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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 20:01 Uhr

Kriminalität : Ladendiebstähle nehmen zu

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Polizei registriert steigende Zahl von Delikten in Itzehoe / Einzelhändler beklagen: „Die Täter haben nichts zu befürchten.“

In Itzehoes Läden wird immer mehr gestohlen – das zeigt zumindest der Blick in die Kriminalstatistik. Während im Jahr 2014 nur 176 Ladendiebstähle im Stadtgebiet angezeigt wurden, ist die Zahl in 2015 um mehr als die Hälfte auf 283 angezeigte Taten gestiegen. Damit beläuft sich der Schaden für die Einzelhändler auf 26 553 Euro, 2014 waren es 8966 Euro.

Die meisten Delikte würden von Einzeltätern verübt, Banden seien nur vereinzelt am Werk, so Polizei-Sprecher Hans-Werner Heise. Eine Erklärung für den enormen Anstieg der Zahlen hat er nicht. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich unsere Gesellschaft so verändert hat, dass plötzlich mehr geklaut wird.“ Ein Grund könne dagegen sein, dass die Bereitschaft der Einzelhändler, Fälle zur Anzeige zu bringen, gestiegen sei. Denn: „Nur Fälle, die angezeigt werden tauchen auch in der Statistik auf. Über das Dunkelfeld haben wir keine Angaben.“ Einen Zusammenhang mit den gestiegenen Flüchtlingszahlen weist Heise zurück: Von den 283 Taten im Jahr 2015 gehen 41 auf das Konto von Asylbewerbern. „Auf die Gesamtheit gesehen sind das nicht viele.“

Das sieht der Geschäftsführer zweier städtischer Edeka-Märkte, Dierk Frauen ganz ähnlich: „Natürlich gibt es Flüchtlinge, die klauen. Aber die Zahl der Täter ist nicht größer als unter Einheimischen.“ Einen Anstieg der Ladendiebstähle kann Frauen in seinen Märkten nicht feststellen. Zunehmen würde hingegen das Phänomen, dass größere Mengen, beispielsweise von Spirituosen, auf einmal geklaut werden. „Diebe entdecken wir zwar nicht täglich, aber ich bin mir sicher, dass täglich bei uns gestohlen wird.“

Von „häufigen Ladendiebstählen“, spricht auch Sven Haltermann, Geschäftsführer des Modehauses Behrens und Haltermann. Er könne in den letzten Jahren einen schleichenden Anstieg der Taten feststellen. Meist gebe es bestimmte Phasen, in denen besonders viel gestohlen würde – möglicherweise Banden, die auf der Durchreise seien. „In diesen Zeiten sind wir besonders aufmerksam.“

Kleinere Händler haben offenbar weniger mit Ladendiebstählen zu tun, wie unsere nicht-repräsentative Umfrage ergibt. „Ich habe noch nie einen Ladendieb dingfest gemacht“, sagt beispielsweise Andreas Meurer vom Bücherkänguruh. Lediglich einmal im vergangenen Jahr habe er den Verdacht gehabt, dass ein älterer Mann ein Buch geklaut habe, an dem er zuvor Interesse bekundet habe.

Auch Stefan Schuldt von Spielwaren Rathjen kann sich im Jahr 2015 nur an einen größeren Fall erinnern: Ein Mann habe ein Teil für eine Modelleisenbahn im Wert von 400 Euro gestohlen. Geschnappt habe er ihn nicht: „Der war zu schnell im Auto. Dort wartete schon sein Komplize.“

Alle Händler betonen gleichermaßen, wachsam zu sein und jeden Fall zur Anzeige zu bringen – meist jedoch ohne großen Erfolg. „Aus den letzten Jahren ist mir nicht ein Fall bekannt, in dem ein Täter verurteilt wurde“, sagt Sven Haltermann. Die Diebe hätten nichts zu befürchten, die Staatsanwaltschaft unternehme nichts, spätestens nach einer Stunde seien sie wieder auf freiem Fuß. „Wir sind seit Jahre sehr erbost darüber, dass die Staatsanwaltschaft diese Form von Kriminalität als Bagatelle behandelt“, sagt Dierk Frauen.

„Dass die Täter nichts zu befürchten haben, ist nicht ganz richtig“, sagt der Sprecher der Itzehoer Staatsanwaltschaft, Peter Müller-Rakow. Zwar werde in vielen Fällen das Verfahren eingestellt, beispielsweise wenn die Beute einen Wert von unter 50 Euro habe. Allerdings werde auch die Einstellung im Verfahrensregister des Beschuldigten vermerkt. „Somit hat er spätestens etwas davon, wenn er die nächste Tat begeht. Denn wer mehrfach auffällt, gegen den wird Anklage erhoben.“

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erstellt am 05.Apr.2016 | 12:00 Uhr

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