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Norddeutsche Rundschau

20. November 2017 | 12:46 Uhr

Krähenplage : Lärm aus mehr als 300 Nestern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Begehung mit Experten zeigt: Eine zeitnahe Lösung gegen die Krähenplage in Kellinghusen ist nicht in Sicht.

Penthousewohnung mit freiem Blick über das Störtal: Die Lieth-Krähen haben Stil, sie siedeln wieder in 1a-Lage. Nachdem die Stadt in der vergangenen Saison auf die jährliche Vergrämungsaktion verzichtete, kehrte das gesellige Vogelpack in Scharen in sein Stammgebiet zurück. Kleine Kolonien an verschiedenen Punkten der Stadt sind verlassen oder werden nur noch gering genutzt. Lautes Gezeter bei Nestbau und Jungenaufzucht, gepaart mit dem üblichen Ausscheidungsdreck, brachten bereits Lieth-Anlieger auf den Plan (wir berichteten). Allein im mittleren Liethabschnitt auf Höhe der Grundschule zählte der Bauhof 230 Nester. Hinzu kommen im vorderen Teil zwischen Bergstraße und Liethtreppe 17 Behausungen und im unteren zwischen Beseler Allee und Klein Tirol noch einmal 58.

Im Rahmen einer vom Ausschuss für Hochwasser und Umwelt geplanten Lieth-Begehung konnten die Fachleute den Bürgern keine Lösung anbieten. Ein Patentrezept gegen die geschützten und als Singvögel klassifizierten Saatkrähen gibt es nicht. Dies bestätigte auch Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR). Der Ortstermin mit Ausschuss-Chef Volker Ballin (KeLi), Bauhofleiter Markus Sindt-Wurr, Förster Christian Rosenow und Manfred Garbrecht, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft mittlere Stör, endete mit einem entsprechend nüchternen Fazit: „Die Gemeinde hat die Wahl zwischen vielen kleineren Kolonien oder einer großen in der Lieth,“ so Albrecht.

Illusorisch sei die Annahme, die Vögel komplett aus dem Stadtgebiet verbannen zu können. Die Erfahrung zeige, dass angestammte Kerngebiete immer wieder angeflogen werden. „Dabei gibt es ausreichend Flächen für sie“, nannte Garbrecht das Beispiel des Bos’schen Holzes in der Nähe des Reitanlage. Nur werde es von den Krähen nicht angenommen. Eine anhaltende Tendenz zur Ansiedlung in Menschennähe stellte auch Förster Rosenow fest. Gründe dafür sind schrumpfende Grünlandflächen als Nahrungsgrundlage in der freien Natur einerseits, und ein reich gedeckter Tisch im Stadtgebiet andererseits. Die Politiker in Umweltausschuss und Ratsversammlung haben jetzt die Wahl: Entweder ein geschlossenes Ansiedlungsgebiet mit rund 500 Nestern in der Lieth, oder eine neuerliche Vergrämungsaktion mit der Folge einer dezentralen Ansiedlung – und noch mehr betroffenen Bürgern inklusive Liethanlieger. Denn die Knallgeräusche von Februar bis Mitte März schafften es bislang nicht, die die Krähen komplett aus der Grünanlage zu vergraulen. „Gänzlich werden wir sie nicht herausbekommen“, räumte Sindt-Wurr ein.

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