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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 04:00 Uhr

Kurzfilm verhilft zur China-Reise

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ehepaar aus dem Luftkurort gewinnt bei Wettbewerb Trip ins Reich der Mitte

Einladung ins Reich der Mitte: Am 15. April fliegen Daniel und Åsa Voß nach China in die Millionenstadt Hangzhou. Der Sender ,,China Radio International“ hat das Burger Ehepaar, das in diesem Jahr beim Historienspiel zum Burger Holzmarktfest Regie führt, für eine Woche eingeladen. Die beiden sind Gewinner eines globalen Kurzfilmwettbewerbs. Ebenso wie neun weitere Paare aus aller Herren Länder. Sprachschwierigkeiten wird es keine geben, denn alle eingeladenen Gäste sprechen Esperanto.

Esperanto ist eine 1887 von einem polnischen Augenarzt ins Leben gerufene Brückensprache, gedacht als besonders einfach strukturierte und einfach zu erlernende Verständigungsmethode neben der Muttersprache. Universell durchgesetzt hat sich diese Eine-Welt-Sprache nie. In Burg entdeckte der heute 30-jährige Zeitsoldat Daniel Voß Ende der 1990er Jahre Esperanto für sich. „Ein deutscher Top Ten Hit der Gruppe ‚Freundeskreis‘ hieß ‚Esperanto‘“, erzählt der Familienvater. Ein Jahr brauchte es, dann hatte er sich die Weltsprache selbst beigebracht. Als er seine Åsa (49) kennen lernte, war die Überraschung groß: Die in Burg aufgewachsene gebürtige Schwedin sprach ebenfalls Esperanto. Die gemeinsamen Töchter Jemina (9) und Johanna (8) wachsen dreisprachig auf mit Deutsch, Schwedisch und Esperanto.

In Kultur und Medien wurzeln die gemeinsamen Interessen der Eheleute. So kamen sie 2009 zum Kurzfilm. Mit ihrem ersten Kurzfilm gewannen sie einen Laptop, mit ihrem zweiten 500 Euro. Ihr dritter Kurzfilm mit dem Titel „La Mirinda Teskatolo“ („Die wundersame Teedose“) bringt sie nun nach China. Der Esperanto Kanal von „China Radio International“ hatte den Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben. Thematisch gab es die Vorgaben „Tee“ und „Liebe“. Daraus einen Film zu drehen, blieb der Kreativität der Teilnehmer überlassen.

„Wir hatten vier Wochenenden Zeit, da ich in der Woche fernab der Heimat Dienst tat“, sagt Daniel Voß. Als erstes musste eine Story her. ,,Die Grundidee hatte Åsa sofort. Eine Tasse Tee, in der die Teeblätter sich am Ende auf dem Boden zu einem Herz formen. Um dieses Bild herum schrieben wir die Story.“ Fünf Seiten Drehbuch mit Drehplätzen, Schnitten, Kameraeinstellungen, Staffage schrieb das Paar. Glück mit dem Wetter wurde ebenfalls benötigt, denn aufgenommen wurden die Sommerszenen im Oktober unter anderem am Kanal und im Burger Museum. Gedreht wurde der Film mit einem Handy, geschnitten an einem gebrauchten Laptop. Auch die Spezialeffekte komponierte Daniel Voß auf dem Laptop. Neben den Eheleuten und einer Tochter fungierten die Mütter der beiden als Akteure. Text lernen musste keiner, denn der Film kommt ohne Sprache aus. Leichte Klassik von Chopin bildet die musikalische Untermalung.

Der Film startet in den 60er Jahren: Ein junges Liebespaar wird getrennt, weil er auf See muss. Sie erwartet sein Baby. Als Andenken hat er ihre Teedose dabei, auf deren Boden sie ein Herz eingraviert hat. Sein Schiff sinkt, sie wartet Jahr um Jahr – dann wird die Teedose angespült. Drehort für diese Szene war Klein-Westerland, wo Daniel Voß die Wellen erzeugen musste, die die Dose ans Ufer spült. Bei unter zehn Grad Wassertemperatur eine durchaus knackige Aufgabe. An dem eingravierten Herz erkennt sie die inzwischen rostige Dose wieder. Daheim nutzt die ergraute Frau die Teedose. Als sie sich eine Tasse Tee eingießt, erscheint an deren Boden ein Herz aus Teeblättern. Wie durch ein Wunder sitzt er ihr auf einmal gegenüber, so wie einst, als sie noch ein junges Liebespaar waren. Und sei weiß: ,,Er hat mich nie vergessen.“

Für die Eheleute Voß ist es ihr erster Chinabesuch. „Wir sind gespannt auf die Kultur und die Menschen“, sagt Åsa Voß. Der Preis ist die Reise, ob es vor Ort noch eine Siegerkürung geben wird, ist offen. Wer ,,La Mirinda Tescatolo“ sehen möchte, wird im Netz auf YouTube fündig, ebenso auf www.voss-daniel.de, der Homepage der beiden Burger Espis, wie Esperanto Freunde sich abgekürzt gerne nennen.

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erstellt am 04.Mär.2015 | 10:48 Uhr

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