wir berichteten). Keine andere Landesunterkunft habe einen Facebook-Auftritt und das sei politisch auch nicht angedacht, so Drywa weiter. Hinzu komme die Frage der Zuständigkeit: „Die Johanniter können nicht die Pressearbeit des Landesamts machen.“

Bei den Nutzern der Facebook-Seite sorgte die Ankündigung der Schließung für Aufregung: „Schade, kurze Kommunikationswege ade“, kommentiert Astrid von Löwenstern. Und Frauke Sönnichsen meint: „Da wird endlich mal etwas vorbildlich und richtig gut gemacht – Stichwort: Transparenz – und schon wiehert der Amtsschimmel.“ Nutzer Klaas Hartmann sieht das Landesamt in der Pflicht und sagt an die Johanniter gerichtet: „Eure Informationsarbeit war vorbildlich. Das Landesamt muss erst mal beweisen, dass es dazu auch in der Lage ist...“

Einen neuen Facebook-Auftritt wird es unter der Federführung des Landesamtes nicht geben, kündigt Magdalena Drywa an. Allerdings sei angedacht, auf der Homepage der Behörde ausführlichere Profile der einzelnen Unterkünfte zu erstellen. Und was die Arbeit der Johanniter angeht, so soll es in Zukunft verstärkt auf deren Homepage Informationen geben. Lars Bessel: „Über unsere Betreuungsarbeit und über Spendenübergaben, die an uns gerichtet sind, werden wir auch weiterhin die Öffentlichkeit informieren.“

 

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erstellt am 03.Feb.2016 | 04:52 Uhr

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