Lachen auf der Spur des Adels

Plausch nach der Show: Sebastian Schnoy (r.) mit Stephan Vollbehr.
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Plausch nach der Show: Sebastian Schnoy (r.) mit Stephan Vollbehr.

Kabarettist Sebastian Schnoy testet Programm im Kulturhof

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12. Januar 2015, 05:00 Uhr

Ein Kabarett-Abend über den Adel? Oha! Das ist gefährlich. Denn mit dem Adel haben es die Deutschen nicht so. Ein Blick in die Runde im Kulturhof beweist es: Da sitzen nur „Menschen, die für ihr Geld arbeiten müssen“, stellt Kabarettist Sebastian Schnoy fest, selbst Arbeiterkind, aufgewachsen in Hamburg-Barmbek, wo der einzige Adelige der „Lord von Barmbek“ war – ein Einbrecherkönig.

„Das Royale geht uns völlig ab“, weiß Schnoy. Das war schon immer so: Während bei den Römern alles farblich aufeinander abgestimmt war, sind die Germanen nackt in den Kampf gezogen, „die Strategie des Abschreckens“. Eine Tradition, die lebt. „Wer schon einmal an einem FKK-Strand in Mecklenburg war, weiß: Bei den Taliban ist nicht alles schlecht.“

Und spätestens durch Luther, dem Anti-Adel schlechthin, sei den Deutschen die Mentalität eingetrichtert worden, „sinnlose Dinge bis zum Ende durchzuziehen“. Dabei wäre es doch langsam mal angebracht, „das Schöne, Opulente in unser Leben zurückzuholen“. Bei den Bauten könne der Adel durchaus Vorbild sein. Was der vor Jahrhunderten gebaut hat, steht noch heute. Davon kann die Störbrücke nur träumen.

Mit Wissen und Witz geht es auf den Spuren der „Vons“ und „Zus“ durch die Jahrhunderte und quer über den Globus. Von „Stauffenberg zu Guttenberg“, wie das Programm auch heißt, vom Kolosseum zu Ikea, von Queen Elizabeth zu Uwe Ochsenknecht, von Napoleon zu Ole von Beust, der in Hamburg wieder einführte, „was dem Adel liegt: öffentliches Eigentum zu privatisieren“.

Hintersinnig verbindet der Historiker Schnoy Geschichtliches mit der Gegenwart, Fakten mit Gags – bei manchem Zuhörer bleibt da wohl mehr Wissen hängen als in vielen Geschichtsstunden in der Schule. Denn natürlich kann man aus Geschichte lernen, weiß Schnoy. Wenn man sich nur mal etwas merken würde: „Napoleon wurde vom Winter überrascht. Hitler wurde vom Winter überrascht. Und die Deutsche Bahn wird jedes Jahr wieder vom Winter überrascht.“

Es ist eine Welturaufführung des Programms. Die Itzehoer im Kulturhof sind das Test-Publikum vor der Premiere am 23. Januar in Alma Hoppes Lustspielhaus in Hamburg: „Wo ihr lacht, das werden auch die anderen sehen“, erklärt Schnoy. Einige der Gags wurden noch wenige Stunden zuvor geschrieben. Mitunter merkt man es, da sind die Pointen noch etwas bemüht, die Übergänge noch ein wenig holprig.

Im zweiten Teil, wo altes und neues Programm sich mischen, wird Schnoy sicherer. Am besten ist er dann, wenn er richtig böse ist, politisch unkorrekt, respektlos, zynisch. Aber darf man das? Darf man Witze machen über Krieg, Gewalt, Terrorismus? Oder über die Flucht aus Ostpreußen – für Schnoy eines der wenigen Ereignisse, bei dem eine Jack-Wolfskin-Jacke die passende Kleidung wäre. Ja! Man darf, und vielleicht muss man sogar. Vor allem dann, wenn man wie Schnoy nicht nur witzig ist, sondern auch klug. „Humor muss böse sein“, sagt er. „Und wenn man über Dinge lacht, die traurig sind, heißt das nicht, dass man ein schlechter Mensch ist.“ Schließlich ist Humor „das Einzige, was man dem Leben entgegen werfen kann“. Und so streift er fast nebenbei auch die Attentate in Paris. 72 Jungfrauen im Paradies würden denjenigen versprochen, die für den Koran in den Tod gehen. Ein fataler Überlieferungsfehler – „es ist eine 72-jährige Jungfrau“.

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