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Beispiel Burg in Dithmarschen : Ländlicher Raum: Dörfer in SH bluten immer mehr aus

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Entwicklung im ländlichen Raum wird vom Land eingeschränkt – und die Gemeinden erwarten mehr Leerstände.

Burg | Der demografische Wandel stellt ganz Schleswig-Holstein vor eine große Herausforderung. Besonders schlimm ist es in den ländlichen Kreisen und den kleinen Gemeinden. Ein Blick nach Dithmarschen: Man stelle sich vor, Quickborn (184 Einwohner), Brickeln (210) und Großenrade (490) wären von der Landkarte verschwunden. Diese zusammen 884 Einwohner würden noch nicht einmal ausreichen, um den Bevölkerungsschwund, den das Amt Burg/St. Michaelisdonn seit Dezember 2006 erfahren hat, darzustellen. 969 Einwohner zogen weg, starben, wurden nicht durch Zuzug und Geburten ersetzt.

16.882 Einwohner zählte das Amt am 31. Dezember 2006, 15.913 sind es 2014. Diese Zahlen, die den Trend in den ländlichen Regionen widerspiegeln, gab der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Burg/St.Michel, Udo Albrecht (56), während der jüngsten Sitzung des Schul- und Finanzausschusses bekannt. „In den Innenbereichen der Gemeinden muss in absehbarer Zeit mit Leerständen gerechnet werden“, sagte Eggstedts Bürgermeister Walter Krotzek voraus. Das ist vielerorts schon heute so.

Beispiel Burg: Im Ortskern stehen seit langem der Ritec Markt (Waldstraße), daneben der ehemalige Schreib- und Bücherladen Wohlleben sowie gegenüber das einstige Provinzial Büro in der Buchholzer Straße leer. Am Marktplatz sind der einstige Edeka-Markt und der ehemalige Gardinen- und Teppichladen nicht belegt, am Holzmarkt die ehemalige Arztpraxis von Dr. Peterknecht und der einstige Fahrradladen gegenüber.

Krotzek regte zur Erfassung des Ausmaßes an Leerständen an, alle davon betroffenen Gebäude in einer Karte zu erfassen. Amtsvorsteher Klaus-Dieter Gäthje, zugleich Bürgermeister von Kuden, sieht in der kommunalen Förderung ein Mitverschulden am Ausbluten der Dörfer. „Die Unterzentren werden gefördert und die kleinen Gemeinden können die jungen Familien nicht halten“, betonte Gäthje. Und das sei so gewollt vom Land. Dort habe man angesichts der demographischen Entwicklung, die einen Bevölkerungsschwund von über 500.000 Menschen bis 2060 prognostiziert, den Rückzug aus der Fläche befohlen. Schließlich bedeuteten weniger Menschen auch weniger Mittel zur Unterhaltung der Infrastruktur.

Umgesetzt wird all dies im Landesentwicklungsplan, demnach Kommunen ab Unterzentrum sowie Burg aufwärts gefördert werden, ansonsten alle Kommunen entlang der sogenannten Entwicklungsachsen, sprich Autobahnen und Bundesstraßen. Für die Dörfer bedeutet das faktisch Baustopp. Neubaugebiete wird es keine mehr geben, der Bürgermeister darf dann quasi nur noch über die Anzahl der Straßenlampen entscheiden. „Eine stark eingeschränkte Entwicklung der Dörfer wird kommen“, unterstrich Albrecht. Im Amt würden dann nur noch die an der Bahnstrecke Hamburg-Westerland liegenden Unterzentren Burg/St.Michel gefördert.

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erstellt am 06.Apr.2015 | 15:30 Uhr

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